Das Wichtigste zur Tierseuche Das sollten Sie über die Afrikanische Schweinepest wissen

Was genau ist die Afrikanische Schweinepest und was macht die Tierseuche so gefährlich? Die wichtigsten Fragen zur Afrikanischen Schweinepest im Überblick
Schwarzwild

Für Wildschweine ist die Afrikanische Schweinepest doppelt tödlich: Die Seuche selbst rafft infizierte Tiere innerhalb einer Woche dahin. Und jetzt fordert der Bauernverband, dass vorsorglich auch 70 Prozent aller gesunden Tiere erschossen werden

In diesem Artikel
1. Was ist die Afrikanische Schweinepest?
2. Gibt es die Afrikanische Schweinepest in Deutschland?
3. Wie wird die Afrikanische Schweinepest übertragen?
4. Ist die Tierseuche für Menschen gefährlich?
5. Was wird gegen die Ausbreitung unternommen?
6. Warum ist es so wichtig, eine Einschleppung zu verhindern?
7. Ist es sinnvoll, einen Großteil des Wildschwein-Bestandes vorsorglich zu erschießen?
8. Warum gibt es überhaupt so viele Wildschweine in Deutschland?

1. Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Viruserkrankung bei Wildschweinen und Hausschweinen. Wie der Name schon sagt, kommt sie in afrikanischen Ländern südlich der Sahara vor. Infizierte Tiere leiden unter Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen – und sterben in der Regel innerhalb einer Woche. Einen Impfstoff gegen den Erreger gibt es zur Zeit nicht.

2. Gibt es die Afrikanische Schweinepest in Deutschland?

Die Afrikanische Schweinepest wurde 2007 nach Georgien eingeschleppt. Seither verbreitet sich die ASP im Osten Europas. Bislang ist der Erreger schon bis Litauen, Lettland und Polen vorgedrungen. Deutschland ist von der Tierseuche – vorerst – verschont geblieben. Allerdings schätzt das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) das Risiko einer Einschleppung als „sehr hoch“ ein. Darum sind Vorsichtsmaßnahmen so wichtig.

3. Wie wird die Afrikanische Schweinepest übertragen?

Der Virus wird vor allem von Tier zu Tier übertragen. Genau wie bei menschlichen Infektionskrankheiten können aber auch mit Speichel oder Blut benetzte Gegenstände oder Nahrungsmittel die Krankheit übertragen. Aber auch andere Übertragungswege sind denkbar. Das FLI warnt: „Unter ungünstigen Bedingungen kann ein unachtsam entsorgtes Wurstbrötchen ausreichen, um die Seuche einzuschleppen.“

Nämlich dann, wenn das Wurstbrötchen mit Fleisch von infizierten Tieren hergestellt wurde – und von wild lebenden Tieren, zum Besipeil Wildschweinen, gefressen wird. Denn auch in totem Schweine-Gewebe bleiben die Erreger monatelang aktiv. Auch Menschen, die mit erkrankten Tieren in Kontakt kommen, etwa Veterinäre oder Jäger, kommen als Überträger in Betracht. Für sie gelten besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen. Raubtiere und Aasfresser wie Wölfe, Füchse und Raben spielen dagegen bei der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest offenbar keine Rolle.

4. Ist die Tierseuche für Menschen gefährlich?

Nein. Das ASP-Virus ist für Menschen (und andere Tierarten als Wild- und Hausschweine) vollkommen ungefährlich.

5. Was wird gegen die Ausbreitung unternommen?

Um einer Ausbreitung zuvorzukommen, fordern Politiker, Jäger und Bauernverband, den Wildschweinbestand vorsorglich drastisch zu dezimieren. Der Bauernverband fordert sogar, den Schwarzwild-Bestand um 70 Prozent zu reduzieren. Um einen zusätzlichen Anreiz für Jäger zu schaffen, haben einige Bundesländer eine Abschussprämie von bis zu 50 Euro für jedes erlegte Tier ausgelobt.

Das FLI empfiehlt dagegen eine Reduktion um 70 Prozent nur für den Seuchenfall – also erst dann, wenn die Schweinepest nachweislich aufgetreten ist. Und dann nur in der sogenannten Pufferzone, einem Areal von 12.000 Quadratkilometern – das entspricht fast der Hälfte von Mecklenburg-Vorpommern – rund um die Fundorte von infizierten Wildschweinen. Da es keinen wirksamen Impfstoff gegen das Virus gibt, sind Verhaltensmaßnahmen besonders wichtig. Verendete Tiere müssen gemeldet werden.

6. Warum ist es so wichtig, eine Einschleppung zu verhindern?

Wenn es nur um Leben und Gesundheit von Wildschweinen ginge, würde der Bauernverband nicht fordern, dass 70 Prozent des kompletten Schwarzwild-Bestandes vorsorglich erschossen werden. Aber da die ASP auch für Hausschweine ansteckend ist, ist der potenzielle wirtschaftliche Schaden immens. Zwar sind moderne Schweinezucht- und Mastställe meist mit speziellen Sicherheitsschleusen ausgestattet, um die Einschleppung von Infektionen zu verhindern. Doch gelangt der Erreger der Afrikanischen Schweinepest trotz aller Sicherheitsmaßnahmen in einen Zucht- oder Mastbetrieb, kann im schlimmsten Fall behördlich angeordnet werden, dass der gesamte Bestand getötet und entsorgt wird.

7. Ist es sinnvoll, einen Großteil des Wildschwein-Bestandes vorsorglich zu erschießen?

Kritiker halten die massive Bejagung von Wildschweinen für überzogen. So sagte der Wildtierökologe Sven Herzog im Interview mit der ZEIT: „Die Jagd darf nicht zu einer Art radikaler Schädlingsbekämpfung verkommen.“ Es sei eine Illusion, verstärkte Jagd könne die Schwarzwild-Bestände nachhaltig reduzieren. Besonders kritisch sehen Tierschützer – neben der Intensivierung der Jagd –, dass etwa in Baden-Württemberg sogar weibliche Wildschweine erschossen werden dürfen, die noch Junge säugen. Auch der Wald könnte Schaden nehmen. Denn verängstigte Tiere würden dann nicht mehr auf Freiflächen Nahrung suchen – sondern im Wald Knospen und Triebe von jungen Bäumen abknabbern.

8. Warum gibt es überhaupt so viele Wildschweine in Deutschland?

Wildschweine fühlen sich wohl in Deutschland – und niemand weiß genau, wie viele es von ihnen gibt. Nur die toten wurden gezählt: 2017 wurden knapp 600.000 Wildschweine erlegt. Eine Ursache der dichten Population ist die Landwirtschaft, vor allem der Mais– und Rapsanbau in großen Monokulturen. Wildschweine lieben die beiden Pflanzen, aus denen mit hohen Subventionen Biogas und Biosprit hergestellt werden.

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