Tag des Faulenzens Aus Nichtstun sind schon Weltrekorde entstanden

Junge Frau trägt Sonnenhut und liegt in einer Hängematte
Einfach mal einen Tag lang nichts zu tun - dazu fordert der "Goof-Off-Day" (Deutsch: Tag des Faulenzens) am 22. März auf
© New Africa/AdobeStock
Auch Abhängen oder Nichtstun will gelernt sein. Am 22. März wird diese demonstrative Haltung mit dem "Tag des Faulenzens" gefeiert. Auf die Spitze treiben es Rekorde der Unproduktivität

In unserer schnellen Welt bleibt selten Zeit dafür: Einfach mal einen Tag lang nichts zu tun - dazu fordert der "Goof-Off-Day" (Deutsch: Tag des Faulenzens) am 22. März auf. Demonstrative Unproduktivität hat bereits zu Höchstleistungen geführt, die schwer zu toppen sein dürften:

Still gestanden: Akshinthala Seshu Babu hatte es in Neu-Delhi ganze 35 Stunden lang geschafft, absolut nichts zu tun. Mit einem Stock in der Hand stellte er sich wie eine Statue auf ein Podest und hielt so lange still, bis er nicht mehr konnte.

Babu kleidete sich dazu wie der Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi, weil er dessen Prinzipien bewunderte. Das erklärte er 2002 in einem BBC-Interview. Auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist Nichtstun alles andere als eine verschwendete Zeit, denn es kann die Kreativität steigern. Die Holländer sehen darin sogar einen eigenen Lifestyle und nennen ihn "Niksen".

Öfter mal aus der Effizienzlogik des Alltags aussteigen und den Blick für Schönheit und Muße weiten: Das ist im Grunde die Logik des Künstlerdaseins. Immer mehr Menschen erobern sich Entschleunigungs-Oasen durch Arbeitszeitverknappung oder Sabbaticals 

Entschleunigung Vom Mut zur Muße: Warum Nichtstun so wichtig ist

Viel wird derzeit über die Arbeitsmoral der Deutschen diskutiert. Die Wirtschaftswundernation sei faul geworden, warnen Wirtschaft, Politik und Medien. Doch das Talent zur Ruhe auch außerhalb der Ferien wiederzufinden ist nötig und ein fast subversiver Akt. Ein Lob des Müßiggangs

Dauer-Telefonat: In Zeiten von Handy-Flatrates und daher fehlendem Kostendruck können auch Telefonate von Faulheit geprägt sein. Auf die Spitze trieben es zwei Teams 2012 in Riga, Lettland, die 54 Stunden und vier Minuten miteinander telefonierten. Das bescherte ihnen einen Weltrekord im Guinness-Buch der Rekorde.

Vor Zeitvertreib mit dem Handy wird gewarnt

Vor einem reinen Zeitvertreib mit dem Handy warnt der Soziologe Peter Vorderer von der Universität Mannheim. Als Beispiele nennt er den Warteraum in der Praxis oder die Kasse im Supermarkt. Denn solche Momente böten eine Möglichkeit zur Rückbesinnung und zum Reflektieren, die der ständige Blick aufs Handy blockiere, erklärt Vorderer.

Auch Jenny Odell empfiehlt in ihrem Buch "Nichts tun", die Zeit nicht mit dem Handy zu verschwenden. Sie beschreibt die eigene Aufmerksamkeit als ein sehr wertvolles Gut. Der Rat der Autorin lautet deshalb, mal in Ruhe die Natur zu beobachten und damit auch dem Druck der Produktivität zu entkommen.

Längste Umarmung: Mit dem Lieblingsmenschen kuscheln und sich umarmen - nicht sonderlich produktiv, aber schön und manchmal total romantisch: Aus diesen Zutaten ist der Weltrekord von Theresa Kerr und Ron O'Neil entstanden. Die beiden umarmten sich 24 Stunden und 33 Minuten lang. Die Aktion im Jahr 2010 an einem Strand in Kanada hatte auch einen wohltätigen Zweck. Es wurde Geld gesammelt, das an eine Stiftung für Diabetesforschung ging.

Liegen bleiben: Einfach abhängen, das schrieben sich die Mainzer im Jahr 2016 auf die Fahnen. Bei einem Stadtfest nahmen 269 Menschen gleichzeitig eine Hängematte in Beschlag. Damit wurde auch ein neuer Weltrekord aufgestellt - mindestens 250 mussten belegt sein.

Fika bedeuteet "Kaffee trinken" oder "Kaffeepause machen". Für die Skandinavier ist die Tradition aber viel mehr: Sie bietet eine willkommene Unterbrechung des Arbeitstages, um mit Kolleginnen oder Freunden Abstand vom beruflichen Stress zu gewinnen

Schweden Fika - das kleine Glück während der Kaffeepause

Die Finnen und Dänen gelten als noch ein bisschen glücklicher, aber auch die Schweden zählen seit langem zu den zufriedensten Menschen der Welt. Ein Geheimmittel des schwedischen Glücks findet sich in der täglichen Kaffeepause am Arbeitsplatz

Arbeit ohne Arbeit: Es gibt sogar Arbeitsstellen, bei denen fürs Nichtstun Geld bezahlt wird. Bei einem Job in Schweden kann man alles oder nichts tun. Für einen monatlichen Lohn von rund 2000 Euro ist es nur zwingend, morgens und abends bei der Arbeitsstelle ein- und auszuchecken. Was oder ob dazwischen etwas geleistet wird, ist freigestellt. Die Initiatoren des Projektes wollen damit symbolisch Produktivität und permanentes Wachstum in Frage stellen.

Auch die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg vergab 2021 drei Stipendien. Die Bewerber - 3000 nahmen teil - sollten mit ihrer Idee zum Nichtstun überzeugen.

dpa