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Sorge um die Zukunft Immer mehr Menschen googeln "Klimaangst" – was ist das eigentlich?

In den verganenen Monaten hat sich das Suchvolumen für "Klimaangst" bei Google vervielfacht
In den verganenen Monaten hat sich das Suchvolumen für "Klimaangst" bei Google vervielfacht
© IMAGO / MASKOT
Angesichts der Klimakrise sorgen sich immer mehr Menschen um die Zukunft. Das zeigen auch Daten von Suchmaschinen: Google verzeichnet beim Suchbegriff "Klimaangst" einen Anstieg von 565 Prozent

Waldbrände, Dürren, Flutkatastrophen, schmelzende Gletscher: Die Klimakrise, so scheint es, ist da. Und immer mehr Menschen sorgen sich um die Zukunft des Planeten, um ihre eigene Zukunft, um die Zukunft ihrer Kinder und Enkel. Und das mit gutem Grund: In einer kürzlich erschienenen Studie rechnet ein Expertenteam vor, dass heute Sechsjährige im Vergleich zu 1960 Geborenen dem dreifachen Risiko ausgesetzt sind, Brandkatastrophen, Ernteausfälle, Dürren oder Überschwemmungen zu erleben.

Kaum verwunderlich also, dass Gedanken an die Zukunft bei vielen Menschen mit Angst verbunden sind. Psychologen sprechen auch von Klimaangst, englisch climate anxiety.

Unter dem Begriff Klimaangst fassen Psychologinnen und Psychologen verschiedene Gefühle zusammen, die im Zusammenhang mit dem Wissen über den Klimawandel und seiner Wahrnehmung stehen. Darunter Angst, Schuldgefühle, Wut, aber auch das Gefühl der individuellen Machtlosigkeit.

Wie verbreitet dieses Phänomen ist, lässt sich schwer bestimmen. Einen ersten Anhaltspunkt liefern jedoch Suchmaschinen: Nach Angaben von Google nahmen die Suchanfragen zu dem Begriff "climate anxiety" zwischen August 2020 und August 2021 im Vergleich zu den Vorjahren um 565 Prozent zu.

"Ungewöhnlich" nennt Simon Rogers vom Google News Lab diesen steilen Anstieg, gegenüber dem Magazin Grist. Es gebe offenbar wirklich eine Art existenzieller Furcht angesichts der Klimakrise.

Traurigkeit, Wut, Gefühle von Schuld und Machtlosigkeit

Auch wenn das Volumen von Suchanfragen keine sicheren Rückschlüsse auf in der Bevölkerung verbreitete psychische Belastungen zulässt: Das rapide angestiegene Suchvolumen untermauert einen Trend, den Psycholog*innen schon seit einigen Jahren beobachten. Die Verunsicherung durch bedrohliche Zukunftsszenarien nimmt bei vielen Menschen zu.

Erst vor kurzem befragte ein Forscherteam 10.000 Menschen zwischen 16 und 25 Jahren in zehn Ländern rund um die Welt. Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, sich traurig, ängstlich, wütend, machtlos, hilflos oder schuldig zu fühlen. Bei mehr als 45 Prozent der Teenager und der jungen Erwachsenen haben diese Gefühle nach eigenen Angaben sogar Auswirkungen auf ihr tägliches Leben. Und deutlich mehr als die Hälfte – 56 Prozent – der Befragten sind sogar der Ansicht, dass die Menschheit "zum Scheitern verurteilt" sei.

Klimaangst motiviert zum Handeln

Die Expertinnen und Experten von Psychologists for Future betonen: "Klimaangst ist keine psychiatrische Diagnose." Erst bei einem hohen Leidensdruck und starken Einschränkungen im täglichen Leben könne man von einer Angststörung sprechen. Ihre "zentrale Botschaft": "Die Sorgen und Ängste, die breite Teile der Bevölkerung zum Klimawandel umtreiben, sind für einen angemessenen Umgang mit der Krise vor allem etwas Gutes: Sie motivieren uns zum Eingreifen.

Offenbar haben viele von Klimaangst betroffene Menschen das intuitiv verstanden. Die Google-Auswertung zeigt nämlich nicht nur, dass immer mehr Menschen wissen wollen, was Klimaangst eigentlich ist. Immer mehr Menschen wollen auch wissen, was sie selbst tun können, um Gefühle der Macht- und Hilflosigkeit zu überwinden. Nachdem im August 2021 der erste Teil des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts erschienen war, stieg das Suchvolumen der Frage "What can I do about climate change" um 2600 Prozent.


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