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Geschichte Mythos Freimaurer – ein Geheimbund ohne Geheimnis

Freimaurer-Symbol
Mauerkelle, Winkelmaß und Zirkel sind bekannte Symbole der Freimaurer
© kaetana - Shutterstock
Verschwörungen und Geheimbünde faszinieren die Menschen seit jeher. Die Freimaurer als Bruderschaft haben diesen Ruf durch verschwiegene Versammlungen und nicht öffentliche Rituale seit Jahrhunderten untermauert. Bei genauerem Hinsehen jedoch entpuppen sich die Geheimdenker als Freigeister

Die Haustür wird auch beim Klingeln und Klopfen nicht geöffnet. Niemand gelangt ins Gebäude, der kein Freimaurer ist. Hinter den verschlossenen Salontüren werden Dinge besprochen, die nicht nach außen gelangen. Kein Wunder, dass die Freimaurerei als Geheimbund wahrgenommen wird. Tatsächlich dient dieses Vorgehen dem Schutz der Logen als Treffpunkt zum geistigen Austausch der Mitglieder.

Erste Großloge der Freimaurer in London

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität – das sind die fünf Grundsätze der Freimauererei. Wer sich jetzt an diverse Grundgesetze oder auch die Nationalhymnen verschiedener Staaten von Deutschland über Frankreich bis in die USA erinnert fühlt, liegt richtig. Der Grund für dieses Gedankengut und die anschließende Verbreitung liegt in der Epoche der Aufklärung und in England. Hier wurde am 24. Juni 1717 in London die erste Großloge der Freimaurer gegründet – anfangs nur für Männer.

Was aber bedeutet das konkret? Zunächst einmal schlicht den Zusammenschluss von vier Freimaurerlogen zu einer Großloge – also einer größeren Vereinigung. Hinter den Freimauerern selbst aber steht auch ein größerer Gedanke: Die weltweite Verbundenheit und Brüderlichkeit aller Menschen im Sinne der Völkerverständigung. Freimaurer bevorzugen oder fördern keine bestimmte Religion. Ein wesentliches Ziel der Freimaurer ist, positive Werte des Menschen zu fördern und damit gleichzeitig als Individuum zu einer höheren Selbsterkenntnis zu kommen.

Mitglieder sollen sich frei austauschen können

Den Grundstock für den oft vermuteten "Geheimbund" haben die Freimaurer praktisch selbst gelegt. Was bei den Zusammenkünften der Logen besprochen wird, bleibt von jeher unbedingt vertraulich. Der Grund dafür: Die Mitglieder sollen sich ungehemmt und frei austauschen können.

Dafür verpflichten sie sich, Bräuche der Freimaurer und innere Angelegenheiten nicht nach außen zu tragen. Streitgespräche über Politik oder Religion sind bei den Treffen der Logen laut Regelwerk der Freimaurer zu vermeiden. Die Zusammenkünfte sollen sich frei von festgelegten Ideologien oder Religionen entwickeln. Statt Konfrontation geht es den Freimaurern um geistige Stimulation, Austausch und persönliche Weiterentwicklung.

Freimaurer-Treffen im Jahr 1925
Das größte Freimaurer-Treffen der Geschichte fand im Jahr 1925 in Großbritannien statt: Beim "Million Memorial Festival" kamen 7000 Teilnehmer unter dem Vorsitz des Herzogs von Connaught zusammen
© mauritius images / TopFoto

Entstanden ist die Freimaurerei in der Zeit der Aufklärung zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Grundlegendes Ziel ist es, Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, ihrer Bildung oder ihres Glaubens miteinander zu vereinen, um so zu einem freien Meinungsaustausch zu kommen. Das wird auch heute noch so während der Logentreffen gehandhabt: Bei der sogenannten Tempelarbeit werden als Rituale oft Vorträge zu Themen der Freimaurer gehalten. 

Rituale der Freimaurerei auf geistiger Ebene

Diskutiert allerdings wird erst im Anschluss in einer gesonderten Veranstaltung, der Tafelloge. Im Ritual der Tempelarbeit wird Wert auf eine ruhige und meditative Atmosphäre gelegt. Zudem ist das Wort "Tempel" nicht als physisches Gebäude zu verstehen. Die Freimaurer sehen die gedankliche Arbeit und jedes einzelne Logenmitglied im übertragenen Sinn als einen Baustein für die Errichtung eines sinnbildlichen, geistigen Tempels.

Tatsächlich schließt sich hier der Kreis zwischen dem Tempelgedanken und der Herkunft des Namens. Der Begriff Freimaurer soll aus dem Mittelalter stammen, als Steinbildhauer oder Baumeister in Vereinigungen – den sogenannten Bauhütten - zusammengeschlossen waren. Zumeist waren diese Handwerker im Kathedralenbau beschäftigt. Vom diesem Beruf stammen auch die bekannten Symbole der Freimaurer wie Mauerkelle, Winkelmaß und Zirkel ab.

Schöpfungsgedanke in der Bruderschaft

Trotz der praktizierten Religionsfreiheit findet sich in der Freimaurerei abhängig von den jeweiligen Großlogen jedoch ein Schöpfungsgedanke – ausformuliert als der "Allmächtige Baumeister aller Welten". Dass die Freimaurerei sich selbst auch als "Königliche Kunst" bezeichnet, basiert wiederum auf der Bibel –nämlich einem Zitat. Jakobus 2,8:

"So ihr das königliche Gesetz vollendet nach der Schrift: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, so tut ihr wohl."

Trotzdem dieser religiösen Bezüge ist das Verhältnis der Freimaurerei zu Kirche und Religion nicht frei von Spannungen. So erließ die katholische Kirche schon im April 1738 gegen die Freimaurer den Bannfluch und 1751 zur Sicherheit nochmal.  Schließlich nahmen und nehmen die Freimaurer bis heute jeden Menschen unabhängig von seiner Konfession auf. Die katholische Kirche fürchtete um die Reinheit der katholischen Religion.

Katholiken können keine Freimauerer sein

Abschließend geklärt wurde diese Frage gut 230 Jahre später. Von 1974 bis 1980 versuchten die Deutsche Bischoffskonferenz und Vertreter der deutschen Freimaurer sich in der Frage der religiösen Zugehörigkeit und Freiheit zu einigen. Im Ergebnis erklärte die katholische Kirche unter Papst Johannes Paul II. einseitig, dass ein Katholik nicht Mitglied der Freimaurer sein kann und  - falls er das ist – er eine schwere Sünde begeht.

Die Evangelische Kirche in Deutschland sieht das für ihre Mitglieder seit einer Erklärung von 1973 anders. Darin wird erklärt, dass evangelische Christen selbst entscheiden sollen, ob sie in einer Freimaurerloge Mitglied werden wollen. Die Evangelische Kirche erkennt laut der Erklärung von Tutzing in der Freimauererei keinen Gegensatz zum Christentum. Ein Grund: Abendländische Logen bezeichnen die Bibel als "das erste große Licht".

Freimaurer auf der Ein-Dollar-Note

Freimaurer finden sich unter anderem in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, der Türkei, auf Kuba und in den Vereinigten Staaten vom Amerika. Die angenommene Zahl der weltweiten Mitglieder schwankt abhängig von der Quelle zwischen 2,6 Millionen und fünf Millionen. Allein in den USA soll es rund zwei Millionen Freimaurer geben. Der Freiheitsgedanke der Bruderschaft hat hier besonders in den frühen Jahren der USA ab der Mitte des 18. Jahrhunderts  sehr gezündet. Wer sich die Ein-Dollar-Banknote ansieht, findet dort den Beweis.

Auf der Rückseite ist eine unfertige Pyramide abgebildet, an deren Spitze das Auge der Vorsehung zu sehen ist. Während die Pyramide niemals ein Symbol der Freimaurer war, verwendet die Bruderschaft das "sehende Auge" sehr wohl. Es wurde von den Freimaurern aus der Bibel übernommen und symbolisiert die Allgegenwart Gottes.  Im Sinne der Freimaurer steht das Auge der Vorsehung unter anderem für das Streben nach Weisheit. Auf der Ein-Dollar-Note sehen es manche  Menschen als Beweis für die hintergründige Verschwörungsstruktur der Freimaurer.

George Washington war Freimaurer

Tatsächlich war der erste US-Präsident George Washington ein Freimaurer und ist auf der Vorderseite der Ein-Dollar-Note zu sehen. Er trat der Bruderschaft 1752 aus Überzeugung bei – unter anderem wegen der festgeschriebenen Grundsätze, hier in einer Übersicht:

  • Freiheit durch die Freiheit von Unterdrückung und Ausbeutung als Grundvoraussetzung für die Freiheit des Geistes und der individuellen Verwirklichung
  • Gleichheit der Menschen ohne Klassenunterschiede und vor dem Gesetz
  • Brüderlichkeit durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und Verständigung mit- und untereinander
  • Toleranz durch aktives Zuhören und Verständnis anderer Meinungen
  • Humanität durch die Summe der vier Grundsäulen, die durch den "Tempel der Humanität" symbolisiert wird – an dem die Freimaurer durch ihre geistige Selbsterkenntnis und menschliche Einstellung arbeiten

Da die ersten Dollarnoten 1861 gedruckt wurden und George Washington bereits 1799 gestorben ist, kann seine Mitwirkung an der Gestaltung der Scheine ausgeschlossen werden. Wahrscheinlicher ist, dass das Auge der Vorsehung für seine tiefe Verbundenheit zu den Freimaurern steht.

US-Präsident Harry Truman war Freimaurer
US-Präsident Harry Truman (3.v.l.), hier 1950 beim Besuch des George Washington National Masonic Memorials, war sehr aktiver Freimaurer
© IMAGO / Everett Collection

Noch 1798 – dreizehn Monate vor seinem Tod – schrieb George Washington: "Soweit ich mit den Lehren und Prinzipien der Freimaurerei vertraut bin, verstehe ich sie in der Wohltätigkeit begründet und sie sind nur zum Wohle der Menschheit auszuüben." Bis heute waren insgesamt 14 US-Präsidenten Mitglieder bei den Freimaurern.

Jeder kann Freimaurer werden

Beitreten kann im Prinzip jeder der Bruderschaft der Freimaurer. Er muss in der Gesellschaft aktiv sein und einen tadellosen Ruf haben. Oft werden Neuzugänge – "Suchende" genannt – selber von Mitgliedern der Freimaurer empfohlen. Es steht aber auch jedem Interessierten frei, zu den Gästeabenden einer Loge zu gehen, sich dort einzubringen und nach einigen Monaten um die Aufnahme zu bitten. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts gibt es auch Frauenlogen der Freimaurer, die unter einem weltweiten Dachverband organisiert sind. Informationen zu den örtlichen Logen gibt es auf den jeweiligen Internetseiten.

Je nach Grad der persönlichen Selbsterkenntnis, der Selbstdisziplin und der Vervollkommnung im Umgang mit den Mitmenschen, erreicht ein Freimaurer verschiedene Stufen in der Bruderschaft: Vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister. Darüber wird der ethische Reifeprozess eines Freimaurers definiert. Neben den jeweiligen Geldbeträgen für die Erhebung in den nächsten Freimaurer-Grad fallen auch Kosten für die typische Freimaurerkleidung wie ein Schurz, Handschuhe, Schmucksymbole oder Hüte an sowie der Mitgliedsbeitrag.

Freimaurer stammen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft. Bekannte Freimaurer in Deutschland sind beispielsweise:

  • Johann Wolfgang von Goethe
  • Wolfgang Amadeus Mozart
  • Gustav Stresemann
  • Carl von Ossietzky

Ist ein "Suchender" durch das Abstimmungsverfahren in die Bruderschaft aufgenommen, darf er schließlich nicht nur zu den Gästeabenden kommen, sondern zu den offiziellen Logentreffen. Jetzt weiß er zwar endlich, was wirklich dort hinter den verschlossenen Türen besprochen wird – aber nach außen tragen darf er es nicht. Ein kleines Geheimnis ist es eben doch, das Leben als Freimaurer.


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