Hyalomma-Zecke Neue tropische Zecken in Deutschland: Wie gefährlich sind sie - und wie können wir uns schützen?

Das gefährlichste Tier Deutschlands ist nur wenige Millimeter groß: die Zecke. Ein Biss der Spinnentiere kann zu schweren Infektionen führen. Und eingeschleppte Arten, wie die kürzlich in Schleswig-Holstein entdeckte Hyalomma-Zecke, bringen neue Krankheitserreger mit
Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock.

Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock

In diesem Artikel
Wie ernähren sich Zecken?
Wie oft saugen Zecken Blut?
Wie pflanzen sie sich fort?
Lassen sich Zecken von Bäumen fallen?
Was macht Zecken so gefährlich?
Was sind Symptome einer FSME-Infektion?
Welche Symptome deuten auf eine Lyme-Borreliose?
Warum müssen Zecken sofort entfernt werden?
Wie kann ich mich gegen Zecken schützen?

Kürzlich sorgte im nördlichsten Bundesland ein Zeckenfund für Aufsehen. Bei dem Spinnentier handelte sich nicht um den Gemeinen Holzbock, die häufigste Zeckenart in Deutschland – sondern eine tropische Spezies. Hyalomma marginatum stammt eigentlich aus Asien, Afrika und Südeuropa. Die Art hatten Forscher der Universität Hohenheim 2018 erstmals in Süddeutschland nachgewiesen. Sie ist rund fünf Mal größer als der Gemeine Holzbock und hat auffällig gestreifte Beine. Das Tier könnte mit einem Vogel in den Norden gelangt sein, aber auch Tiertransporte und Tourismus kommen als Ausbreitungswege in Betracht.

Besonders problematisch: Während die einheimischen Arten vor allem FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Lyme-Borreliose übertragen können, bringen die tropischen Spezies neue Krankheiten mit. So kann Hyalomma auch den Erreger des gefährlichen Krim-Kongo-Fiebers übertragen.

Forscher rechnen damit, dass sich diese und andere tropische Arten in Deutschland weiter ausbreiten werden. Der Klimawandel schafft dafür ideale Voraussetzungen: Der heiße und trockene Sommer 2018 jedenfalls bot den Tieren ideale Ausbreitungsbedingungen. Von anderen Zeckenarten ist dieses Wanderverhalten schon bekannt: So hat sich Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum inzwischen bis Dänemark ausgebreitet.

Foto: Smileus/Fotolia, Zecke

Zecken: Die Gefahr lauert nicht auf Bäumen, sondern meist nah am Boden

Wie ernähren sich Zecken?

Die Gefahr lauert im Gras: Die nur millimetergroßen Spinnentiere entern während des Picknicks unseren Körper. Bleiben sie unbemerkt, ritzen sie mit ihren sägeartigen Kieferwerkzeugen einen Spalt in die oberste Hautschicht, betäuben mit giftigem Speichel die Wunde und senken den Saugrüssel bis zum Anschlag hinein. Über Stunden oder Tage können Zecken-Weibchen bis auf das 200-Fache ihres ursprünglichen Gewichts anwachsen.

Rund 850 Arten dieser Blut saugenden Spinnentiere sind weltweit bekannt. Während viele Arten auf bestimmte Tierarten fixiert und damit für den Menschen ungefährlich sind, ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) der in Deutschland verbreitet vorkommt, flexibel: Auch Menschenblut schmeckt ihm. Im Gegensatz zu manchen ihrer farbenfrohen tropischen Verwandten ist diese Art unscheinbar - im eigenen Interesse, denn für die Parasiten hängt das Überleben davon ab, dass sie sich ungestört an ihrem Wirt laben können.

Wie oft saugen Zecken Blut?

Drei Mahlzeiten reichen einer Zecke für ein ganzes Leben. Die nur einen halben Millimeter große Larve des Gemeinen Holzbocks befällt zunächst einen Kleinsäuger. Dank dieser Blut-Mahlzeit kann sie heranwachsen - sie häutet und entwickelt sich zur geschlechtslosen Nymphe. Nun sucht sie ein weiteres, größeres Opfer. Mit dem Ertrag dieses Überfalls wächst sie endlich zum erwachsenen, geschlechtsreifen Tier heran.

Neue tropische Zecken in Deutschland: Wie gefährlich sind sie - und wie können wir uns schützen?

Die Entwicklungsstadien im Größenvergleich: sechsbeinige Larven (0,5 Millimeter), eine Nymphe (1,5 Millimeter) und ein geschlechtsreifes Weibchen (3,5 bis 4,5 Millimeter)

Wie pflanzen sie sich fort?

Neue tropische Zecken in Deutschland: Wie gefährlich sind sie - und wie können wir uns schützen?

Um den ganzen Entwicklungszyklus zu durchlaufen, benötigt eine Zecke im Normalfall drei Jahre

Eine letztes, opulentes Mahl nehmen die Weibchen zu sich, um ihre 2000 bis 3000 Eier produzieren zu können. Nach der Eiablage stirbt das Weibchen. Auch für die Männchen markiert der Höhepunkt ihres Lebens zugleich sein Ende: Nach der Kopulation haben Zeckenmännchen fertig.

Den Wirt befallen sie nur in der Hoffnung, auf ein geschlechtsreifes Weibchen zu treffen. Ob sie unterdessen noch Blut saugen, ist nicht bekannt. Rund drei bis fünf Jahre braucht eine Zecke zur Vollendung ihres Lebenszyklus'.

Lassen sich Zecken von Bäumen fallen?

Zecken wollen gar nicht so hoch hinaus, wie ihnen oft nachgesagt wird: Es ist ein populärer Irrtum, dass sie sich von Bäumen auf ihre ahnungslosen Opfer fallen lassen. Die Spinnentiere sind bequemer: Sie warten einfach an den Enden von Grashalmen und anderen exponierten Stellen und halten die Vorderbeine mit ihren Enterhaken ausgestreckt.

Von ihrem warmblütigen Opfer lassen sie sich dann im Vorbeigehen mitnehmen. Erwachsene Zecken klettern nicht höher als 1,5 Meter. Dieses Verhalten machen sich auch Biologen zunutze, die die Tiere untersuchen wollen: Sie ziehen einfach ein großes weißes Tuch durch das Gras und sammeln die Tiere ab.

Was macht Zecken so gefährlich?

Zu den nicht nur unangenehmen, sondern gefährlichen Begleiterscheinungen eines Zeckenstichs gehören Krankheiten, die von den Blutsaugern übertragen werden. Zu den verbreitetsten und gefährlichsten gehören die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine durch Viren ausgelöste Erkrankung des Gehirns oder der Hirnhaut.

Nicht überall in Deutschland sind Zecken Überträger dieser Infektionskrankheiten. FSME-Risikogebiete liegen vor allem im Süden der Republik: in ganz Baden-Württemberg, ganz Bayern und im Süden von Sachsen und Hessen und im Südosten Thüringens (Stand: 2018).

Was sind Symptome einer FSME-Infektion?

Die Symptome sind nach einer Inkubationszeit von vier Tagen bis vier Wochen zunächst grippeartig. Verläuft die Krankheit schwer, greifen die Viren auch Hirnhäute, Rückenmark und Gehirn an: Fieber, Kopfschmerzen, Lähmungen, Zittern, Bewusstseins- und Gleichgewichtsstörungen sind die Folge.

Kinder überstehen die Infektion meist ohne Probleme. Unter den Erwachsenen Infizierten erkrankt etwa jeder Dritte. Jeder hundertste Infizierte stirbt an die Folgen der Infektion. Eine Therapie gibt es bisher nicht.

Ist ein Impfschutz ratsam?

Gegen eine Infektion mit FSME schütz eine Impfung: Drei Injektionen, in bestimmten Intervallen gespritzt, bieten einen zuverlässigen Schutz für drei Jahre. Die Impfung empfiehlt sich vor allem für die FSME-Risikogebiete und sollte regelmäßig aufgefrischt werden.

Welche Symptome deuten auf eine Lyme-Borreliose?

Auch bösartige Bakterien schleppen Zecken mit sich herum: In Deutschland infizieren sich rund drei bis sechs Prozent aller Gestochenen mit Borrelien, die sich im Darm von Zecken aufhalten. Die Erreger kommen überall dort vor, wo es Zecken gibt. Zu den wenigen charakteristischen Symptomen zählt die Erythema migrans, eine kreisrunde Rötung um die Einstichstelle herum - aber auch die tritt nicht bei jedem Infizierten auf.

Verläuft die Krankheit schwer, können noch Jahre nach der Infektion verschiedenste Symptome auftreten, zum Beispiel Gelenkentzündungen. Eine Schutzimpfung gibt es zwar nicht, aber oft heilt die Krankheit spontan. Und im frühen Stadium ist sie gut mit Antibiotika behandelbar.

Fast allen von Zecken übertragenen Krankheiten ist gemeinsam, dass sie vielfältige, vom Arzt schwer zu diagnostizierende Symptome mit sich bringen. Bleiben sie unerkannt, können sie Spätschäden zur Folge haben.

Warum müssen Zecken sofort entfernt werden?

Zecken wenden, um besonders viel Nahrung aufnehmen zu können, einen Trick an: Sie dicken das aufgesogene Blut ein. Die überschüssige Flüssigkeit wird mit Speichel vermengt in die Wunde zurückgepumpt. Pech für den unaufmerksamen oder hilflosen Wirt, denn auf diese Weise gelangen auch Borrelien und andere Krankheitserreger, die sich im Darm aufhalten, in seinen Körper. Einer Infektion kann nur entgehen, wer den Blutsauger so früh wie möglich entfernt. FSME dagegen kann sofort übertragen werden: Die Erreger halten sich auch am Stechapparat des Parasiten auf.

Wie kann ich mich gegen Zecken schützen?

  • Im Wald auf den Wegen bleiben, nicht durch hohes Gras streifen!
  • Helle Kleidung tragen, am besten mit langen Hosenbeinen! Die Hosenbeine in die Strümpfe stecken. Auf diese Weise können die Zecken nicht gleich auf die Haut gelangen.
  • Festes Schuhwerk tragen!
  • Nach jedem Waldspaziergang gründlich (am besten gegenseitig) absuchen! Besonders Kinder übersehen die kleinen Blutsauger leicht. Zecken laufen manchmal noch eine ganze Zeit auf ihrem Opfer herum, bevor sie zum Stich ansetzen. Sie suchen vor allem warme, feuchte Stellen (Kniebeugen, Achsel, Schambereich, Haaransatz).
  • Chemische Zeckenabwehrmittel bieten für einige Stunden einen gewissen Schutz.
  • Wenn doch mal eine Zecke zum Zuge gekommen sein sollte: So bald wie möglich entfernen! Wenn keine spezielle Zeckenpinzette zur Hand ist, vorsichtig zwischen den Fingernägeln packen (nicht quetschen!) und senkrecht aus der Haut ziehen.
  • Hausmittel wie Klebstoff oder Öl sind nicht zu empfehlen, denn je länger die Zecke Blut saugt, desto größer das Risiko, sich mit Borrelien zu infizieren!
  • In FSME-Risikogebieten auf jeden Fall impfen lassen!

Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Zecken gibt das Robert-Koch-Institut - und eine Karte der FSME-Risikogebiete (Stand 2017).

Aktualisiert am 31.1.2019

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