Tipps für Vogelfreunde Die häufigsten Fehler beim Füttern von Vögeln – und wie man sie vermeidet

Stieglitz
Nahrhafte Pflanzen und Insekten sollten das Futterangebot im Garten bestimmen
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Wer Vögel im Garten füttert, meint es gut, kann aber auch einige Fehler machen. Worauf Sie achten sollten

Eines vorweg: Die meisten Vögel, die das Futterhäuschen besuchen, sind nicht gefährdet. Bedroht sind in Deutschland vor allem Feld- und Wiesenvögel sowie Greif- und Seevögel, die im Garten überhaupt nicht vorkommen. Die Vogelfütterung trägt also kaum zum Schutz gefährdeter Arten bei. Trotzdem kann es sinnvoll sein, Singvögel zu unterstützen. Vor allem zwischen November und Februar haben sie einen hohen Energiebedarf – in einer frostigen Nacht können sie bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts verlieren.

Zudem ist die Vogelbeobachtung eine der heute selten gewordenen Möglichkeiten, frei lebenden Tieren zu begegnen. Bei einer repräsentativen Umfrage, die die Deutsche Wildtier Stiftung in Auftrag gegeben hat, gaben 22 Prozent der Eltern an, ihre Kinder bekämen "nie oder fast nie" ein wild lebendes Tier zu Gesicht. Das ist einerseits auf den Artenschwund, andererseits auf die Entfremdung von der Natur zurückzuführen, denn Wildtiere umgeben uns nach wie vor: Singvögel gehören dazu. Die Vogelfütterung kann demnach ein guter Hebel sein, um Naturverbundenheit zu fördern.

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Sollte man Vögel im Garten füttern?

Wer Gartenvögel bei der Nahrungssuche unterstützen möchte, sollte folgende Fehler vermeiden:

1. Keine natürlichen Nahrungsquellen

Geeigneter Lebensraum, in dem Wildtiere sich unabhängig vom Menschen selbst versorgen können, ist wichtiger als jede künstliche Futterstelle. Echte Wildnis gibt es in Deutschland nur noch auf gerade einmal 0,62 bis 0,73 Prozent der Fläche. Gleichzeitig gibt es etwa 17 Millionen Privatgärten mit einer Gesamtfläche von rund 900.000 Hektar. Bei naturnaher Gestaltung können Gärten also einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Artenschwund leisten.

Vogelfutter, welches man im Garten ausstreut, muss anderswo erst angebaut und geerntet werden. Dafür sind wertvolle Ressourcen in Form von landwirtschaftlicher Fläche, Transport, Lagerung und Verpackung nötig. Ein natürliches Nahrungsangebot im Garten hält dagegen: Vogelfreundliche Sträucher, Obstbäume, Stauden und Wildkräuter sind empfehlenswert. Beeren und Äpfel lässt man bis in den Winter hängen, vertrocknete Stängel und Samenstände bleiben ebenfalls stehen, denn darin überwintern Insekten, die den Vögeln im Sommer als Nahrung dienen. Bis dahin tun sich Meisen und Sperlinge an einer Reihe Sonnenblumen gütlich, den Stieglitz kann man vor allem an den Samenständen der Kratzdistel beobachten, und wer Fallobst und Laub im Herbst liegen lässt, sieht bald Amseln und Rotkehlchen am Boden picken.

2. Keine Vielfalt bei den Futterstellen

Die Ernährungsgewohnheiten einzelner Vogelarten gehen weit auseinander. Manche Vögel knacken mit Vorliebe kräftige Kerne, andere freuen sich über eine feine Körnermischung, wieder andere gelten als Weichfutterfresser. Zudem fliegt nicht jede Art das Futterhäuschen an, einige suchen lieber am Boden nach Schmackhaftem. Wer also viele Arten in den Garten locken möchte, bietet verschiedene Futterstellen an: 

3. Der falsche Standort

An einer Futterstelle sollten Vögel sich sicher fühlen. Ungeeignet sind Standorte, von denen aus Gefahren schlecht einsehbar sind. Unmittelbar neben oder über einem Gebüsch ist das Risiko hoch, dass Vögel sich anschleichende Katzen nicht rechtzeitig bemerken. Ideal steht die Futterstelle auf einer freien Fläche, in deren weiterer Umgebung dennoch Ausweichmöglichkeiten wie Bäume oder Hecken erreichbar sind. Auf dem Balkon bietet sich die Befestigung am Geländer an, allerdings sollten Sie darauf achten, eine Auffangschale für eventuell herabfallende Futterreste zu installieren, um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden. Auch Hauswände eignen sich zum Anbringen kleiner Futtersysteme, allerdings nicht direkt neben großen Fensterscheiben, denn die Vögel könnten dagegen prallen und sich schwer verletzen.

4. Minderwertiges Futter aus dem Handel

Verzichten sollte man auf Meisenknödel mit Netz, da Vögel und andere Tiere sich darin verfangen und verletzen können. Auch die Zusammensetzung spielt eine Rolle: Billiges Vogelfutter wird oft mit einem großen Anteil an Weizenkörnern gestreckt, die von den Vögeln schlechter angenommen werden als fettreiche Samen. Wer sich unsicher ist, stellt das Vogelfutter mit Biozutaten selbst zusammen, etwa aus Sonnenblumenkernen, Hanfsaaten, gehackten Nüssen und Haferflocken. Auch Fettfuttermischungen, beliebt vor allem bei Meisen, lassen sich selbst herstellen. Eine Anleitung finden Sie bei GEOlino.

5. Das falsche Futter zur falschen Zeit

Das Futterangebot muss an die Jahreszeiten angepasst sein. Im Herbst und Winter nehmen Vögel naturgemäß Beeren und Obst sowie Samen und Kerne zu sich. Fettreiches Futter ist im Winter besonders zu empfehlen. Im Frühling und Sommer werden die beliebten Nüsse und Kerne für Jungvögel jedoch zur Gefahr, weil sie fettreiche Nahrung schwer verdauen und sogar daran ersticken können. Fast alle Singvogelarten ziehen ihre Jungen mit Insekten auf. Dazu sammeln Vogeleltern bis zu eintausend Raupen pro Tag. Entsprechende Nahrung gibt es zwar auch zu kaufen, besser geeignet ist aber ein insektenreicher Garten. Die Vielfalt an Raupen, Maden und Würmern lässt sich mit einfachen Maßnahmen fördern, etwa mit einem Komposthaufen, diversen Raupenfutterpflanzen oder einem Käferkeller.

6. Mangelnde Hygiene an der Futterstelle

An einem Vogelhäuschen kommen über den Tag verteilt viele Individuen auf engem Raum zusammen. Die Vögel laufen im Futterhaus umher, mitunter verteilen sie Kot und damit Krankheitserreger zwischen dem Futter. Daher müssen Vogelhäuschen, Bodenfutterstellen und Wassertränken regelmäßig gereinigt werden. Am besten legt man täglich nur kleine Mengen Futter nach, um zu verhindern, dass es nass wird und fault. Am pflegeleichtesten sind Futtersäulen und Meisenknödelhalter, hier sollte man nur aufpassen, dass sich keine Reste auf dem Boden sammeln, und im Zweifel eine Auffangschale darunter befestigen.

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