Man stelle sich vor, ein Mensch liegt auf dem Wohnzimmerteppich, umgeben von Chaos: aufgeschlagene Bücher, ungespülte Tassen, Zimmerpflanzen, Brotkrümel und Hausstaub. Bewegt sich dieser Mensch nun planlos durch die Unordnung, ist davon auszugehen, dass sich diese bloß verschlimmert.
Nicht so bei Würmern. Befindet sich ein Wurm in einem randomisierten Chaos aus Sandkörnern, scheint er diese strategisch zu kleinen Haufen zusammenzukehren. Sein sich windender Körper schiebt die losen Partikel zusammen, gruppiert sie und bildet kompakte Cluster.
Um aufzuräumen, benötigt der Wurm kein Gehirn
Doch wie ein internationales Forschungsteam der Universität Amsterdam, der Georgia Tech, der Sorbonne-Universität und der französischen Forschungsorganisation CNRS kürzlich herausgefunden haben, steckt hinter diesem Verhalten keineswegs Strategie – geschweige denn ein einziger Gedanke.
Bloß zwei Eigenschaften der Würmer führen zu diesem Umstand: ihre Flexibilität und ihre wellenförmigen Bewegungen. Dass die Würmer aufräumen, ist also quasi ein glückliches Versehen.
Der Beweis: Imitieren Roboter die Beschaffenheit der Würmer, beginnen auch sie, herumliegende Partikel zu clustern.
Aus flexiblen Gummiverbindungen bauten die Forschenden Roboter, die die Beschaffenheit und Bewegungen der Würmer nachahmten. Breitere Verbindungsglieder (links) führten zu einem anderen Aufräumverhalten als dünnere Verbindungsglieder (rechts)
Diese Erkenntnis können sich Menschen zunutze machen. Denn dass kein komplexer Mechanismus benötigt wird, um aufzuräumen, bedeutet: Solange die Flexibilität und die Bewegungsart stimmen, können auch simple Roboter vergleichbare Aufgaben übernehmen. Eines Tages, so die Hoffnung der Forschenden, könnte ein solcher Aufräumroboter beispielsweise Mikroplastik oder Sedimente aus Gewässern entfernen.