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Folge des Klimawandels Korallenriffe in verheerendem Zustand: Great Barrier Reef soll als gefährdet eingestuft werden

Luftaufnahme des Great Barrier Reef in Australien
Bedrohte Schönheit: hohe Wassertemperaturen und Versauerung machen dem Great Barrier Reef in Australien zu schaffen
© mauritius images / Lloyd / Alamy
Der fortschreitende Klimawandel zerstört Korallenriffe weltweit. Das Welterbekomitee sieht einen Aufruf zum Handeln und möchte das berühmte Great Barrier Reef in Australien als "gefährdetes Welterbe" einstufen

Schillernde Korallenriffe, in denen sich bunte Fische und kuriose Kreaturen tummeln und eine farbenprächtige Unterwasserwelt sind selten geworden in den Ozeanen. Denn der Klimawandel sorgt nicht nur an Land für Hitzewellen, sondern lässt auch die Temperaturen in den Weltmeeren steigen. Marine Hitzewellen setzen den Korallenriffen stark zu und lassen sie absterben. Hinzu kommt die Versauerung der Ozeane aufgrund der steigenden CO2-Emissionen.

International schlagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Alarm. Korallenriffe zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde, hochsensible und einzigartige Lebensräume sowie zahlreiche Meereslebewesen sind akut gefährdet.

Für die Situation der weltweiten Korallenriffe findet Christian Wild von der Universität Bremen deutliche Worte: "Der Zustand ist verheerend. Und die neuesten Studien deuten darauf hin, dass er noch schlechter wird." Rund 30 Prozent aller Korallenriffe weltweit seien bereits verloren, 40 Prozent gelten als massiv bedroht.

Korallenriffe sind empfindliche Ökosysteme

Durch den Anstieg der Meerestemperaturen kommt es zur berüchtigten Korallenbleiche: Korallen sind Nesseltiere und leben in Symbiose mit winzigen Algen, sogenannten Zooxanthellen, die für sie Zucker, Stärke und andere organische Stoffe bereitstellen. Auf eine Verschlechterung der Wasserqualität oder einen Temperaturanstieg reagieren Korallen extrem empfindlich. Sie stoßen zunächst einen Teil der Algen ab, schließlich alle. Die Korallen bleichen aus, zurück bleibt nur noch ihr farbloser Kalkmantel.

Korallenbleiche im Ozean
Als Folge der Erwärmung der Ozeane kommt es weltweit zur Korallenbleiche - hier ein Riff in der Bullenbaai an der Westküste von Curacao
© IMAGO / imagebroker

Werden die Korallen nicht erneut von Algen besiedelt, dann sterben sie sogar ab. Wie schnell das gehen kann, zeigt eine australische Studie der University of New South Wales in Sydney. Das Forschungsteam um Meeresbiologin Tracy Ainsworth konnte am Great Barrier Reef sowie an zwei Korallenriffen nachweisen, dass Korallen in Folge besonders starker mariner Hitzewellen binnen Tagen absterben. "Intensive marine Hitzewellen haben wesentlich schlimmere Folgen als nur Korallenbleiche", wird die Studienleiterin in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. "Die Koralle gibt ihre Symbiose auf – das Tier stirbt und sein zugrundeliegendes Skelett ist das einzige, was übrig bleibt."

UNESCO will Great Barrier Reef als "gefährdetes Welterbe" einstufen

Auch die UNESCO zeigt sich zunehmend besorgt über die Situation am größten Korallenriff der Erde – mit mehr als 344.000 Quadratkilometern ist das Great Barrier Reef größer als Italien. Die langfristigen Aussichten für das Naturwunder hätten sich von "schlecht" zu "sehr schlecht" entwickelt. In einem Entwurf appellierte das Welterbekomitee an Australien, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu treffen und das Great Barrier Reef, welches im Jahr 1981 zum Weltnaturerbe erklärt wurde, stärker zu schützen.

Ungeachtet des Widerstands in Australien will das Welterbekomitee das vom Klimawandel bedrohte Great Barrier Reef als gefährdete Naturstätte einstufen. Der Entwurf für die Entscheidung "ist ein Vorschlag, die Stätte auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen", sagte die Direktorin des Komitees, Mechtild Rössler, am Sonntag auf einer Pressekonferenz während der 44. Sitzung des Gremiums der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation  in der chinesischen Stadt Fuzhou.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf das Welterbe sind ein wichtiges Thema der UNESCO-Sitzung in Fuzhou. Aktuell sind 53 Welterbestätten als gefährdet eingestuft. Die Direktorin des Welterbekomitees betonte, die Idee der Liste gefährdeter Stätten sei "ein Aufruf zum Handeln", bei dem die gesamte Weltgemeinschaft zusammenarbeiten sollte.

mit dpa

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