Braunkohletagebau Hambacher Forst: Gerettet, um zu sterben?

Der Streit um den Hambacher Forst ist nicht vorbei. Jetzt sorgen bekannt gewordene Planungen von RWE für Aufregung
Hambacher Wald

Teilweise bis auf 50 Meter haben sich die Bagger im Braunkohle-Tagebau Hambach an den Forst herangefressen

Vor einigen Tagen erhitzte eine Grafik aus der Dürener Zetiung in den sozialen Medien die Gemüter. Sie zeigt in einer schematischen Darstellung den Tagebau Hambach. Ein pikantes Detail ist am unteren Rand zu sehen: der Hambacher Forst – als Insel, rundherum abgebaggerte Flächen. Ein Wald, der zwar stehenbleibt, aber absehbar nur einen geringen ökologischen Wert haben würde und zudem von Austrocknung gefährdet wäre. Dabei lautet eine der im Januar 2019 in der Kohlekommission der Bundesregierung mühsam errungenen Empfehlungen: Es sei "wünschenswert", den Wald zu erhalten.

In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben nun acht ehemalige Mitglieder der Kohlekommission: "Bekannt gewordene Planungen von RWE, den Erhalt des Hambacher Waldes nicht durch einen rechtzeitigen Stopp der Tagebaugrenze zu erreichen, sondern den Tagebau um den Wald herum fortzuführen, sind empörend. Nicht nur widerspricht dieser Plan den jahrelangen Beteuerungen von RWE, eine solche Tagebauführung sei unmöglich zu realisieren, es bedeutet auch die mittelfristige Austrocknung des verbliebenen Waldes und die Zerstörung dahinterliegender Dörfer wie Manheim und Morschenich und der dazu gehörenden großen Bürgewälder."

RWE dementierte umgehend. In einer Pressemitteilung heißt es: "Die Überlegungen von RWE sehen für den Hambacher Forst keine Insellage vor. Eine im Internet kursierende Karte zur Umplanung des Tagebaus Hambach stammt nicht von RWE. Sie stimmt nicht mit den laufenden Überlegungen und Planungen des Unternehmens überein." Auch eine schematische Karte fügte RWE bei, auf der zu sehen ist, dass Wald nicht inmitten eines Baggerlochs stehenbleiben soll. Allerdings ist nach diesem Planungsstand zu erkennen, dass westlich des Waldes und vor allem östlich große Flächen zusätzlich abgebaggert werden sollen.

Weiterbaggern, um Böschungen zu sichern?

Die "Ortslage Morschenich", so schreibt RWE in seiner Pressemitteilung weiter, bleibe nach aktuellem Planungsstand erhalten. Die zusätzlichen Baggerarbeiten seitlich des Waldes seien aber notwendig, um Abraum zur Sicherung von Hängen zu gewinnen. "Ein wesentlicher Aspekt für die derzeitige Planung ist es, eine Insellage des Hambacher Forsts zu vermeiden", beteuert das Unternehmen.

Umweltverbände haben schon in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass der Rest des Hambacher Waldes bereits unter heutigen Bedingungen in Gefahr ist. Eine Studie im Auftrag von Greenpeace zeigte, dass der Wald vor allem unter hohen Temperaturen leidet. Der Boden im Baggerloch habe sich im Sommer 2018 auf bis zu 45 Grad Celsius aufgeheizt, die Temperaturdifferenz zwischen dem kühlen Wald und dem ungeschützem Boden habe in den Sommermonaten bis zu 22 Grad betragen. Schon heute zeige sich das "vermehrte Absterben von Bäumen, die besonderem Hitze‐ und Trockenstress" ausgesetzt seien.

Dirk Jansen vom BUND Nordrhein-Westfalen kritisiert außerdem, dass der Wald durch die geplanten Baggerarbeiten von weiteren ökologisch wertvollen Flächen praktisch abgeschnitten werde. Solche Biotopverbundsysteme seien aber für die Ausbreitung von seltenen Tierarten, darunter auch die Wildkatze, entscheidend.

Das Fazit der Experten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK): "Wenn der aufgrund seines Alters und der Waldkontinuität schützenswerte Hambacher Forst erhalten werden soll, ist dringend ein Maßnahmenbündel umzusetzen, welches die Kühlung der Landschaft um ihn herum erreicht. Hierzu gehören der sofortige Stopp des weiteren Abbaggerns des Tagebaus Hambach, die Rekultivierung und Wiederbewaldung von (ehemaligen) Straßen und auch des Kiestagebaus sowie an den Wald angrenzender Agrarflächen."