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Nachhaltigkeit Wie die Slowflower-Bewegung den Blumenmarkt revolutionieren möchte

Ihre Blumen bauen Xenia Bluhm und Nadja Neumann, die Gründerinnen von "Mentha Piperita Flowers",  ohne künstliche Pflanzenschutzmittel und mineralischen Dünger an
Ihre Blumen bauen Xenia Bluhm und Nadja Neumann, die Gründerinnen von "Mentha Piperita Flowers",  ohne künstliche Pflanzenschutzmittel und mineralischen Dünger an
© Patrick Lipke
Die Slowflower-Bewegung will den Markt für Schnittblumen verändern: Das Kollektiv baut regional, saisonal und pestizidfrei Blumen an

Es sei in diesem Jahr schwierig gewesen mit der Witterung. Erst drei Wochen gar kein Regen, dann drei Wochen "volle Kanne". Dazu die Schnecken, ein ganzes Beet hätten sie abgeknabbert, "man hat halt nicht diese klare Kontrolle", sagt Xenia Bluhm. Und klingt trotzdem gelassen, wenn sie über ihr Blumenfeld redet. 2020 begann sie mit ihrer Freundin Nadja Neumann die fast zwei Hektar große Fläche in Hamburg-Hummelsbüttel zu bewirtschaften. Jetzt, im Sommer, blühen Mohn, Kamille, Bartnelken und die ersten Löwenmäulchen.

Bluhm und Neumann verkaufen ihre Schnittblumen über das Jahr verteilt, im Rhythmus der Blütezeiten. Sie sind Teil des "Slowflower"-Kollektivs, dem in Deutschland mittlerweile fast 200 Floristinnen und Blumenfarmer angehören. Die Bewegung macht auf die Probleme aufmerksam, die mit üblichen Schnittblumen einhergehen.

Die Blumen werden nach Saison angebaut

Denn in Deutschland sind Schnittblumen oft zu jeder Zeit und überall erhältlich, meist kommen sie aus dem Ausland: Rosen werden etwa in beheizten Gewächshäusern in den Niederlanden gezüchtet oder aus wärmeren Ländern wie Kenia eingeflogen. Damit sie den Transport überleben und vor Fäulnis geschützt sind, werden die Blumen mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Doch diese schaden der Umwelt und den Arbeiter*innen, die sie in den meist ärmeren Produktionsländern ohne Schutzkleidung versprühen. Hinzu kommt: Eine kenianische Rosenfarm vergießt täglich in etwa so viel Wasser, wie in acht olympische Schwimmbecken passt.

Bluhm und Neumann bauen ihre Blumen nach Saison, in die Region passend und pestizidfrei an. Sie möchten eine Alternative zu den Importblumen anbieten. Den beiden ist zwar bewusst, dass ihre Blumen nur einen geringen Einfluss auf den Markt haben, doch viel wichtiger ist ihnen, dass ihre Kund*innen wieder erkennen, dass es natürliche Blühzeiten gibt und die Ernte nicht immer planbar ist. "Letztes Jahr zum Beispiel hat uns eine Kollegin aus dem Kollektiv Jungpflanzen von einer Blumensorte geschickt, die bei uns in der Anzucht nicht gekeimt ist", sagt Bluhm.

Naturbelassen zu wirtschaften sei nicht immer leicht, aber: "Ist der Strauß ein bisschen kleiner, dann ist es, weil die Natur ihn in dem Jahr so produziert hat."


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