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Klimawandel "Cappuccino-Bären" erobern Nordamerika

Hybride aus Eisbären und Grizzlys haben körperliche Merkmale von beiden Arten
Hybride aus Eisbären und Grizzlys haben körperliche Merkmale von beiden Arten
© mauritius images / Arterra Picture Library / Alamy
Seit 2006 werden immer mehr Mischlinge aus Eisbär und Grizzly geboren – die sich auch untereinander fortpflanzen. Sie könnten für den Klimawandel besser gewappnet sein als der Eisbär

Hellbraune Bären – Mischlinge aus Eisbären und Grizzlybären – werden in Nordamerika immer öfter gesichtet. Und offenbar können diese Hybriden auch ihrerseits Nachkommen hervorbringen. Laut Experten ist das Phänomen eine Folge des Klimawandels. Möglicherweise gehört den "Cappuccino-Bären" oder "Pizzlys" (aus Polar Bear und Grizzly) sogar die Zukunft in den wärmer werdenden Regionen der Arktis.

Ein Grund dafür ist, dass sich die Lebensräume der beiden Bären immer stärker überlappen. Grizzlys dringen weiter in den Norden vor, wo sie weniger gejagt werden. Auf der anderen Seite sind die Eisbären gezwungen, sich alternative Nahrungsquellen an der Küste zu suchen. Denn das Meereis, auf dem sie Robben jagen, geht immer weiter zurück. Zwischen 1981 und 2010 ist das Meereismaximum der Arktis insgesamt um 870.000 Quadratkilometer geschrumpft.

Der erste Pizzly tauchte 2006 auf

Der erste Hybride wurde 2006 dokumentiert, nachdem ein Jäger in den Northwest Territories (Kanada) einen vermeintlichen Eisbären geschossen hatte – der sich bei genauerer Untersuchung als Mischling entpuppte. Eine Untersuchung war auch rechtlich relevant, denn in Kanada stehen Grizzlys unter Schutz. Das Ergebnis der DNA-Analyse: Das getötete Tier hatte eine Eisbären-Mutter und einen Grizzly-Vater.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 untersuchte acht Hybriden, die von einer Eisbärin und zwei verschiedenen Grizzly-Vätern abstammen.

Pizzlys haben Merkmale von beiden Arten: ein helles Fell, den langen Schädel des Eisbären – und die braunen Krallen und den Buckel der Grizzlys.

Dass sich Ursus maritimus und Ursus arctos miteinander fortpflanzen können, ist evolutionsgeschichtlich nicht verwunderlich. Erst vor rund 500.000 bis 600.000 Jahren trennten sich die Evolutionslinien, ausgehend von einem gemeinsamen Vorfahren. Studien in der freien Wildbahn und in Gefangenschaft haben gezeigt, dass auch die Hybride fruchtbaren Nachwuchs zeugen können.

Schlechte Karten für Eisbären

Unterdessen sind die Aussichten für den Eisbären trüb. In den kommenden 30 Jahren könnte die Population um 30 Prozent, manchen Forschern zufolge sogar um die Hälfte schrumpfen. Ein Grund dafür ist das Nahrungsangebot: An Land müssen die auf Robben spezialisierten Fleischfresser auf Vogelgelege oder Karibus ausweichen: Nahrung, deren Beschaffung oft mehr Kalorien verbraucht, als sie beim Fressen einbringt.

"Die hoch spezialisierte Ernährungsweise und Kiefermorphologie der Eisbären könnte ihre Fähigkeit, sich an eine erwärmende Arktis anzupassen, eng begrenzen", heißt es in einer aktuellen Studie. Mischlinge dagegen könnten eine höhere Chance haben, zu überleben.

"Hybride sind normalerweise nicht besser an ihre Umwelt angepasst als ihre Eltern, aber es gibt die Möglichkeit, dass diese Hybride eine breitere Palette an Nahrungsquellen nutzen können", sagte die an der Studie beteiligte Paläontologin und Biologin Larisa DeSantis gegenüber Livescience.


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