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Kommunikation Klima, Kohleausstieg, Impfpflicht: Der beste Tipp für Diskussionen am Weihnachtstisch

Familienstreit an Weihnachten
© JackF / Adobe Stock
Bei den jährlichen Familienzusammenkünften prallen oft Meinungen hart aufeinander. Nicht nur beim Thema Klima. Jetzt ist Disziplin gefragt – und manchmal auch Verzicht

Viele Klimabewegte kennen das: Wenn es nicht schon im Vorfeld von Heiligabend um die Frage "Puten- oder Seitanbraten?" Streit gegeben hat, lauern während der Jahresend-Familienzusammenkunft unzählige weitere kommunikative Fallstricke: Onkel Bernd meint nach dem dritten Glas Wein, der Akku für die LED-Lichterkette sei eine Umweltsauerei. Tante Erika hält dagegen, in echten Kerzen stecke Erdöl oder nicht veganes Bienenwachs. Und überhaupt: Ist nicht die Weihnachtsbaumbeleuchtung pillepalle gegen den viel zu späten Ausstieg aus den fossilen Energien? Ein Wort gibt das andere – und ruckzuck ist die Stimmung im Keller.

Nicht umsonst ist eine alte Regel für ungezwungene Konversation: keine Politik! Gerade bei Verwandten, zu denen wir den Rest des Jahres kaum Kontakt haben, kann es da Überraschungen geben.

Kein Klima an Weihnachten!

Möglichen Konflikten vorübergehend und bewusst aus dem Weg gehen: So handhabt es selbst die sonst so beredte und meinungsstarke Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Die Erderwärmung, und was dagegen zu tun ist, ist in ihrer Familie an Weihnachten Tabu, erklärt sie im Podcast Deutschland3000. Um auf Instagram dann aber doch noch die besten Antworten auf Argumente zu liefern, die Klimabewegten nicht nur unter dem Weihnachtsbaum die Zornesröte ins Gesicht treiben: Deutschland sei nur für 2,5 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich, wir könnten den Klimawandel ohnehin nicht mehr aufhalten, Atomkraft könnte die Lösung des Energieproblems sein.

Das Problem dabei: Wo es Argumente gibt – egal ob Impfpflicht, Nord Stream 2 oder Kohleausstieg – gibt es auch Gegenargumente und andere, mögliche Perspektiven auf dasselbe Thema. Und aus einer einmal angefangenen, kontroversen Diskussion elegant auszusteigen, dem Strudel der Empörung zu entkommen, der auch so viele Diskussionen in den sogenannten sozialen Netzwerken vergiftet, erfordert viel Disziplin.

Warum zuhören wichtig ist

Das weiß Celeste Headlee aus jahrelanger Erfahrung. Die US-amerikanische Radiomoderatorin gibt in einem TED-Talk Tipps für eine gelungene Konversation – und rät vor allem dazu, aufmerksam zuzuhören. Starten Sie jede Unterhaltung mit der Annahme, etwas lernen zu können, empfiehlt die 51-Jährige. Nehmen Sie sich und Ihre Meinung nicht zu wichtig, dulden Sie auch mal Widerspruch. Stellen Sie Fragen. Nicht, um Ihr Gegenüber zu entlarven oder zu widerlegen. Sondern, um etwas zu erfahren, was Sie noch nicht wussten.

Nun muss natürlich niemand groben Unfug oder stumpfe Klimaleugnung unwidersprochen hinnehmen. Aber auch nicht reflexhaft auf jede abweichende Meinung zurückfeuern. Und das erfordert, sich selbst zurückzunehmen. Manchmal – Weihnachten ist sicher so ein Datum –, heißt die beste Strategie: Einfach mal die Klappe halten. Und sei es nur mit Rücksicht auf Oma und Opa.


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