Fossilienfund in der Wüste "Spinosaurus mirabilis": Forscher identifizieren neuen Dinosaurier in der Sahara

Spinosaurus mirabilis beim Verzehr eines Quastenflossers
Spinosaurus mirabilis beim Verzehr eines Quastenflossers (künstlerische Darstellung)
© University of Chicago / Art by Dani Navarro
So gern viele Menschen auch in die Zeit der Dinosaurier zurückreisen würden – diesem sieben Tonnen schweren Exemplar eines Spinosauriers würden sie sicher nicht gern begegnen

Riesig, mit furchterregenden Zähnen und womöglich bunt leuchtendem Horn auf der Stirn: Ein Spinosaurus mirabilis muss wahrhaft furchteinflößend gewirkt haben. Überreste der erwachsen wohl mehr als sieben Tonnen schweren und gut zehn Meter langen Fischjäger haben Forschende in Niger an einem abgelegenen Ort in der zentralen Sahara gefunden. Das lateinische "mirabilis" bedeutet erstaunlich, wundersam.

"Ich stelle mir diesen Dinosaurier als eine Art "Höllenreiher" vor, der mit seinen kräftigen Beinen problemlos durch zwei Meter tiefes Wasser waten konnte, aber wahrscheinlich die meiste Zeit damit verbrachte, in flacheren Gewässern nach den vielen großen Fischen seiner Zeit zu jagen", sagte Studienleiter Paul Sereno von der University of Chicago.

Paul Sereno mit dem Schädel eines Spinosaurus mirabilis
Studienleiter Paul Sereno posiert mit dem rekonstruierten Schädel eines Spinosaurus mirabilis
© University of Chicago / Foto: Photograph by Keith Ladzinski

Der Spinosaurus mit dem knapp einen halben Meter hohen, Krummsäbel-artigen Schädelkamm lebte vor 100 bis 95 Millionen Jahren zusammen mit langhalsigen Dinos, wahrscheinlich entlang von Flussufern, wie das Forschungsteam im Fachjournal "Science" berichtet. Dem Team zufolge handelt es sich um den ersten gesicherten Nachweis einer neuen Spinosaurus-Art seit über einem Jahrhundert.

Der Fund des Riesenraubsauriers sei sehr emotional gewesen, sagte Sereno. "Ich werde den Moment im Camp für immer in Erinnerung behalten, als wir uns um einen Laptop drängten, um die neue Spezies zum ersten Mal zu sehen, nachdem ein Mitglied unseres Teams 3D-Digitalmodelle der Knochen erstellt hatte, die wir gefunden hatten, um den Schädel zusammenzusetzen – mit Solarenergie mitten in der Sahara."

Tuareg gab Hinweis auf Fossilien

Paläontologe Dan Vidal untersucht Fossilien im Wüstensand
Der spanische Paläontologe Dan Vidal bei der Untersuchung mehrerer Fossilien im Wüstensand, darunter die von Spinosaurus mirabilis
© University of Chicago / Photograph by Paul Sereno

Auf die Idee zu der Expedition gekommen war Sereno durch eine wissenschaftliche Abhandlung aus den 1950er Jahren, in der für dieses Areal ein einzelner riesiger Zahn beschrieben wurde. "Seit über 70 Jahren hatte niemand mehr diesen Fundort besucht", erklärte der Dinoforscher. Vor Ort habe dann ein heimischer Tuareg auf etwa eine Tagesreise entfernte, aus dem Sand ragende Fossilien hingewiesen. "Es war ein großes Abenteuer, durch die Sandmeere zu wandern, um einen Ort zu suchen, und dann ein noch abgelegeneres Fossiliengebiet mit der neuen Spezies zu finden."

Einzelne Kieferfragmente ragten an der Fundstelle aus dem Saharasand, später wurden weitere Knochenteile gefunden. Ein weiteres auffälliges Merkmal neben dem Kamm sind der anschließenden Untersuchung zufolge ineinandergreifende obere und untere Zahnreihen – eine tödliche Falle für glitschige Fische.

Zuvor wurden Überreste von Spinosauriern hauptsächlich unweit der Küste am afrikanischen Rand des einstigen Tethysmeeres gefunden, wie die Forschenden weiter erläutern. Dieser urzeitliche Ozean lag zwischen den damaligen Großkontinenten. Die nun gefundenen Fossilien überdauerten hingegen etwa 500 bis 1000 Kilometer von der nächsten Meeresküste entfernt die Jahrmillionen. Lebensraum der Tiere sei damals vermutlich von Flüssen durchzogener Wald gewesen, hieß es.

Annett Stein