Okinawa – Japans Urlaubsparadies

Einst Königreich, dann Kriegsschauplatz und nun tropisches Ferienziel: Okinawa, die Inselgruppe in Japans Südwesten, hat nicht nur eine bewegte Geschichte, sie bezaubert auch zu Wasser und zu Land. Vor allem gehen die Uhren hier etwas langsamer als im übrigen Japan. Vielleicht gibt es deshalb auf Okinawa so viele Hundertjährige
Okinawa

Der Nishihama Beach auf Hateruma Island zählt zu den schönsten Stränden der Welt

Okinawa im Überblick

Wo liegt Okinawa?

Okinawa ist Japans südlichste Präfektur. Sie liegt im Ostchinesischen Meer zwischen Taiwan und Japan.

Wann ist die beste Reisezeit?

Gute Reisezeiten sind der Frühling vom späten März bis Mai und der Herbst Ende September bis Anfang Dezember - dann ist es angenehm warm, aber nicht zu heiß. Allerdings gibt es Ende April und Anfang Mai auch eine Reihe japanischer Feiertage, so dass es voll werden kann.

Wie komme ich dorthin?

Der Flughafen der Inselgruppe heißt Naha - er befindet sich auf der Hauptinsel. Er ist etwa drei Flugstunden von Tokio entfernt. Am einfachsten fliegt man ab Frankfurt aus mit einem Zwischenstopp in Taipei, Shanghai oder Seoul.

"Mit 70 bist du ein Kind, mit 80 ein Jugendlicher, und mit 90, wenn dich deine Ahnen in den Himmel rufen, bitte sie zu warten, bis du 100 bist." So steht es auf einem Steinblock im Dorf Ogimi im Norden von Okinawas Hauptinsel. Rund ein Drittel der 3400 Einwohner ist älter als 65 Jahre. Damit ist Ogimi Spitzenklasse unter den auf Okinawa ohnehin besonders langlebigen Menschen. Auf die etwa 1,3 Millionen Einwohner kommen über 900 Menschen, die hundert Jahre und älter sind.

Das Geheimnis, nicht nur in Ogimi, so wird vermutet, sei die lokale Küche: viel Obst und Gemüse, Seefisch und Algen. Auf Okinawa sind es kleine, grüne Zitrusfrüchte, Shikuasa und eine warzige Bittergurke. Davon solle man besonders viel verzehren, heißt es… Allerdings dürften auch Bewegung (auf der Insel wurde der Kampfsport Karate erfunden) und Traditionen, wie der soziale Zusammenhalt, eine Rolle spielen.

Burg Shuri in Okinawa, Japan

Die Burg Shuri ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Okinawa

Das alte Königreich Ryūkyū

Die Japanische Präfektur Okinawa ist mehr als 1000 Kilometer lang und besteht aus rund 160 ­Inseln. 49 von Ihnen sind bewohnt. Der Flughafen von Naha, auf der ebenfalls Okinawa genannten Hauptinsel, liegt zwar nur drei Flugstunden von Tokio entfernt, dennoch gehören die Inseln zu einer anderen Welt.

Bis ins 19. Jahrhundert bildeten sie das eigenständige Königreich Ryūkyū. Die Ryūkyū Dynastie spielte ab dem 14. Jahrhundert im ost- und südostasiatischen Seehandel eine wichtige Rolle. Besonders viele Traditionen haben die Menschen von Okinawa, die sich selbst "Uchinanchu" nennen, mit dem übrigen Japan deshalb nicht gemein. Es gibt sogar eigene Ryūkyū-Sprachen, die noch von älteren Einwohnern verwendet werden. Grundsätzlich sind die Menschen der Ryūkyū-Inseln, wie die Präfektur Okinawa auch genannt wird, aber einfach die entspannteren Japaner. Hier hat Nippon ein bisschen was von Hawaii. Beliebt sind die Inseln vor allem bei japanischen Urlaubern und amerikanischen GIs. Ausländische Touristen trifft man seltener.

Für Reisende besonders interessant sind die Hauptinsel Okinawa, die Kerama- und Kume-Inseln sowie die Miyako- und die Yaeyama-Inseln.

Ishigaki Island, Okinawa, Japan

Ishigaki-jima ist die Hauptinsel der Yaeyama-Inseln und bekannt für seine tolle Unterwasserwelt

Abtauchen auf Miyako und den Yaeyama-Inseln

Die bekannteste und größte Insel ist Okinawa-hontō (übersetzt Hauptinsel), das einstige Machtzentrum der Ryūkyū Dynastie. Heute liegt hier die Hauptstadt der Präfektur Okinawa, Naha. Wer nicht direkt eine der Nebeninseln ansteuert, kommt in der Regel erst einmal in Naha an. Zu den Highlights gehören:

  • Die Shuri-Festung auf einem Hügel über der Stadt. Ursprünglich datiert das Verwaltungszentrum der Ryūkyū aus dem 14. Jahrhundert, wurde dann aber zerstört und 1992 wieder aufgebaut. Heute ist es eine UNESCO Welterbestätte. Im Inneren gibt es beeindruckende Seiden und eine Ausstellung zu den Okinawa Königen.
     
  • Ein Besuch in der Tsuboya-Töpferstraße. Seit im 17. Jahrhundert ein königlicher Erlass Brennöfen auf den Ryūkyū-Inseln genehmigte, wird hier die beliebte Okinawa-Keramik gebrannt.
     
  • Der Daichi Makishi Kōsetsu Ichiba, ein überdachter Markt, dessen riesiges Angebot an Lebensmittel einen fast erschlägt. Wer die typische Okinawa-Küche kennenlernen möchte, sollte unbedingt die Restaurants in der oberen Etage besuchen. Einfach mal bei den Einheimischen auf den Teller schauen, bestellen was gut aussieht und schlemmen!
     
  • Südlich von Naha sind Relikte aus der jüngeren Vergangenheit zu besichtigen.
     
  • Als in Europa 1945 schon Frieden herrschte, tobte auf Okinawa noch die letzte Schlacht des zweiten Weltkrieges mit schweren Verlusten auf beiden Seiten. Die Inseln waren Japans Bollwerk, um eine US-Invasion des "Festlandes" zu verhindern. Erst im Juni herrschte Frieden; allerdings wurde Okinawa von den USA besetzt. Im Mai 1972 erhielt Japan alle Inseln zurück, es blieben aber mehr als ein fünftel des Territoriums US-Militärgelände.
     
  • An die Grauen des Krieges erinnern unter anderem das Friedensmuseum der Präfektur Okinawa, der Friedenspark und das Ehemalige Unterirdische Hauptquartier der Japanischen Marine. Ein Teil des Tunnel-Labyrinths ist für Besucher geöffnet
     
  • Wer baden möchte, fährt am besten auf die Motobu-Halbinsel im Nordwesten oder betreibt gleich Insel-Hopping. Etwa zu den nur 30 Kilometer entfernten Kerama-Inseln. Hier ist das Wasser so blau, das es einen eigenen Namen hat: "Kerama Blau". Ebenfalls nur eine kurze Überfahrt entfernt liegt die sehr ruhige Insel Kume, die mit besonders weißem Pulversand besticht. Beide Eilande bieten schöne Schnorchel- und Tauchmöglichkeiten.
     
  • Die Miyako-Inseln sind nur mit dem Flugzeug zu erreichen (von Naha nach Hirara etwa 45 Minuten), absolutes Highlight sind schlicht die Strände. Hier lässt sich tagelang von einem zum nächsten gondeln, schnorcheln und die maritime Fauna bewundern.
     
  • Noch ein Stückchen weiter ab vom Schuss, ziemlich vor der Küste Taiwans, liegen die Yaeyama-Inseln. Japans Top-Tauchreviere, besonders berühmt für Mantarochen. Näher als auf Ishigaki und Iriomote kann man dem Paradies fast nicht kommen. Während Ishigaki mit Korallenriffen und einer Sternwarte punktet, ist die Nachbarinsel von Regenwald überwuchert und bietet einige großartige Wanderwege. Zwischen den Inseln, auch den kleineren Eilanden der Yaeyama-Inseln, verkehren Fähren, so dass man sie auch als Tagelausflug besuchen kann.

Für welche Insel sich Besucher auch entscheiden, den besonderen Charme von Okinawa machen die Menschen aus. Sind in Japan eigentlich Pünktlichkeit, Ordnung und Leistung angesagt, lassen es die "Uchinanchu" langsamer angehen. Die Festland-Japaner sprechen auch von "Okinawa Time". Wie gesagt, es sind vermutlich nicht nur Bittergurke und Shikuasa, die den Menschen ein langes Leben bescheren. Und ein bisschen "Okinawa Time" kann man sich ja vielleicht sogar als Souvenir mit nach Hause nehmen.

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