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Krieg in der Ukraine Statt Tankrabatt: Fünf Maßnahmen, die nachhaltig gegen hohe Spritpreise helfen

Die Preise für Benzin und Diesel steigen seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine rasant
Die Preise für Benzin und Diesel steigen seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine rasant
© Sandor Jackal / Adobe Stock
Finanzminister Lindner schlägt einen Tankrabatt vor, um Autofahrer*innen bei rasant steigenden Treibstoffkosten zu entlasten. Viele kritisieren das als unökologisch und unsozial. Fünf Ideen für einen nachhaltigeren Ausgleich

Inhaltsverzeichnis

1. Tempolimit

Deutschland ist das letzte Land in der EU, in dem noch kein generelles Tempolimit auf Autobahnen gilt. Für Umweltverbände ist klar: Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, es einzuführen. Ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen und 30 km/h innerorts könnte nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) den Verbrauch von Benzin und Diesel jährlich um bis zu 3,7 Milliarden Liter verringern (und ganz nebenbei könnte man so auch noch dem Klima neun Millionen Tonnen Kohlendioxid ersparen).

Auch das Umweltbundesamt unterstützt die Forderung nach generellen Geschwindigkeitsbeschränkungen. Nach seinen Berechnungen könnten Autofahrer*innen jährlich bis zu 4,2 Milliarden Euro Spritkosten sparen. Der Vorteil: Ein Tempolimit ließe sich schnell und kostengünstig umsetzen.

2. Günstigerer ÖPNV

Die neuseeländische Regierung macht's vor: Um Bürger*innen bei den Kosten der Mobilität zu entlasten, will sie die Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr halbieren. Die Maßnahme, zunächst auf drei Monate befristet, soll langfristig zu einer "größeren Widerstandsfähigkeit des Verkehrssystems gegenüber Benzinpreissteigerungen" beitragen, wie Premierministerin Jacinda Ardern laut dem britischen "Guardian" sagte. Für den Moment aber könne eine Halbierung der Ticketpreise manchen Familien eine Alternative zur Tankfüllung bieten.

In Tallinn ist man sogar schon mehrere Schritte weiter. Für die Bewohner*innen der estnischen Hauptstadt wird schon seit 2013 der öffentliche Nahverkehr als Alternative zum eigenen Auto kostenlos angeboten. Mit Erfolg: Schon im ersten Monat nach der Einführung waren in Tallinn 15 Prozent weniger Autos unterwegs als in den beiden Vormonaten.
Die Mittel für Rabatte im ÖPNV könnten zum Beispiel durch die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen im Verkehrssektor frei werden.

3. Attraktiverer Rad- und Fußverkehr

Der beste Liter Benzin oder Diesel ist der, der gar nicht erst verbraucht wird. Wer also über ein Fahrrad verfügt und keine langen Distanzen, etwa zur Arbeit, zu bewältigen hat, kann auf das Zweirad umsteigen. Oder sogar zu Fuß gehen. Voraussetzung dafür ist natürlich auch, dass es geeignete Radwege gibt.

Um das Radeln attraktiver zu machen, muss also der Nationale Radverkehrsplan zügig umgesetzt werden. Bei allen Planungsentscheidungen, die die private Mobilität betreffen, muss ab sofort der sichere und komfortable Rad- und Fußverkehr (auch für Berufspendler*innen) zwingend mitgedacht werden. Die Verkehrswende weiter zu verschleppen, ist keine Option.

4. Energiegeld für besonders betroffene Haushalte

Die steigenden Energiepreise wirken sich nicht nur auf die Literpreise an der Tankstelle aus – sondern auf alles, was mit Hilfe von fossilen Energieträgern hergestellt oder transportiert wird. Im Gespräch ist darum auch ein sogenanntes Energiegeld. Grünen-Chefin Ricarda Lang etwa sagte, der Preisanstieg bei Lebensmitteln und Gas sei für viele Menschen viel problematischer als der Benzinpreis. Zudem müsse sichergestellt werden, dass von Entlastungen vor allem ärmere Haushalte profitieren. Ihr Vorschlag: Ein Energiegeld, das pro Kopf in gleicher Höhe ausgezahlt werden soll. Wie dieses Geld bei den Bürger*innen ankommen soll, ist noch unklar.

Unterstützung erhält die Idee des Energiegeldes für besonders betroffene Haushalte auch vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert ein sozial gerechtes, einkommensunabhängiges "Mobilitätsgeld", mit dem steigende Spritkosten abgefedert werden könnten.

5. Booster für die Elektromobilität

Wer heute schon ein Elektroauto fährt, ist auf Energie aus Russland nicht angewiesen. In Deutschland wird so viel Strom produziert, dass wir es uns leisten können, unter dem Strich sogar noch Elektrizität zu exportieren. Nun kann sich den Umstieg auf ein neues Elektroauto kurzfristig nicht jede*r leisten. In vielen Fällen, so der Ökonom Amadeus Bach von der Universität Mannheim, könne die E-Mobilität langfristig jedoch günstiger sein – auch bei steigenden Strompreisen.

Das Umweltbundesamt fordert schon länger mehr Tempo beim Umstieg auf E-Mobilität – aus Klimagründen. Neben schärferen CO2-Flottengrenzwerten plädieren die Expert*innen für eine E-Quote von 40 Prozent Elektrofahrzeugen bis 2025 und 85 Prozent bis 2030 – und ein sogenanntes Bonus-Malus-System für neue PKW. Soll heißen: klimaschonende PKW werden günstiger, klimaschädliche teurer.


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