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Klimakrise Kosten-Nutzen-Bilanz: Ökonomen berechnen, dass Klimaschutz auch kurzfristig Geld spart

Sauberere Luft hilft nicht nur dem Klima. Sie senkt auch die Gesundheitskosten
Sauberere Luft hilft nicht nur dem Klima. Sie senkt auch die Gesundheitskosten
© Andrey Lapshin /Adobe Stock
Ist Klimaschutz nicht viel zu teuer? Forschende zeigen: Wenn man den gesundheitlichen Nutzen einbezieht, ist er sogar kurzfristig billiger als die Folgekosten der Klimakrise

Klimaschutz zahlt sich aus. Experten sind sich einig, dass die Folgekosten der Klimakrise langfristig die Kosten eines engagierten Klimaschutzes bei weitem übersteigen. Kurzfristig jedoch scheinen die notwendigen Investitionen die Folgekosten bei weitem zu übersteigen: ein Grund für das zögerliche Verhalten vieler Politikerinnen und Politiker auch bei der COP26-Konferenz.

USA: Verringerung der Luftverschmutzung könnte bis 2050 163 Billionen Dollar sparen

Doch bisherige Kosten-Nutzen-Rechnungen seien unvollständig, erklärt ein Forscherteam in einer aktuellen Studie. Denn sie lassen den gesundheitlichen Nutzen der Umstellung auf erneuerbare Energien außen vor.

Die Ökonomen kommen zu dem Ergebnis, dass Klimaschutzmaßnahmen schon in den kommenden Jahren einen Nutzen für die Volkswirtschaft haben können – durch eine Verringerung der Luftverschmutzung. Das zeigen die Forschenden am Beispiel der Vereinigten Staaten: Durch Maßnahmen, die zur Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels führen, könnten allein die USA bis zum Jahr 2050 insgesamt 163 Billionen US-Dollar einsparen, weil die Menschen gesünder und produktiver und die Ernteerträge höher wären. Das berichtet die Gruppe um Drew Shindell von der Duke University in Durham (North Carolina, USA) im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).

Gesundheitliche Vorteile in die Kosten-Nutzen-Bilanz einrechnen

Der einfache "Kollateral-Nutzen" des Klimaschutzes: Wenn Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren ersetzt werden und zur Energiegewinnung zunehmend weniger fossile Brennstoffe verfeuert werden, dann reduziert sich auch die Menge der gesundheitsschädliche Abgase in der Luft.

Shindell und Kollegen plädieren dafür, diese Vorteile unbedingt in die Kosten-Nutzen-Bilanz einzukalkulieren.

Ungebremster Klimawandel 20-mal teurer

Der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicolas Stern hatte schon 2006 vorgerechnet, dass eine entschlossene Reduktion der Treibhausgas-Emissionen nur etwa ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts jährlich kosten würde. Dem gegenüber stünden Kosten von 20 Prozent oder mehr des globalen Bruttoinlandsprodukts, wenn nichts unternommen wird.

Die Welt, so das Resümee des Reports, brauche sich nicht zwischen der Vermeidung des Klimawandels einerseits und Wachstum und Entwicklung andererseits zu entscheiden. Investitionen für den Klimaschutz seien langfristig gesehen eine Strategie für mehr Wachstum.

mit dpa

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