Google versus Realität Nach welchen Todesursachen wir googlen und woran wir wirklich sterben

Schenken wir den wirklichen Gefahren in unserem Leben genug Aufmerksamkeit? Ein Datenprojekt vergleicht Todesursachen und ihre Repräsentation in Medien und in Google-Suchen - und kommt zu spannenden Ergebnissen
Mit Google suchen

Suchanfragen bei Google geben Aufschluss darüber, wofür sich Menschen interessieren

Wir interessieren uns nicht dafür, was uns wirklich umbringt. Diesen Schluss lassen die Ergebnisse von Datenanalysten der University of California in San Diego zu, die sich nach dem Vorbild bisheriger Studien mit dem Verhältnis zwischen der Häufigkeit tatsächlicher Todesursachen und ihrem Auftauchen in Medien und Google-Anfragen beschäftigten.

Dazu erhoben sie, wie häufig Menschen bei Google nach bestimmten Todesarten suchten und wie häufig die Zeitungen Guardian und New York Times von 1999 bis 2016 über diese Gefahren berichteten. Diese Daten verglichen sie mit der Todesstatistik der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Die Zahlen stellten die Datensammler in anschaulichen Grafiken zusammen. Besonders in der Langzeitübersicht werden die Relationen sichtbar:

Terror und Krebs: Welche Todesursachen am häufigsten in Google-Suchen und Medien auftauchen

Laut der zugrundegelegten Daten der CDC sind Herzkrankheiten und Krebs die häufigsten Todesursachen. Die meisten Menschen suchen allerdings eher nach Terror und Mord als nach Infarkten und Arterienleiden. Auch in den Medien werden die wirklich verbreiteten Todesursachen weniger repräsentiert. Die Unterschung berücksichtigte allerdings nicht, in welchem Kontext die Menschen nach den Themen suchten. So lässt sich nicht herauslesen, ob etwa aus Angst nach "Terror" gegoogelt wurde. Auch das Problem der Synonyme muss beachtet werden. Zum Themenfeld Herzkrankheiten gibt es weitaus mehr Begriffe als zu Diabetes oder Alzheimer.

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Dennoch geben die Ergebnisse einen interessanten Einblick: Während Krebs noch ein halbwegs äquivalentes Thema in den Zeitungen darstellt und auch bei Google häufig gesucht wird, kommen Herzkrankheiten in den Anfragen kaum vor. Die Thematisierung von Autounfällen in den Suchen passt halbwegs zu ihrer realen Häufigkeit, in den Medien spielen sie kaum eine Rolle. Bemerkenswert ist die recht prominente Platzierung des Themas Suizid in den Zeitungen, die ebenfalls im Gegensatz zur tatsächlichen Todesrate steht. Dabei sollten Medien aufgrund des Werther-Effekts mit der Berichterstattung vorsichtig umgehen. Die Theorie besagt, dass die mediale Thematisierung von Suiziden Nachahmer finden kann.

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