Philippinen Unterwasserabenteuer mit Walhaien

Die größten Fische der Welt passieren im Frühjahr die Philippinen. Eine der wenigen Möglichkeiten, den friedvollen Riesen zu begegnen. Wir waren auf einem Boot vor der Südwestküste der Insel Luzon dabei
Unterwasserabenteuer mit Walhaien

Walhaie sind Planktonesser. Sie halten sich nur für wenige Wochen oder Monate in guten Futtergründen auf, und ziehen dann weiter

Das Dorf Donsol im Süden der philippinischen Insel Luzon ist ein Ort, der selbst notorische Morgenmuffel zu willigen Frühaufstehern macht. Der Grund dafür kann mehr als zwölf Meter lang und bis zu 30 Tonnen schwer sein – willkommen im Reich der Walhaie, der größten Fische unseres Planeten.

Es ist erst kurz nach sieben, doch bei der Registrierung im Touristenbüro am Strand des Fischerörtchens herrscht bereits Hochbetrieb. Jeder weiß, dass Butanding, wie die Walhaie im lokalen Dialekt heißen, morgens auf Futtersuche in der Bucht sind. "Ich hoffe, wir sind den ganzen Weg nicht umsonst gekommen", flüstert eine Australierin ihrem Mann nervös zu.

Kurz darauf klettert das Paar gemeinsam mit zwei anderen Touristen in ein bunt bemaltes Auslegerboot. "Hi, ich bin Jay, euer Butanding Interaction Officer", stellt sich ein sehniger Filipino vor. Sein Job ist es, die Urlauber im Wasser zum Walhai zu führen. Gelassen schwatzt er mit der Bootscrew, während seine aus Australien und England stammenden Kunden angespannt schweigen.

Wer nach Donsol kommt, hat große Erwartungen. Riesengroße, um genau zu sein. Im Internet und in Reiseführern steht es alles – wie einzigartig es sei, mit den sanften Riesen zu schnorcheln. Ein Erlebnis, dass man nie vergessen werde. "Gott, ich bin so aufgeregt", presst die Britin hervor, während sie versucht, die geliehene Tauchermaske anzupassen. "Hoffentlich haben wir Glück."

Glück gehört zwar auch dazu, vor allem aber ein guter Spotter. Der Mann im Ausguck sucht die in der Sonne spiegelnde See nach dem großen Schatten unter der Wasseroberfläche ab. Zwanzig Minuten lang passiert nichts, gemächlich tuckert das Boot dahin. Zeit, um nochmal an die Regeln zu denken, die man einhalten soll: Mindestens drei Meter Abstand zum Walhai halten, auf keinen Fall berühren, kein Blitzlicht unter Wasser. Zum x-ten Mal wird die Ausrüstung inspiziert: Flossen, Maske, Schnorchel, Kamera.

Plötzlich richtet Jay sich auf, der Spotter hat dem Bootsmann ein Zeichen gegeben. Mit Vollgas dreht das Boot nach links. "Get ready" ruft Jay – jetzt muss alles schnell gehen. Maske auf, Schnorchel in den Mund, die Flossen über den Bootsrand schwingen. "Ich seh‘ nix", sagt der Australier leicht panisch. "Wo ist der Walhai denn?" Noch wenige Meter, der Motor wird gedrosselt. "Go, go, go" kommandiert Jay und gleitet als erster ins Wasser.

Behände taucht er unter dem Ausleger durch. Hinter ihm Fluchen, dem Australier ist die Maske vollgelaufen, hektisch reißt er sie vom Kopf und versucht sie neu aufzusetzen. Der Rest der Truppe folgt Jay, der mit kräftigen Flossenschlägen zielsicher die Richtung vorgibt. Und plötzlich ist es da, das Objekt der Begierde, nur wenige Meter entfernt. Es ist eine Begegnung zwischen Zwerg und Riese, der gewaltige Körper des Walhaies ist Ehrfurcht einflößend. Für einen Moment sind alle erstarrt, gefangen im Anblick des majestätischen Fisches. Keine Beschreibung, kein Video kann Neulinge auf diesen Augenblick vorbereiten. "Es ist ganz und gar unglaublich. Gänsehaut pur. Ehrlich gesagt, Furcht hatte ich auch, obwohl ich weiß, dass Walhaie friedlich sind. Aber dieses Riesenmaul…wenn das aufgeht, denkst du, der kann uns alle locker verschlucken", lacht die Britin, nachdem sie sich wieder ins Boot gehievt hat. Der Australier schweigt verstimmt, er war wegen seines Missgeschicks zu spät gekommen, der Walhai bereits im trüben Wasser verschwunden.

"Kein Problem", versichert Jay ihm. "Wir werden noch mehr sehen. Es ist ein guter Morgen, kaum Wind, die See ist glatt, da finden wir sie leicht." Wie zur Bestätigung streckt der Spotter seinen Arm aus, dieses Mal sehen auch die Touristen den dunklen Schatten. Das "Get Ready" kann Jay sich sparen, ruckzuck sitzen seine Schützlinge auf der Reling. Sekunden später schnorcheln alle mit voller Kraft hinter dem Filipino her, der Walhai hat abgedreht und nur wer schnell genug schwimmt, hat eine Chance, ihn noch aus der Nähe zu betrachten. Die Aufholjagd gelingt, minutenlang gewährt der Walhai den aufgeregten Urlaubern eine Audienz. Durch sein weit aufgerissenes Maul saugt er Hunderte Liter Wasser ein und stößt sie durch die dichten Reihen seiner winzigen Zähne wieder aus. Wie ein Rechen funktionieren sie, indem sich die Nahrung des Giganten – Krill, Plankton und winzige Fische – verfangen.

Unterwasserabenteuer mit Walhaien

Die Wahrscheinlichkeit während der dreistündigen Bootstouren mit einem oder mehreren der Riesenfische schnorcheln zu können, ist vor allem im März und April sehr hoch

Als ein zweites Boot seine aufgeregt strampelnde Last ins Meer entlässt, wird es dem Butanding zu viel. Mit einem Schlag seiner mächtigen Schwanzflosse verschwindet der Koloss in der Tiefe. Jay beordert alle zurück ins Boot, er ist verärgert über die Konkurrenz. Denn eine der Regeln in Donsol ist, dass nur ein Boot sich dem Walhai nähert. Dafür hat der WWF gesorgt, der 1998 ein Ökotourismus-Projekt in Donsol initiierte. Die Disziplin aus jenen Anfangstagen hat inzwischen deutlich gelitten, selbst ausgebildete Tourguides verstoßen gegen Tabus, um Touristen zufriedenzustellen und mehr Trinkgeld zu bekommen.

"Es müsste mehr Leute wie Jay geben, der den Walhaien mit Respekt begegnet. Aber unterm Strich ist das Erlebnis unglaublich. Wir haben heute fünf dieser wunderbaren Fische beobachten können, das werde ich nie vergessen", sinniert die Besucherin aus England abends bei einem Bier. "Ich hoffe nur, dass die Walhaie den Rummel um sich weiter akzeptieren und keinen Schaden nehmen."

Unterwasserabenteuer mit Walhaien

Nicht überall auf den Philippinn bemüht man sich, wie in Donsol den Walhaien respektvoll zu begegnen

Infos zu Walhaien und Donsol

Walhaie sind migratorische Fische, die Planktonesser halten sich nur für wenige Wochen oder Monate in guten Futtergründen auf, und ziehen dann weiter. In den Monaten Dezember bis Mai schwimmen Dutzende der friedlichen Haie in den Gewässern vor Donsol (Philippinen). Die Wahrscheinlichkeit, vor allem im März und April während der dreistündigen Bootstouren mit einem oder mehreren der Riesenfische schnorcheln zu können, ist sehr hoch. Auch in Oslob auf der Insel Cebu wird Walhai-Tourismus angeboten. Davon ist abzuraten: Es ist unkontrollierter Massentourismus, die Walhaie werden gefüttert, um sie vom Weiterziehen abzuhalten.

Anreise nach Donsol

Etwa einstündiger Flug ab Manila zum Beispiel mit Cebu Pacific, Weiterfahrt im Bus oder per Hotelshuttle.

Unterkunft

Elysia Beach Resort: Strandressort mit Pool in Laufreichweite zum Startplatz der Walhai-Touren, www.elysia-donsol.com

Victoria's Guesthouse: Günstige aber saubere kleine Anlage mit Bungalows direkt am Meer, www.victorias-guesthouse-donsol.com

Touranbieter

Donsol Eco-Tour: Organisiert mehrtägige Trips von Manila inklusive Schnorcheln mit Walhaien und anderen Aktivitäten, z.B. Tauchen in der nahe gelegenen Manta Bowl, www.donsolecotour.com

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