Ein spritziges, spaßiges Getränk, das auch noch gut für unseren Körper sein soll? Funktionelle Limonaden wie High-Fiber-Drinks versprechen, genau das zu sein.
Sie wollen uns eine Extraportion Ballaststoffe (engl. "fiber") liefern, auch Apfelessig und Milchsäurebakterien sind klassische Bestandteile. All das soll Verdauung und Darmgesundheit unterstützen. Dazu enthalten die Getränke weniger Zucker als klassische Softdrinks - oder gleich gar keinen.
Wie sinnvoll sind diese Getränke? "Prinzipiell klingt das erstmal gut", findet Antje Degner von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Sie sieht aber auch ein "Aber": "Die zugesetzte Menge an Ballaststoffen ist oft nicht besonders hoch und die teilweise enthaltenen Zusatzstoffe wie Süßstoffe, Stabilisatoren oder Konservierungsstoffe machen die Getränke auch nicht unbedingt gesund."
Wie stark die Drinks auf das Ballaststoff-Konto einzahlen
Kurzer Exkurs: Ballaststoffe sind Nahrungsbestandteile, die wir nicht oder nur teilweise verdauen können. Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst und Gemüse enthalten viel davon. Ballaststoffe regen die Verdauung an und gelten als Futter für die nützlichen Darmbakterien.
Es ist also wichtig, sie in die Ernährung einzubauen. 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Eine Dose eines "High-Fiber-Drinks" kommt laut der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in der Regel auf 7 bis 10 Gramm Ballaststoffe.
Heißt: Wer sich gut mit Ballaststoffen versorgen will, sollte nicht allein auf die Drinks setzen - sondern vor allem auf eine vielfältige und ausgewogene Ernährung.
Und wie steht es um die Süße?
Oft sind die Getränke laut dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) mit kalorienfreien Steviaprodukten gesüßt, was Hersteller gern als "natürlich" bewerben. "Sie nehmen jedoch keine Sonderrolle unter den Süßstoffen ein und gelten genau wie Aspartam oder Cyclamat als Zusatzstoff", schreiben die Ernährungsexperten.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für sogenannte Steviolglycoside eine Menge definiert, die selbst bei lebenslänglichem täglichem Verzehr keinen gesundheitlichen Schaden anrichtet. Er liegt bei vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Die Verbraucherzentrale weist allerdings darauf hin, dass vor allem Kinder diesen Wert sehr schnell erreichen und überschreiten können, wenn sie Erfrischungsgetränke konsumieren. Bei übermäßigem Verzehr kann es zu Blähungen und Bauchschmerzen kommen.
Mehr Schein als Sein: Apfelessig und Milchsäurebakterien
Und was bringen die anderen Zutaten, die in den "funktionalen" Drinks stecken?
Die Milchsäurebakterien liegen laut der Verbraucherzentrale MV oft in inaktiver Form vor, was sie weniger wertvoll für den Körper macht. Besser: regelmäßig fermentierte Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir essen. Durch den Apfelessig in den Getränken sind laut den Verbraucherschützern keine besonderen Effekte zu erwarten. Die BZfE-Experten verweisen darauf, dass Auswirkungen wie ein schöneres Hautbild oder ein stabilerer Blutzucker wissenschaftlich nicht nachgewiesen sind.
Wunder darf man also nicht erwarten. Sich gelegentlich eine der Limonaden zu gönnen - dagegen spricht laut der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern nichts. Auch dem Geldbeutel zuliebe bleibt es besser beim gelegentlichen Gönnen: Die Drinks sind mit bis zu sechs Euro pro Liter ein eher teures Vergnügen.