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Reparieren statt Wegwerfen Geld vom Staat: Thüringen und Österreich starten mit dem Reparaturbonus durch

 Die Bundesregierung hat das "Recht auf Reparatur" sogar in ihren Koalitionsvertrag mit aufgenommen
 Die Bundesregierung hat das "Recht auf Reparatur" sogar in ihren Koalitionsvertrag mit aufgenommen
© TimeStopper / Adobe Stock
Um das Reparieren attraktiver zu machen, bezuschusst Thüringen auch in diesem Jahr Rechnungen für Reparaturen. Und Österreich hat den Reparaturbonus gleich flächendeckend eingeführt – als erstes EU-Land überhaupt

Das Handydisplay ist gesprungen? Die Waschmaschine verweigert den Dienst? Statt Geräte, deren Garantie abgelaufen ist, einfach zu ersetzen, ist es meist eine gute Idee, sie zu reparieren. Oder reparieren zu lassen. Denn das spart oft Geld und schont Ressourcen und Umwelt.

Um das Instandsetzen attraktiver zu machen, startete Thüringen im vergangenen Jahr einen bundesweit einmaligen Modellversuch: Bürgerinnen und Bürger konnten für ihre Reparatur beim Land einen Zuschuss in Höhe der Hälfte der Reparaturkosten beantragen, maximal 100 Euro pro Jahr. Der "Reparaturbonus" war ein voller Erfolg: 7000 Thüringer*innen stellten Anträge, innerhalb von nur vier Monaten war der Topf für die Reparaturzuschüsse – immerhin 400.000 Euro – leer. Angeführt wurde die Hitliste der reparierten Geräten von Handys, Waschmaschinen, Geschirrspülern und Kaffeemaschinen.

Nun soll das Projekt neu aufgelegt werden. Ab Mai, so heißt es aus dem federführenden Umweltministerium von Anja Siegesmund (Grüne), sollen bei der Verbraucherzentrale Thüringen elektronisch Anträge gestellt werden können. Neu in diesem Jahr: Auch Ersatzteile, die in sogenannten Reparaturcafés eingebaut wurden, können nun bezuschusst werden. Der Fördertopf wurde noch einmal aufgestockt, auf jetzt 600.000 Euro.

Österreich führt als erstes EU-Land den Bonus flächendeckend ein

Auch im Nachbarland Österreich wird das Modell "reparieren statt neu kaufen" staatlich gefördert. Ab sofort werden hier Reparaturen mit bis zu 200 Euro pro Gerät bezuschusst. Das Geld dafür stammt aus dem Wiederaufbaufonds der EU. Damit sollen Reformen und Investitionen unterstützt werden, die Europa nach der Corona-Krise "widerstandsfähiger, ökologischer und digitaler" machen, wie der EU-Kommissionsvertreter Martin Selmayr laut ORF sagte. Österreich sei das erste Land der EU, das einen solchen Bonus flächendeckend einführe.

Umwelt- und Verbraucherschutzverbände in Österreich ebenso wie in Deutschland begrüßen das Projekt. Im Prinzip. Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 fordert allerdings eine Ausweitung der Förderung auch auf andere Produkte, also etwa auch Fahrräder und Kleidung – und steuerliche Vorteile für Reparaturen. "Der Übergang zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft" sei nur zu schaffen, wenn man Neukäufe generell vermeide.

Auch in Bayern, Berlin und Bremen gibt es nun Überlegungen, den Reparaturbonus einzuführen. Bayern will Medienberichten zufolge sogar zwei Millionen Euro dafür bereitstellen. Das Bundesumweltministerium hält sich bislang zurück – SPD, Grüne und FDP bekannten sich aber schon im Koalitionsvertrag zu einem "Recht auf Reparatur".


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