Im Frühjahr Woran Sie erkennen, ob Ihr Nistkasten leer oder besetzt ist

Nistkasten am Baum
Ist dieser Nistkasten unbewohnt oder bezogen? Oft ist das gar nicht so leicht auszumachen
© David Dieschburg / Adobe Stock
Von Februar bis April beziehen Meisen und andere Vögel ihre Nistkästen. Oft sind sie scheu. Doch Aufmerksame erkennen, ob ein Nistkasten bewohnt und ob schon Nachwuchs geschlüpft ist

Ein Nistkasten im Garten wirkt schnell wie eine kleine Blackbox: Von außen ist nur ein Loch zu sehen, im Inneren bleibt alles verborgen. Viele Gartenfans und Vogelfreunde fragen sich deshalb regelmäßig im Frühjahr, ob ihr Kasten überhaupt genutzt wird – oder ob er Jahr für Jahr leer bleibt.

Tatsächlich verraten Vögel ihre Anwesenheit durch typische Verhaltensweisen in der Nähe der Behausung. Wer die Zeichen kennt und gleichzeitig Rücksicht auf die Tiere nimmt, kann relativ sicher einschätzen, ob ein Nistkasten nur dekorativ im Baum hängt oder bereits als Kinderzimmer für den Vogelnachwuchs dient.

Vom Einzug bis zum Ausflug: Was man wann sieht

Am Anfang steht oft die vorsichtige Inspektion. Vögel setzen sich auf das Dach oder direkt an das Einflugloch, spähen ins Innere und fliegen wieder davon. Dieses Verhalten kann sich mehrfach am Tag wiederholen, manchmal auch durch unterschiedliche Individuen.

In dieser Phase ist äußerlich noch nichts zu sehen von Nestmaterial, doch der Nistkasten ist bereits in der engeren Auswahl. Bleibt er ruhig gelegen und wird nicht gestört, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar ihn tatsächlich bezieht.

Nestbau: Ein- und Ausflüge mit Material

Sobald die Entscheidung gefallen ist, wird der Nistkasten zur Baustelle. Vögel tragen nun sichtbar Material heran: feine Halme, Moos, kleine Zweigstücke, Federn oder Tierhaare. Die An- und Abflüge häufen sich deutlich, der Kasten wird in kurzen Abständen besucht.

Ein Teil des Nistmaterials fällt dabei gelegentlich aus dem Einflugloch oder bleibt am Rand hängen. Spätestens jetzt ist von außen klar erkennbar, dass der Kasten genutzt wird – selbst wenn die Vögel sehr scheu sind und bei Annäherung rasch in den Kronen verschwinden.

Brutphase: Längere Ruhe im Inneren

Ist das Nest fertig, beginnt die Brut. Ein Altvogel – je nach Art meist das Weibchen – bleibt dann über längere Zeit im Kasten. Von außen wirkt die Umgebung in dieser Phase oft erstaunlich ruhig: Nur in größeren Abständen ist zu sehen, wie ein Vogel kurz ausfliegt und danach wieder im Kasten verschwindet.

Wer den Nistkasten in dieser Zeit über mehrere Stunden hinweg beobachtet, erkennt dennoch ein Muster. Es wechseln sich Phasen ab, in denen sich kaum etwas tut, mit kurzen Momenten, in denen ein Vogel auftaucht, sich am Loch zeigt und wieder ins Innere zurückkehrt.

Häufige Gartenvögel und ihre Brutzeit in der Übersicht

Doch wer brütet wann? Um eine besseres Gefühl für das Brutverhalten einzelner Arten zu bekommen, hier eine kompakte Übersicht typischer Gartenvögel in Deutschland mit durchschnittlicher Brutdauer:

VogelartBrutdauerBrutzeit (in Deutschland)
Amsel12–15 TageBrutbeginn meist ab März, mehrere Bruten bis Sommer
Blaumeise13–15 TageApril bis Juni, ein bis zwei Bruten, klassischer Nistkastennutzer
Kohlmeise12–16 TageApril bis Juli, ein bis zwei Bruten, häufig im Nistkasten
Haussperling11–14 TageMärz/April bis August, meist zwei bis drei Bruten
Starca. 12 TageApril bis Juni, ein bis zwei Bruten, Höhlen- und Nistkastennutzer
Kleiber14–18 TageMärz bis Mai, eine Brut, nutzt gern geeignete Nistkästen
Rotkehlchen13–15 TageMärz/April bis Juli/August, meist zwei Bruten
Buchfink10–16 TageApril bis Juli, etwa zwei Bruten
Grünfinkca. 14 TageApril bis August, zwei bis drei Bruten möglich
Zaunkönig14–18 TageApril bis Juli, meist zwei Bruten
Hausrotschwanzca. 13 TageApril bis Juli, etwa zwei Bruten, nutzt auch Halbhöhlen/Nischen

Fütterungsphase: Hochbetrieb am Einflugloch

Sobald die Jungvögel geschlüpft sind, steigt die Aktivität sprunghaft. Die Altvögel fliegen in kurzen Intervallen ein und aus, jeweils mit Futter im Schnabel: Insekten, Larven oder kleine Spinnen werden direkt in den Kasten getragen. Die Anflüge wirken zielstrebig und sehr kurz. Oft dauert es nur Sekunden, bis das Futter übergeben ist und der nächste Suchflug beginnt. Mit etwas Abstand sind zudem leise Bettelrufe zu hören, die aus dem Inneren dringen und mit zunehmendem Alter der Jungen kräftiger werden.

Ausflug der Jungen: Ein letzter großer Tag

Kurz vor dem Ausfliegen zeigen sich Jungvögel gelegentlich am Einflugloch, stecken die Köpfe hinaus und orientieren sich. In dieser Phase ist um den Nistkasten herum besonders viel Bewegung und Rufaktivität.

Ist der Tag des Ausflugs gekommen, verlassen die Jungvögel meist innerhalb kurzer Zeit nacheinander den Kasten. Danach wird es schlagartig still. Von außen wirkt der Nistkasten anschließend wieder unbewohnt, obwohl sich im Inneren noch das alte Nest befindet.

Wenn sich anscheinend nichts tut

Nicht jeder Nistkasten wird sofort angenommen – und manchmal bleibt er eine ganze Saison lang leer. Der Zeitpunkt spielt dabei eine wichtige Rolle: Viele heimische Gartenvögel beginnen zwar im Frühjahr mit der Brut, doch manche Arten sind später dran oder starten Zweitbruten. Ein Nistkasten kann daher selbst dann noch attraktiv sein, wenn der erste Schwung Nachwuchs im Umfeld bereits ausgeflogen ist.

Bleibt der Kasten jedoch eine ganze Saison ungenutzt, kann das mehrere Gründe haben:

  • ungünstige Höhe oder Ausrichtung
  • starke Sonneneinstrahlung oder Hitzestau
  • dauerhaftes Störpotenzial durch Verkehr, Lärm oder häufige Passanten
  • einfache Kletterwege für Katzen oder Marder am Stamm oder an Rankhilfen

In vielen Fällen hilft es, den Standort leicht zu verändern, den Kasten witterungsgeschützt in zwei bis drei Meter Höhe anzubringen und darauf zu achten, dass das Einflugloch frei anfliegbar ist. Unterschiedliche Kastentypen und Lochgrößen sprechen zudem unterschiedliche Arten an; ein divers gestalteter Garten profitiert häufig von einer Kombination verschiedener Modelle.