An Land mögen Pinguine oft tapsig wirken: Zum Fliegen sind ihre Flügel zu kurz und zu steif, auf Eisschollen stolpern die Vögel langsam voran. Doch sobald Pinguine ins Wasser gleiten, verwandeln sie sich in Hochleistungsjäger. Hochauflösende Videoaufnahmen und Sensordaten eines ukrainischen Forschungsteams liefern nun neue Einblicke in ihr Tauchverhalten – und zeigen, mit welch verblüffender Raffinesse sich Pinguine in der Tiefe behaupten.
Sie "fliegen" beim Tauchen regelrecht durch das Meer, indem sie ihre Flügel wie Tragflächen einsetzen. Subantarktische Arten, so konnte das Forschungsteam feststellen, erreichen dabei Rekordgeschwindigkeiten von bis zu 36 km/h.
Die Forschenden statteten einige Tiere für 24 Stunden mit Kameras aus, die das Tauchverhalten aus Perspektive der Vögel aufzeichneten. GPS-Sender hielten zugleich den Bewegungsradius fest. Und winzige Datenlogger, die das Verhalten der Tiere kaum stören und schadlos wieder entfernt werden können, maßen die Tauchtiefe und die Geschwindigkeit unter Wasser. So stellte das Team, das die Studie für das Norwegische Polarforschungsinstitut erstellte, bei der Auswertung aller Bilder und Daten fest: Mit bis zu fünf Flügelschlägen in der Sekunde treiben die Pinguine ihren stromlinienförmigen Körper voran. Füße und Schwanz dienen dabei als Steuerflächen – fast wie bei einem Segelflugzeug.
Pinguine erschaffen sich einen eigenen "Luftraum"
Um sich noch mehr zu beschleunigen, nutzen die Tiere eine Art Luftkissen-Trick: Sie lassen beim Tauchen gezielt kleine Luftblasen zwischen ihren extrem dichten Federn entweichen. Die Luft wirkt dabei wie ein Schmierfilm: Sie reduziert die Reibung im Wasser.
Geichzeitig regulieren sie ihren Auftrieb präzise über die Luftmenge, die sie vor dem Abtauchen eingeatmet haben. Messungen zeigen: Die Vögel nehmen nur exakt so viel Luft auf, wie sie für ihren jeweiligen Beutezug nach Krill- oder Fischschwärmen brauchen.
Dabei verfolgen sie Krill, garnelenartige Krebstiere, oftmals als Gruppe: Einige Pinguine kreisen den Krillschwarm ein und treiben die Beute dichter zusammen. Andere schießen zugleich in den Schwarm hinein.
Zwischendurch drehen die Pinguine immer wieder Pirouetten um ihre eigene Achse und säubern mit ihrem Schnabel ihr hochspezielles Gefieder: Nur ein enges, gepflegtes Federkeid isoliert lang genug vor der Kälte und ermöglicht die hohen Jagdgeschwindigkeiten beim Tauchen.
Die Daten der Forschenden sollen nun helfen, neue Meeresschutzgebiete im Südpolarmeer auszuweisen. Krill gilt als Grundlage des antarktischen Nahrungsnetzes. Mit den Videoaufnahmen ließe sich besser verfolgen, so das Forschungsteam, welche Meeresregionen für Pinguine und andere Unterwassertiere als Wanderrouten und Jagdgebiete besonders wichtig sind.