Abwasser Warum die Klopapier-"Krise" die Klärwerke vor Herausforderungen stellt

Klärwerke in den USA schlagen Alarm: Weil das Klopapier knapp wird, werfen die Menschen immer mehr Textilien und Tücher ins Klo. Das führt zu Verstopfungen in der Kanalisation. Erste Warnungen kommen auch von deutschen Versorgern
Toilettenpapier-Krise

Ins Klo gehören nur Fäkalien und Toilettenpapier. Sonst nichts

Die Corona-Pandemie hat einige seltsame Nebenwirkungen. Sobald allgemeine Ausgangsbeschränkungen erstmals öffentlich diskutiert wurden, fingen viele an, Fertiggerichte und Nudeln zu hamstern. Und Toilettenpapier. Und das nicht nur in Deutschland. In den USA hat jetzt die gefühlte Toilettenpapier-Knappheit zu einem weiteren Problem geführt: Verstopfungen in der Kanalisation.

Der Grund sind Textilien, Taschentücher, Servietten, Feucht- und Desinfektionstücher und andere Materialien, die statt des Toilettenpapiers benutzt werden – sich aber im Abwasser nicht auflösen. Und dann die Pumpen blockieren, die die Abwässer zum Klärwerk befördern sollen. Wie CNN berichtet, haben sich in den USA jetzt Wasserversorger aus den Staaten New York, Kalifornien, Massachusetts, Ohio und South Carolina mit entsprechenden Bitten an die Öffentlichkeit gewandt.  

Die kalifornische Stadt Redding hat sogar ein Aufklärungs-Video auf YouTube gepostet – allerdings bislang mit einer bescheidenen Zuschauerschaft.

Auch in Deutschland: Immer mehr Fremdstoffe im Abwasser

Hierzulande weisen Wasserversorger schon seit Jahren darauf hin, dass außer Fäkalien und Toilettenpapier nichts ins Klo gespült werden soll. Gegenüber Spiegel online berichten einzelne Klärwerke jetzt von einer deutlichen Zunahme der problematischen Feuchttücher in der Kanalisation.

In Hamburg sei davon zwar noch nichts zu spüren, berichtet Ole Braukmann vom Versorger Hamburg Wasser. Der Trend könnte aber ein bestehendes Problem verschärfen: Zwischen 2008 und 2018, so Braukmann, haben sich die Kosten für Störungseinsätze an Pumpwerken verzehnfacht – auf jährlich 216.000 Euro. Im Jahr 2018 gab es demnach in der Hansestadt rechnerisch an jedem Tag einen Einsatz wegen einer verstopften Pumpe. „Da wir in unserem Betrieb zurzeit das Personal reduziert haben, um Reservepools aufzubauen, kämen uns zusätzliche und unnötige Reinigungseinsätze natürlich äußerst ungelegen“, so der Unternehmenssprecher weiter. „Deshalb appellieren wir an alle, keine Feuchttücher, Servietten, Kosmetiktücher etc. in die Toilette zu werfen.“