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Bodensanierung Birken können Mikroplastik aus dem Boden filtern

Boden wieder gut machen: Birken gelingt es, in ihren Wurzeln selbst industrielle Giftstoffe im Erdreich zu sammeln und abzubauen
Boden wieder gut machen: Birken gelingt es, in ihren Wurzeln selbst industrielle Giftstoffe im Erdreich zu sammeln und abzubauen
© Andre / Adobe Stock
Mikroplastik gelangt in großen Mengen nicht nur in die Meere, sondern auch in unsere Böden. Es wieder herauszubekommen, ist fast unmöglich. Außer für Birken

Bäume spenden Schatten, speichern Wasser und Kohlenstoff und bieten zahllosen Tieren einen Lebensraum. Aber sie können noch viel mehr. Wie ein Forschungsteam unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) nun in der Zeitschrift "Science of The Total Environment" berichtet, können sie sogar Mikroplastik aus dem Wasser in ihrer Umgebung filtern – und in ihren Wurzeln speichern.

Birken werden schon lange eingesetzt, um Böden zu verbessern. Die Hängebirke (Betula pendula) etwa kann industrielle Schadstoffe wie polyaromatische Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle aufnehmen und in ihrem Holz anreichern – wo sie dann von Mikroben abgebaut werden.

Um zu überprüfen, ob die Hängebirke es auch mit Mikroplastik aufnehmen kann, versetzten die Forschenden des IGB und des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) die Erde eingetopfter Birken mit fluoreszierenden, 5 bis 50 Mikrometer kleinen Mikroplastik-Kügelchen. Fünf Monate später untersuchten sie das Wurzelwerk der Pflanzen – und wurden in bis zu 17 Prozent der Biomasse fündig.

Weltweites Mikroplastik-Problem können Birken nicht lösen

Eine Lösung für das weltweite Mikroplastik-Problem sind die Birken wohl nicht. Lokal scheinen die widerstandsfähigen Bäume aber zur naturverträglichen und nachhaltigen Verringerung der Schadstoffmengen im Boden beitragen zu können. "Diese Pilotstudie deutet darauf hin, dass die Birke ein echtes Potenzial für langfristige Lösungen zur Bodensanierung hat – einschließlich der Verringerung der Menge an Mikroplastik im Boden und möglicherweise im Wasser", sagt Kat Austen, die Hauptautorin der Studie.

Gleichwohl sei weitere Forschung erforderlich, um zu klären, was über längere Zeiträume mit dem Mikroplastikpartikeln in der Birke passiert. "Darüber können wir zur Zeit nur spekulieren", sagt Austen. Denkbar sei, dass die Partikel im Wurzelholz dauerhaft gespeichert bleiben. Aber auch, dass sie über die Leitungsbahnen der Bäume in die Blätter gelangen.

Weitaus mehr Mikroplastik in Böden als in den Meeren

Mikroplastik stammt entweder aus größeren Plastikteilen, die unter der Einwirkung von Licht in immer kleinere Teile zerfallen, oder aus Mikroplastik-haltigen Produkten und Abwässern. In Böden sammeln sich dabei weitaus mehr dieser mikroskopischen Kunststoff-Partikel als in den Meeren der Welt. Schätzungen zufolge kann die Mikroplastik-Konzentration in Böden bis zu 23 mal höher sein als im Meerwasser.

Eine wichtige Quelle ist der Abrieb von Autoreifen, der bei Regen von den Fahrbahnen gespült wird. Aber auch mit dem Schlamm aus Klärwerken gelangen weltweit große Mengen Mikroplastik auf die Felder. Und von dort in die Nahrungskette: Studien haben gezeigt, dass zum Beispiel Weizen und Salat Nanopartikel einer Größe von 0,2 bis 2 Mikrometer mit dem Bodenwasser aufnehmen und in ihre Biomasse einbauen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sind bislang wenig untersucht.


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