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Verbrauchertäuschung Echtes Fell wird oft als Kunstpelz verkauft: So erkennen Sie den Unterschied

Jacken mit Pelzkragen auf der Kleinderstange
Echt oder nicht? Dafür gibt es bei fehlender Deklaration nur Anhaltspunkte (siehe die Tipps am Ende des Artikels)
© Natascha / Fotolia
Wer Kunstpelz will, kauft oft - ohne es zu wissen - Haut und Haar von echten Tieren. Woran liegt das? Und wie lässt sich die Täuschung erkennen?

Pelz ist in. An vielen Kapuzen wippt flauschiges Haar, auf mancher Mütze thront ein kesser Pelz-Bommel. Sieht ja auch schön flauschig aus - und fühlt sich toll an. Und weil mittlerweile viele Menschen Wert darauf legen, dass für Modeaccessoires keine Tiere gequält oder getötet werden, gibt es sowas auch aus Kunstfasern. Aber was ist echt, was Kunst?

Im Handel, das hat ein Markt-Check des Deutschen Tierschutzbundes und der Stiftung Vier Pfoten gezeigt, wird echter Pelz oft ohne Kennzeichnung angeboten. Und das, obwohl tierische Bekleidungsteile, zum Beispiel Leder- oder Pelzaccessoires, nach EU- und deutschem Recht deklariert werden müssen: mit dem Hinweis "Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs".

Bei 49 von 63 Teilen fehlte die korrekte Deklaration

Für ihre Stichprobe gingen die Tierschützer im Dezember 2018 in 23 Geschäften und auf Weihnachtsmärkten in München und in Hamburg shoppen – und suchten dabei gezielt nach echtem Pelz. Das Ergebnis: Bei 49 von 63 Textilteilen mit Echtpelz fehlte die gesetzlich vorgeschriebene Deklaration. Verbraucher hätten so keine Wahl, ob sie Echt- oder Kunstpelz kaufen, kritisiert Denise Schmidt, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten: "Wenn eine Mütze mit echtem Pelz-Bommel als '100 Prozent Acryl' gekennzeichnet wird, ist das Verbrauchertäuschung." Der Grund dafür ist, dass gut gemachter Kunstpelz oft ähnlich teuer oder sogar teurer ist als Echtpelz, zum Beispiel vom Marderhund, der in China billig gezüchtet wird, sagt Henriette Mackensen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

Weitere Stichproben des Deutschen Tierschutzbundes im Winter 2019/2020 zeigten: Nach wie vor finden sich nicht oder nicht korrekt gekennzeichnte Produkte aus Echtpelz im Handel. Selbst in den Geschäften, die schon 2018 negativ aufgefallen waren, sei teilweise nur unzureichend nachgebessert worden, berichtet Henriette Mackensen. In anderen Geschäften fanden die Tierschützer irreführende Bezeichnungen wie "Raccoon" für den Marderhund (Raccoon Dog) oder falsche Namen wie "Marmot" oder "Murmasky".

Nicht besser ist die Situation im Nachbarland Schweiz. Dort führt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen regelmäßig Kontrollen durch. In der Saison 2019/20 nahmen die Fahnder insgesamt fast 7000 Pelzprodukte unter die Lupe. Ergebnis: In 79 Prozent aller Verkaufsstellen gab es Beanstandungen. Und mehr als ein Drittel aller Produkte waren entweder gar nicht oder falsch gekennzeichnet.

Intransparente Lieferketten

Nicht in jedem Fall steckt dahinter eine betrügerische Absicht. "Bei zusammengesetzten Kleidungsstücken wird zum Beispiel der Besatz woanders gefertigt als der Rest der Jacke. Für solche Ware gibt es dann Zertifikate, die oft schwer verständlich sind", berichtet Henriette Mackensen. "Wir haben in einem konkreten Fall auf Nachfrage ein Zertifikat aus China vorgelegt bekommen, das nicht korrekt war. In so einem Fall wird es natürlich auch für den Hersteller schwierig."

Auch Thomas Lange, Zweiter Hauptgeschäftsführer beim deutschen Modeverband Germanfashion, kennt das Problem: "So etwas kann leider passieren. Wenn Sie international beschaffen, sind Sie immer darauf angewiesen, dass die Lieferanten Ihnen das liefern, was Sie bestellt haben. Und es kommt vor, dass Zulieferer sich nicht an Verträge halten." Aber Lange schließt auch nicht aus, dass einzelne Hersteller in irreführender Absicht handeln.

Sind die Kontrollen zu lasch?

Henriette Mackensen kritisiert auch, dass die zuständigen Behörden offenbar zu wenig kontrollieren. Denn die EU-Textilkennzeichnungsverordnung gibt es seit 2011, in deutsches Recht umgesetzt wurde sie im Februar 2016. "Im Herbst 2016 dachten wir noch, das Gesetz ist einfach zu neu. Aber mittlerweile gilt es schon seit fast vier Jahren. Und geändert hat sich wenig."

Doch selbst wenn das Gesetz konsequent angewandt würde, bleibt mit dem pauschalen Hinweis auf "nichttextile Bestandteile tierischen Ursprungs" vieles unklar, kritisieren die Tierschützer. Notwendig seien daher auch Angaben zu der Art und der Herkunft des Tieres, von dem der Pelz stammt. Und zwar auf deutsch.

Noch besser sei es allerdings, ganz auf Pelz zu verzichten, sagt Henriette Mackensen.

Die meisten Kunden, das zeigt eine aktuelle Marktanalyse von Vier Pfoten, tun das bereits. Demnach lehnen 84 Prozent aller Befragten das Halten und Töten von Tieren zur Gewinnung von Pelz für die Modeindustrie ab. Und 71 von 88 der umsatzstärksten deutschen Unternehmen im Textilbereich sind heute schon pelzfrei. Behaarte Tierhaut ist out.

So unterscheiden Sie echten Pelz von Kunstpelz

  • Ziehen Sie die Haare auf voller Länge auseinander. Bei Kunstpelz zeigt sich die gewebte, textile Unterlage. Echter Pelz dagegen wird immer mit der Tierhaut gewonnen.
  • Ziehen Sie die langen Pelzhaare etwas auseinander. Zeigt sich eine feine Unterwolle, handelt es sich möglicherweise um echtes, wärmendes Tierkleid.
  • Haare von echtem Pelz sind sehr leicht beweglich. Wenn Sie sich schon in einem ganz leichten Lufthauch bewegen, handelt es sich wahrscheinlich um echten Pelz.
  • Bei schon gekauften Stücken hilft auch der Brenntest weiter: Verbrennen Sie ein paar Haare. Synthetischer Geruch deutet auf Kunstpelz hin, der Geruch von verbranntem Horn bzw. Haaren auf Echtpelz.
  • Unter der Lupe zeigt sich bei Kunstpelz übrigens, dass die Haarspitzen geschnitten, also stumpf sind. Echte Haare dagegen laufen spitz aus.

Eine hundertprozentige Sicherheit, darauf weisen Tierschutzorganisationen hin, bieten diese Anhaltspunkte allerdings nicht.

Aktualisiert am 28.10.2020


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