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Nord Stream 1 und 2 Umweltbundesamt: "Erheblicher Klimaschaden" durch Lecks in Gas-Pipelines

In der Nähe der dänischen Insel Bornholm sprudelt Methan aus einer Gas-Pipeline
In der Nähe der dänischen Insel Bornholm sprudelt Methan aus einer Gas-Pipeline
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited
In den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 wurden mittlerweile vier Lecks registriert. Die Methan-Emissionen entsprechen dem Umweltbundesamt zufolge einem Prozent der deutschen Gesamtemissionen

Die Lecks in den Pipelines Nord Stream 1 und 2 führen nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) zu einem "erheblichem Klimaschaden".

Da es keine Abschottungsmechanismen an den Pipelines gibt, wird aus den vier Lecks voraussichtlich das komplette Gas aus beiden Pipelines entweichen: also schätzungsweise 300.000 Tonnen Methan. Besonders problematisch: Methan hat eine 25-fach höhere Klimawirkung als Kohlendioxid. Das Methan aus den Pipelines wird umgerechnet etwa 7,5 Millionen Tonnen CO2 entsprechen. Das entspricht nach UBA-Angaben etwa einem Prozent der deutschen Jahres-Gesamtemissionen.

IOW: "Klimageschehen wird nicht verändert"

Zu einer anderen Einschätzung kommt das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Demnach ist die Klimawirkung der Lecks vergleichsweise gering. "Das Klimageschehen wird dadurch nicht verändert", sagte IOW-Forscher Oliver Schmale am Mittwoch in Rostock. Nichtsdestotrotz entspreche die Gesamtmenge von 500 Millionen Kubikmetern Erdgas, die nach Annahmen verschiedener Medien aus den Leitungen entweichen kann, rund 18 Prozent des Jahresausstoßes an Methan in Deutschland im Jahr 2021. Im globalen Vergleich sind es Schmale zufolge jedoch lediglich 0,06 Prozent. Das aus der Pipeline entweichende Erdgas besteht den Angaben nach zu rund 97 Prozent aus Methan.

Der Wissenschaftler will den Schaden, der vom Treibhausgas Methan ausgelöst wird, jedoch nicht kleinreden. Der Treibhausgaseffekt sei bei Methan rund 25-mal stärker als bei CO2. Durch die Anreicherung der Gase in der Atmosphäre wird von der Erde abgestrahlte Energie - die eigentlich ins All entweichen würde - wieder zurückgeworfen. Rein wissenschaftlich betrachtet würde es Schmale zufolge also Sinn machen, das entweichende Erdgas über der Wasseroberfläche zu entzünden und damit seine Umwandlung zu CO2 auszulösen. Ob dies in der Praxis gangbar ist, könne er jedoch nicht einschätzen.

Dem Mitarbeiter des Leibniz-Instituts nach dürfte sich aufgrund der mit maximal 88 Metern recht geringen Wassertiefe der Nord-Stream-Schäden auch nur wenig Methan im Wasser lösen. Im Vergleich dazu habe sich das bei der Havarie der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010 entweichende Gas aufgrund des hohen Wasserdrucks in großer Tiefe gelöst und sei über Bakterien im Wasser zu CO2 oxidiert.

Nur wenig direkte Auswirkungen auf die Umwelt

Schmale stützt zudem Aussagen der Deutschen Umwelthilfe und des Naturschutzbundes, wonach die direkten Auswirkungen auf die Meeresumwelt durch den Methan-Austritt eher lokal beschränkt sein dürften. Zwar könnte dem Wasser in der Umgebung der Lecks Sauerstoff entzogen werden, doch durch die Umwälzung der Wassermassen dürfte sich dieser Effekt der Diffusion von im Wasser gelösten Sauerstoffs in die vom Meeresboden entwichenen Gasblasen in Grenzen halten.

Der Leiter des Ostseebüros des World Wildlife Fund (WWF), Finn Viehberg, forderte dennoch einen genauen Blick: "Die Schäden für die Meeresumwelt müssen umgehend genau analysiert werden. Noch ist unklar, was die Gaslecks für die Organismen in der betreffenden Region bedeuten." Auch er verwies jedoch vor allem auf die längerfristigen Folgen für das Klima.

mit dpa

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