Wandern in Südtirol Drei Mal hoch hinaus

Die Berge Südtirols offerieren genügend Wanderrouten für jeden Erfahrungsgrad. Autorin Elisabeth Turker hat sich von einem geprüften Wanderführer beraten lassen und stellt drei Routen vor
In diesem Artikel
Marlinger Waalweg – Immer dem Wasser entlang
Über die Rosszahnscharte durchs "Bärenloch"
Schlern – Wanderung auf den Hausberg Südtirols

Man möchte meinen, wer in Südtirol zur Welt kommt, der wandert sein Leben lang. Aber das stimmt nicht, sagte unsere Autorin Elisabeth Turker, bevor wir sie in die Berge schickten. Sie empfand bereits den Aufstieg in den dritten Stock als Anstrengung und hatte die Glückseligkeit beim Marschieren noch nicht gefunden. Zusammen mit dem geprüften Wanderführer Michael Trocker suchte sie nach drei Routen in Südtirol, je eine für Anfänger, für Ambitionierte und für Profis. Die Anfängerroute übernahm sie selbst, die anderen beiden überließ sie dem geübten Wanderer Michael Trocker.

Drei Mal hoch hinaus

Der geprüfte Wanderführer Michael Trocker hat aufgehört zu zählen, wie oft er schon auf den Südtiroler Hausberg gestiegen ist

Marlinger Waalweg – Immer dem Wasser entlang

Ein schmaler Weg umsäumt von Sträuchern und Bäumen führt immer weiter in den Wald hinein, begleitet wird er von einem Kanal, einem sogenannten Waal. Die künstlichen Bewässerungskanäle transportieren seit Jahrhunderten das frische Bergwasser zu den Feldern und Obstwiesen in niederschlagsarmen Tälern wie dem Vinschgau.

Mit zwölf Kilometern Länge ist der Marlinger Waalweg der Längste in Südtirol und wurde bereits im 18. Jahrhundert für Wanderer geöffnet. Seitdem wird er von den Einheimischen auch gern als "Grüß Gott-Weg" bezeichnet, denn so grüßt man hier traditionell alle entgegenkommenden Wanderer. Vom kleinen Parkplatz in Töll aus überquert man die Straße und findet dort sofort den Anfang des Wanderweges. Der Bewässerungskanal begleitet den Wanderer von Anfang an plätschernd auf der rechten Seite und fließt in Wanderrichtung. Der Weg schlängelt sich am Rand des Berges entlang und garantiert so ein wunderbares Panorama. Immer wieder lichten sich die Bäume und geben den Blick frei auf Dorf Tirol, Meran und den Eingang des Passeiertales.

Drei Mal hoch hinaus

Den Marlinger Waalweg schaffen auch Wanderanfänger gut in ein paar Stunden

Der Waal führt den Wanderer durch Wälder und Obstwiesen. Nach etwa eineinhalb Stunden erreicht man den Ersten von mehreren Gasthöfen, Schönblick. Wer noch nicht aus der Puste ist, muss hier nicht pausieren, es folgen noch andere Gasthöfe. Für einen Blick ins Tal lohnt sich ein kurzer Stopp aber allemal.

Auf dem kurzen Wegstück zwischen Schönblick und dem Gasthof Waldschenke biegt links ein Weg in Richtung Tal ab. Dieser führt nach Marling, von wo aus der Zug zurück nach Töll fährt. Bei Müdigkeit oder plötzlichem Unwetter kann man so schnell und bequem zum Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückkehren.

Wer allerdings den gesamten Waalweg machen möchte, muss noch etwas durchhalten. Nach den Gasthöfen geht es weiter durch Weinberge, vorbei an Schloss Ledensberg bis nach Lana unterhalb von Meran. Immer wieder findet der aufmerksame Wanderer hier kleine Holztafeln, die im Rahmen eines Erlebnispfades über den Waalweg und die Flora aufklären. Auf der linken Seite sieht man bereits das Dorf Lana, und bald endet der Waalweg auf einer Straße, welche ins Dorf hinabführt.

Tourenbeschreibung

Länge: 12 Kilometer

Dauer: 3-4 Stunden

Route: Von Töll im Burggrafenamt den Marlinger Waalweg entlang bis nach Lana

Schwierigkeitsgrad: Einfach

Höhenunterschied: 20 m

Voraussetzungen: Keine. Von Kleinkindern bis Senioren kann jeder diese Wanderung machen. Gutes Schuhwerk hilfreich, aber nicht erforderlich.

Über die Rosszahnscharte durchs "Bärenloch"

Eine landschaftlich besonders reizvolle Wanderung im Schlerngebiet bietet die Tour von der Seiser Alm zur Rosszahnscharte mit Abstieg ins Tschamintal. Den Wanderer erwarten gewaltige Vulkanite, steile Korallenriffe und abenteuerliche Schluchten, die ihresgleichen suchen.

Die Tour beginnt am Kompatsch, auf der Seiser Alm. Auf dem Weg Nummer 10 gelangt man zur Bergstation des Laurin-Liftes. Hier folgt man der Markierung Nummer 2 bis zum Goldknopf. Der Goldknopf, ein frühzeitlicher Höhenkultplatz, trägt den Namen nicht vom versteckten Goldschatz, sondern leitet sich vom Wort "Galt" ab, also dem Jungvieh, das auf den saftigen Weiden reichlich Grünfutter findet. Tierfreunde sind auf diesem Weg genau richtig. Neben weidenden Kühen beherbergt das Gebiet viele Murmeltiere und der Steinadler findet in den zerklüfteten Felsschluchten perfekte Jagdbedingungen vor. Aber auch jene, die für die Schönheit der Natur leben, hat diese Route viel zu bieten.

Drei Mal hoch hinaus

Den Ausblick von der Rosszahnscharte können etwas trainiertere Wanderer genießen

Besonders imposant ist die Verzahnung von steilen, urzeitlichen Riffhängen und vulkanischen Eruptionen. Der Weg schlängelt sich den alten Riffhang hinauf und auf 2500 Meter erreicht man die Rosszahnscharte. Dabei erstreckt sich der Ausblick auf Lang- und Plattkofel, den Molignon, Sella, Pordoi, Marmolata und die gesamte Seiser Alm.

Von diesem Aussichtspunkt führt ein kurzer Marsch zum Tierser Alpl, einem Schutzhaus und Einkehrpunkt für viele Bergfreunde. Ab hier folgt man dem Weg Nummer 4 und wandert an der Südseite der Rosszahnscharte entlang. Nach einem guten Kilometer führt der Weg steil ins sogenannte "Bärenloch". Bären gibt es hier zwar schon lange nicht mehr, aber ein steiler Pfad führt schnell hinab in Tal, das sich vor einem wie ein Loch auftut.Für die Sicherheit der Wanderer sorgen Handläufe und Tritte.

Auch wenn der steile Pfad Aufmerksamkeit abverlangt, sollte man nicht den Blick für das Wesentliche verlieren: Wilde Wasserfälle führen schneeweißen Dolomit ins Tal, der üppige Bergwald beheimatet viele Wildtiere wie Gämsen, Rauhfußhühner und den Adler. Mehrmals öffnet sich der Weg in weite Wiesen und der Blick fällt auf die gewaltigen Felswände von Schlern und Vajoletspitze. Am "Rechten Leger", einem wunderbaren Rastplatz im Tschamintal angelangt, wandert man gemütlich nach St. Zyprian in Tiers. Am Ausgang des Tales lädt noch die Informationsstelle des Naturparkes mit seiner funktionstüchtigen venezianischen Säge zur Einkehr.

Tourenbeschreibung

Länge: 16,5 km

Dauer: ca. 5 Stunden

Aufstieg: 700 Höhenmeter - Abstieg: 1400 Höhenmeter

Route: Über die Rosszahnscharte durchs "Bärenloch" ins Tschamintal nach Tiers

Schwierigkeitsgrad: mittel

Voraussetzungen: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit im Abstieg

Schlern – Wanderung auf den Hausberg Südtirols

Als westlichster Ausläufer der Dolomiten liegt der Schlern wie ein schwerfälliger Bergriese über den Blumenwiesen der Seiser Alm. Seine steilen Flanken schrecken manchen Wanderer ab, dabei ist er ein sanfter Riese. Der Schlern ist ein zu Stein gewordenes uraltes Korallenriff, umgeben von Mystik und Legenden.

Am besten besteigt man den Schlern von der Seiser Alm aus. Mit der Panoramabahn gelangt man von Seis zum Kompatsch. Der Weg Nummer 10 bringt den Wanderer über die gewaltigen Blumenwiesen der Seiser Alm nach Tschapit. Untermeerische Vulkanausbrüche verzahnen sich hier mit dem Schlernriff. Auf dem "Touristensteig" geht es nun bergan. Durch Latschengürtel schlängelt sich der gut angelegt Steig über die felsige Landschaft der bleichen Berge. Gämse und der Steinadler sind am Schlern zuhause und auch so manche Hexe soll dort oben gehaust haben.

Drei Mal hoch hinaus

Auf dem Weg hinauf zum Hausberg Südtirols dem Schlern erschließt sich zum Sommer hin ein Blumenmeer

Botanische Raritäten wie die "Schopfige Dolomiten-Teufelskralle" oder "Morettis-Glockenblume" blühen im steilen Fels. Das kurze Gras vom Schlern ist mit seinen vielen Wildkräutern Grundlage für die gesunden Heubäder. Und dann der Ausblick am Gipfel. Eine Rundumsicht über halb Südtirol. Rosengarten, Latemar, Lang- und Plattkofel, Sella, Zillertaler, Stubaier, Ortler und Texelgruppe. Hier liegt dem Wanderer die Bergwelt wahrlich zu Füßen.

Ein kurzer Abstieg führt zum "Schlernhaus" oder besser gesagt, zu den "Schlern-Häusern". Diese wurden im Laufe der Jahrzehnte immer wieder erweitert und erfreuen sich wegen der herzlichen Wirtsleute und der guten Küche einer besonderen Beliebtheit. Ein obligatorischer Schnaps stärkt für den abenteuerlichen Abstieg durch die "Teufelsschlucht" über den Prügelweg nach Völs am Schlern.

Der "Prügelweg" ist ein alter Saumpfad auf den Schlern, auf dem die Völser Bauern das Vieh zur Sommerfrische auf die Schlernhochfläche treiben. Aufgestellte Vierkanthölzer geben dem Weg seinen Namen. So findet auch bei widrigen Wetterverhältnissen das Vieh Halt auf den Wegen. Auf rund 700 Metern durchwandern wir auf starken Holzbrücken die schmale. Dies stellt wohl den reizvollsten Abschnitt der Wanderung dar. Die Landschaft öffnet sich ab "Peter Frag" wieder und bald erreicht man den malerischen Völser Weiher. An heißen Tagen ist ein Bad im See nach dem Abstieg vom Schlern eine willkommene Erfrischung ...

Tourenbeschreibung

Länge: 18 km

Dauer: 6.5 Stunden

Aufstieg: ca. 700 Höhenmeter - Abstieg ca. 1500 Höhenmeter

Schwierigkeitsgrad: anspruchsvoll

Beste Wanderzeit: Mitte Juni bis Mitte Oktober

Südtirol
Klimadaten im
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  • 10.5 °C max/2.7 °C min
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