Gesundheit Körpertemperatur sinkt seit Jahrzehnten - warum das eine gute Nachricht ist

Eine aktuelle Studie zeigt: 37 Grad Celsius sind nicht mehr die Regel - der menschliche Körper wird immer kühler. Dahinter steckt eine positive Botschaft
Fieberthermometer

Die Physiologie des Menschen hat sich verändert. Das Ergebnis: ein kühlerer Körper

37 Grad Celsius - diesen Wert kennt jeder. Im 19. Jahrhundert setzte ihn der deutsche Internist Carl Reinhold August Wunderlich als durchschnittliche Köpertemperatur des Menschen fest - nachdem er bei 25.000 Menschen die Temperatur der Achselhöhle gemessen hatte.

Jetzt zeigen neuste Studienergebnisse der Stanford University in den USA: Die menschliche Körpertemperatur sinkt seit Jahrzenten kontinuierlich - in den vergangenen 150 Jahren in den Industrienationen im Durchschnitt um ein halbes Grad Celsius. Zumindest in den Vereinigten Staaten.

Forscher sammeln unzählige Temperaturmessungen

In der kürzlich veröffentlichten Studie wurden medizinische Daten von drei unterschiedlichen Kohortenpopulationen gesammelt und miteinander verglichen. Diese Datengruppen setzten sich zusammen aus:

  • medizinischen Aufzeichnungen von über 24.000 ehemaligen Soldaten um 1900
  • 15.000 Messungen aus Gesundheitsuntersuchungen um 1970
  • 150.000 Daten einer klinischen Stanford-Datenplattform um 2000

Zusammen hatte das Forscherteam um Julia Parsonnet die Möglichkeit, mehr als 675.000 Körpertemperaturmessungen aus den vergangenen 150 Jahren auszuwerten.

Die Studie zeigte eine Senkung der Körpertemperatur bei Männern um 0,59 Grad im Vergleich zu den Messungen aus den Geburtsjahrgängen des frühen 19. Jahrhunderts. Bei Frauen wurden durchschnittlich 0,32 Grad weniger gemessen als vor 100 Jahren. Ähnliche Ergebnisse zeigte eine Analyse von über 35.000 britischen Patienten, bei denen eine mittlere Temperatur von 36,6 Grad bestätigt wurde.

Körpertemperatur gibt Aufschluss über Gesundheitszustand

Laut den Forschern steckt hinter der sinkenden Körpertemperatur die biologische Veränderung von Körper und Umwelt. So habe sich der allgemeine Gesundheitszustand der Menschen in den letzten 150 Jahren enorm verbessert. Dazu habe ein höherer Lebensstandard und der Rückgang von chronischen Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose, beigetragen. Das Ergebnis: ein kühlerer Körper.

Energieverbrauch hat Einfluss auf Körpertemperatur

Schon frühere Studien hatten auf diesen Zusammenhang hingewiesen: Die Stoffwechselraten sind heute niedriger als noch vor Jahrzehnten - ein Indikator für den Energieverbrauch im Körper und damit auch die Temperatur. Wer wenig verbrennt, wird in der Tendenz kühler.