Klima Update Spezial Kann grüner Wasserstoff die Energie der Zukunft werden?

Grüner Wasserstoff
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Um die CO2-Emissionen der deutschen Industrie dauerhaft zu senken, könnte grüner Wasserstoff die Lösung sein. Im Klima Update Spezial zeigen wir, wieso

In Köln fahren schon jetzt viele Busse mit grünem Wasserstoff. Angeliefert bekommt der städtische Regionalverkehr (RVK) den Treibstoff mitunter mehrmals täglich. Das ist auch wichtig, denn aktuell kann grüner Wasserstoff vor Ort noch nicht hergestellt werden. Noch nicht – die Kölner arbeiten bereits daran, eigene Elektrolyseure zu bauen, um ihren grünen Wasserstoff selbst zu produzieren.

Was ist grüner Wasserstoff?

Wasserstoff entsteht, indem man Wasser mithilfe von Strom in seine Bestandteile zerlegt, Wasserstoff und Sauerstoff. Das geschieht in einem Elektrolyseur. Im Inneren gibt es zwei Elektroden, einen Minus- und einen Pluspol, getrennt durch eine Membran. An der einen Seite entsteht Wasserstoffgas, an der anderen Sauerstoffgas. Die Membran verhindert, dass sich die Gase wieder vermischen. Im Prinzip ist das eine umgekehrte Batterie. Statt Strom zu erzeugen, verbraucht sie Strom, um Wasserstoff herzustellen. Wird dafür ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien genutzt, spricht man von grünem Wasserstoff. Die Tankzeiten sind ähnlich lang wie bei Dieselbussen, die Betriebskosten etwas höher. Dafür fahren die Wasserstoffbusse nahezu CO2 neutral und können bis zu 400 Kilometer Strecke machen. Ein Vorteil von Wasserstoff: Er kann in Teilen der bestehenden Gasinfrastruktur genutzt und in ähnlichen Anlagen eingesetzt werden wie Erdgas. Statt überall auf Strom umzusteigen, können manche Industrieöfen und Verbrennungsmotoren weiterlaufen, wenn sie auf Wasserstoff umgerüstet werden. Vor allem dort, wo sehr hohe Temperaturen gebraucht werden und Elektrifizierung schwierig ist, gilt Wasserstoff als eine wichtige Option.

Nils Aldag im Interview: "In Norddeutschland könnten große Mengen Wasserstoff entstehen"
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"In Norddeutschland könnten große Mengen Wasserstoff entstehen"
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Bis 2032 soll ein Wasserstoffkernnetz in Deutschland den neuen Rohstoff von den Küsten zu den Industriestandorten transportieren. In Lubmin kann Wasserstoff über Schiffe angelandet werden. In Huntorf entsteht ein Wasserstoffspeicher, der die vielen erneuerbaren Energien aus dem Norden nutzen kann. Mehr als 60 Prozent des Wasserstoffkernnetzes sollen aus umgerüsteten alten Erdgasleitungen bestehen, 40 Prozent werden neu hinzugebaut. Um dieses Kernnetz zu befüllen, setzt Deutschland auch auf Importe aus dem Ausland. Im Februar, also noch vor dem Irankrieg, reiste Bundeskanzler Merz nach Katar, Abu Dhabi und Saudi Arabien, um Energiepartnerschaften zu vertiefen, auch mit Blick auf künftige Wasserstofflieferungen. 

Das Klima Update Spezial zeigt, warum die Produktion von grünem Wasserstoff aktuell noch schleppend verläuft und vor welchen Problemen die Wirtschaft steht. Aber genauso wichtig sind die Chancen, die grüner Wasserstoff für unser Klima bringen kann.

nzo