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Gefährliche Tendenz Megacitys sinken weitaus schneller, als der Meeresspiegel steigt

Viele der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt – hier: Jakarta, Indonesien – sinken dem Meeresspiegel entgegen
Viele der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt – hier: Jakarta, Indonesien – sinken dem Meeresspiegel entgegen
© Creativa Images / Adobe Stock
Viele boomende Ballungsräume an den Küsten Asiens sind nicht nur vom Meeresspiegelanstieg bedroht – sie sinken ab. Und das weitaus schneller als gedacht

Der Boom der Megacitys in den Küstenregionen Süd- und Südost-Asiens hält unvermindert an – also genau dort, wo infolge des Klimawandels Überschwemmungen drohen. Schätzungen zufolge werden um die Jahrhundertmitte rund eine Milliarde Menschen in Küstenregionen leben, die sich weniger als zehn Meter über den Meeresspiegel erheben. Doch für viele Städte ist der Meeresspiegelanstieg nicht einmal das größte Problem.

Ein Forschungsteam von der Nanyang Technological University in Singapur hat für eine neue Studie Satellitendaten für 48 asiatische Megacitys ausgewertet, die zusammen etwa ein Fünftel der in Städten lebenden Weltbevölkerung ausmachen. Das beunruhigende Ergebnis: Viele der am dichtesten besiedelten Regionen sinken stark ab. Das Nachgeben des Untergrundes in Megacities wie Tianjin, Ho-Chi-Minh-Stadt, Chittagong, Rangun oder Jakarta übersteigt demnach den Anstieg des Meeresspiegels um ein Vielfaches. Der resultierende, relative Meeresspiegelanstieg stellt für die Millionenstädte teilweise eine größere Gefahr dar als bislang angenommen.

Warum Städte absinken

Als Grund für das Absinken des Untergrunds kommen mehrere Faktoren in Betracht: Viele Küstenstädte sind auf weiche, wasserreiche Sedimente gegründet, die unter dem Gewicht der Gebäude und Infrastruktur langsam zusammengedrückt werden. Neue Sedimente, die das Absinken ausgleichen könnten, fehlen dagegen in besiedelten Regionen. Auch die Entnahme von Grundwasser für die Industrie und die Versorgung von Millionen Menschen kann dazu führen, dass sich der Boden über dem Wasserspeicher absenkt.

Die Absenkung variiert dabei zwischen den Ballungsräumen und auch innerhalb der Ballungsräume erheblich – nämlich zwischen 1,1 und 16,2 Millimeter pro Jahr. Die Expert*innen des Intergovernmental Panel on Climate Change waren in ihrem Bericht aus dem Jahr 2019 noch von einer Absinkrate zwischen 4,9 und 5,2 Millimeter pro Jahr ausgegangen.

Demgegenüber stieg der globale Meeresspiegel zwischen den Jahren 2006 und 2018 um 3,7 Millimeter jährlich.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass auf der Grundlage der neuen Daten die Gefahren für die Regionen und städtebaulichen Maßnahmen neu bewertet werden sollten. Das Forschungsprojekt zeigt nämlich auch: Die stärksten Absinkraten betreffen meist nur kleine Teile der Städte – die besonders geschützt werden müssen.


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