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Vibrionen Gefährliche Bakterien in der Ostsee – was Sie darüber wissen sollten

Familie auf einem Steg im Meer
Vibrionen kommen natürlicherweise in der Ostsee vor – manche Arten sind für den Mensch gefährlich und können bei einem Bad im Meer durch offene Wunden in den Körper gelangen
© Per-Boge/Shutterstock
In vielen Ostseebädern wird derzeit vor Vibrionen gewarnt. Die Bakterien können vor allem für ältere und vorerkrankte Menschen ein Risiko darstellen. Eine unbehandelte Vibrionen-Infektion kann tödlich enden. Was Sie über das Bakterium wissen sollten

Viele Ostseebäder machen derzeit mit Aushängen auf die Gefahr durch Vibrionen aufmerksam. Die Bakterien kommen natürlicherweise im Ostseewasser vor und vermehren sich ab Wassertemperaturen von etwa 20 Grad.

Sie verursachen in sehr seltenen Fällen teilweise schwere Infektionen, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) von Mecklenburg-Vorpommern mitteilte. Nach dem nun veröffentlichten Vibrionen-Bericht aus der vergangenen Woche hat sich erstmals in diesem Jahr ein 80-jähriger Mann aus dem Bundesland nachweislich eine Infektion mit den Bakterien zugezogen. Wie das Lagus berichtete, sei in diesem Fall das hohe Alter als Risikofaktor zu betrachten. In der Badesaison 2020 seien in Mecklenburg-Vorpommern acht Infektionen gemeldet worden, Sterbefälle habe es nicht gegeben. Seit 2003 seien es insgesamt 69 Infektionen gewesen, an denen neun Menschen – alle mit relevanten Vorerkrankungen – gestorben seien.

Vor allem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann eine Vibrionen-Infektion gefährlich werden. Bleibt eine Erkrankung unentdeckt, kann sie im schlimmsten Falle zum Tod führen. Was man über Vibrionen wissen sollte:

Was sind Vibrionen genau?

Vibrionen sind stäbchenförmige Bakterien. Vibrio vulnificus, eine für den Menschen potenziell gefährliche Art, kommt natürlicherweise im Meer- aber auch im Brackwasser vor, teilt das Gesundheitsamt Schleswig-Holstein mit. Das Bakterium ist "salzliebend". Es kommt aber nur in Gewässern vor, deren Salzkonzentration nicht zu hoch ist – wie in der Ostsee.

Bei kalten Wassertemperaturen sind Vibrionen inaktiv. Klimawandelbedingte Veränderungen der Ostsee, wie etwa der bis zum Jahr 2100 erwartete Anstieg der Oberflächenwassertemperatur um zwei bis vier Grad, begünstigen die Vermehrung von Vibrionen, heißt es beim Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Da sich die Bakterien bei Wassertemperaturen ab 20 Grad Celsius vermehren, fällt dies mit der Haupttourismussaison in Nordeuropa zusammen.

Wie können sich Menschen mit Vibrionen infizieren?

Bei einem Bad im Meer können sich Menschen mit Vibrionen infizieren, wenn sie eine offene Wunde am Körper haben. Durch sie können die Bakterien in den Körper gelangen. Das Gesundheitsamt Schleswig-Holstein erläutert, dass die Übertragung schon durch oberflächliche und kleine Wunden erfolgen kann.

Wer nicht richtig gegarten Fisch, Muscheln oder Krabben isst, kann sich außerdem über das Essen mit dem Bakterium infizieren. Die Meerestiere aus Nord-und Ostsee werden deshalb kontrolliert, so das Gesundheitsamt. 

Welche Personen sind besonders gefährdet, sich mit Vibrionen zu infizieren?

Ältere Personen mit einem geschwächten Immunsystem gehören zur Risikogruppe. In den Badeinformationen des Lagus werden Menschen mit chronischen Krankheiten zum Beispiel Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Diabetes zu der gefährdeten Gruppe gezählt. Das Robert Koch-Institut (RKI) warnt davor, dass Menschen mit Krebserkrankungen sowie Personen mit schweren Herzerkrankungen ein erhöhtes Risiko haben, eine Vibrionen-Infektion zu bekommen und daran schwer zu erkranken.

An welchen Symptomen erkenne ich eine Vibrionen-Infektion?

Wer sich über eine Wunde infiziert, kann nach Informationen des schleswig-holsteinischen Gesundheitsamtes unter Haut- und Gewebszerstörungen leiden. Laut RKI können sich "tiefgreifende Nekrosen" (das Absterben von Zellen, örtlicher Gewebstod) bilden, wenn die Infektion nicht richtig behandelt wird.

Außerdem kann die Infektion zu Fieber, Schüttelfrost und einer schweren Sepsis (Blutvergiftung) führen. Symptome treten innerhalb von vier bis 96 Stunden – nach dem Eintreten der Vibrionen über die Wunde – auf.

Bei einer Infektion durch den Verzehr von rohem Fisch oder anderen Meerestieren kommt es laut RKI zu Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und krampfartigen Bauchschmerzen. Bei schweren Verläufen kann es auch bei dieser Infektionsform zu einer Sepsis kommen.

Was sollte ich bei einem Infektionsverdacht tun?

Nach dem Baden im Meer sollten Schwimmer entzündete Hautstellen gut beobachten. Schon bei dem leisen Verdacht einer Wundinfektion sollte sofort ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Patienten sollten dem Mediziner unbedigt sagen, dass sie im Meer geschwommen sind, heißt es beim Lagus.

Eine schnelle Behandlung ist wegen des raschen Verlaufs der Infektion sehr wichtig und kann lebensrettend sein, teilt das Gesundheitsamt Schleswig-Holstein mit. In der Regel kann eine rechtzeitig erkannte Infektion mit Antibiotika behandelt werden.

Wie kann man einer Infektion vorbeugen?

Wer eine offene oder schlecht heilende Wunde hat, sollte den Kontakt mit warmem Meerwasser meiden – das gelte vor allem für vorerkrankte Personen und Menschen mit einem schwachen Immunsystem, informiert das schleswig-holsteinische Gesundheitsamt.

Kann die Zahl der Vibrionen in der Ostsee eingedämmt werden?

Durch die steigenden Wassertemperaturen, die vom Klimawandel verursacht werden, kommen Vibrionen immer häufiger vor. Wissenchaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich deshalb damit, wie man die Vibrionen natürlich bekämpfen könnte. Mit dem Projekt "BaltVib" wollen Forschende des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde herausfinden, ob Muschelbänke oder Seegraswiesen in Strandnähe gegen die Vibrionen helfen können. Neben Deutschland sind Wissenschaftler aus sieben weiteren Ostseeanrainer-Staaten an dem Projekt beteiligt. Muschelbänke oder Seegraswiesen sind Lebensräume mit einer hohen Biodiversität und übernehmen damit wichtige Funktionen im Ökosystem.

"Neuere Untersuchungen deuten nun darauf hin, dass in solchen Lebensräumen pathogene Vibrio-Arten deutlich reduziert sein können", heißt es vom IOW. Die Forschenden kennen allerdings noch nicht die Gründe für diesen Effekt – das wird im "BaltVib" untersucht. Sollte sich die These bestätigen, könnten an viel besuchten Stränden gezielt Seegraswiesen angepflanzt werden.

mt dpa

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