Tasmanien Auf der südlichsten Straße Australiens

148 Kilometer sind es von Hobart, Tasmaniens hipper Hauptstadt bis Cockle Creek, eine Drei-Einwohner-Siedlung im Südwesten der Insel. Autorin Julica Jungehülsing hat die südlichste Straße Australiens bereist
Auf der südlichsten Straße Australiens

Der Roaring Beach mag karibisch anmuten, doch die Wassertemperaturen sind mit bis zu 12 Grad gewöhnungsbedürftig

Die Sonne glitzert im Fluss Derwent, der in Hobart so breit ist, dass er fast wirkt wie das Meer, in das der Fluss jenseits zerklüfteter Landzungen mündet. Begrenzt von den steilen Hängen des Mount Wellington Parks auf einer Seite und dem Fluss auf der anderen ist Hobarts Zentrum nie weit vom Wasser entfernt. Moderne Büros und Geschäftshäuser säumen ein überschaubares Raster gerader Straßenzüge um den Hafen. Dutzende gut erhaltener Bauten wie Parlament, Theater und Museen erinnern an die Gründung von "Hobart Town" im frühen 19. Jahrhundert. Docks und alte Lagerhäuser sind liebevoll restauriert. Charmante Wohnviertel überziehen die überraschend steilen Hügel rundum. Zwischen hier und der 5000 Kilometer entfernten Antarktis passiert außer Lachszucht und Möwenkreischen wenig. Der Nähe zum Pol verdankt Tasmanien auch sein Wetter. "Mindestens vier Jahreszeiten pro Tag", erleben nach eigener Aussage die Einheimischen des zerklüfteten Inselbundesstaats in Australiens Süden, den sie liebevoll "Tassie" nennen. Grün ist er, felsig, umgeben von 334 kleineren Inseln und etwa so groß wie Irland. Fast die Hälfte der 520.000 Einwohner lebt in Hobart, Australiens zweitältester Stadt. Kaum verwunderlich also, dass wer von hier Richtung Süden fährt schnell mit sich und der Küstenlandschaft allein ist.

Strände und Buschland

Je länger man dem Huon Highway folgt, umso schmaler die Straße, umso kleiner die Orte. In Huonville und Franklin zwischen Hügeln und dem breiten Huon River duftet es nach frischen Äpfeln, in den Häfen schmirgeln Bootsbauer an ihren Jollen, von kleinen Holzkirchen blättert die Farbe. In Geeveston bevölkern in Holz geschnitzte Pioniere die Straßen, Wanderer biegen zu den Baumriesen der Tahune Wälder ab.

Der Highway, der hier kaum mehr den Namen Schnellstraße verdient, führt direkt nach Dover, doch ein Umweg via Police Point und Esperance Coast Road belohnt mit herrlichen Ausblicken über Meer und Küste und gibt einen guten Vorgeschmack auf die Einsamkeit des Südwestens. Kleine Abstecher von der Küstenroute enden an Stränden wie Roaring Beach, deren Sand so weiß ist, dass er beinahe blendet. Die Wassertemperatur von meist unter 12 Grad erlaubt allerdings nur Hartgesottenen einen Sprung ins Meer, Seeschwalben kreisen über der Bucht, Wittlingschwärme ziehen im klaren Meer davon.

Die letzten Orte mit Läden und Benzin sind Dover und Southport, deren Bewohner über Inseln, in weiten Buchten und die Gipfelzacken der Bergwelt blicken. Eine denkmalgeschützte Kuriosität einige Kilometer südlich von Southport ist die Ida Bay Railway, die letzte noch betriebene Busch-Eisenbahn Tasmaniens, und natürlich die südlichste Bahn des Kontinents. Dreimal am Tag rattert Lokomotive 'Beck' gen Osten durchs Buschland an einen abgelegenen Strand, von dem aus Wanderwege zu Klippen und Lagune weiterführen.

Knapp 20 Kilometer Richtung Süden führt die Straße von der Bahnstation teils durch dichten Wald, teils am Wasser entlang bis Cockle Creek. Die Bevölkerungszahl gibt das Ortsschild mit '3' an. Ein halb überwucherter Friedhof, eine Walskulptur und Schienenreste erinnern an Zeiten, in denen hier 2000 Fischer, Walfänger und ihre Familien lebten. Schwer vorstellbar angesichts der Stille und Abgeschiedenheit, die den Ort und die benachbarten Strände heute umgeben. Verloren und ein wenig wie vom Rest der Welt vergessen wirken auch die Hütten und Anleger von Cockle Creek.

Das hölzerne "End of the Road"-Schild am Straßenrand könnte auch "End of the World" heißen. Der Horizont wirkt weiter als anderswo, der Ozean endlos. Kühle Luft erinnert daran, dass die klar blauen Buchten nur 5000 Kilometer Ozean vom Südpol trennen.

Endstation bedeutet Cockle Creek jedoch nur für Fahrzeuge. Erfahrene Wanderer machen sich von hier aus durch Tasmaniens südwestlichen Nationalpark auf nach Melaleuca. Oder sie kommen nach neun Treckingtagen durch Wald und Wildnis in Cockle Creek an – nach einem echten Abenteuer am südlichsten Zipfel Australiens.

Auf der südlichsten Straße Australiens

Denkmalgeschützt und klein, die südlichste Bahnstation des australischen Kontinents: Ida Bay Railway

Informationen und Lesetipps

Webseiten

Weiterführende Informationen zu Tasmanien liefert die Webseite www.discovertasmania.com.au, speziell mit dem Süden der australischen Insel befasst sich http://farsouthtasmania.com. Wer mit der Ida Railway fahren möchte, findet Fahrzeiten und Kontaktdaten unter www.idabayrailway.com.au.

Wandern

Der South Coast Track ist ein 82 Kilometer langer Hike für Hartgesottene, in 9 Tagen auf eigene Faust (nur erfahrene Wanderer) oder als organisierte Tour. Ab Cockle Creek macht die erste bzw. letzte und einfachste Etappe bis South Cape Bay auch als Tageswanderung Spaß, www.southcoasttrack.com.au.

Lesen

Der wilde Süden Tasmaniens hat bereits einige Schriftsteller inspiriert, zwei Bücher empfiehlt unsere Autorin als Reiselektüre.

The Life of Deny King, Christobel Mattingley, Penguin (Englisch)

Die beeindruckende Lebensgeschichte von Deny King, der 55 Jahre lang in Melaleuca, mitten in der Wildnis des Südwestens lebte. Als Selbstversorger wohnte er jahrelang allein, später mit seiner Frau und zwei Töchtern in der zerklüfteten, wilden Region, in die keine Straße führt. Er baute sein eigenes Rollfeld, segelte um die Küste, war Umweltforscher, Naturschützer und Entdecker zugleich. Ein fesselndes Buch über einen ungewöhnlichen Menschen.

Jenseits der Untiefen, Favell Parrett, Hoffmann und Campe

Drei Brüder wachsen an der tasmanischen Küste auf, wo Strand und Meer ihre Schicksale prägen. Sie kämpfen mit Ozean und Wellen, ihrem schwierigen Vater, den eigenen Sehnsüchten. Die junge tasmanische Autorin schreibt in schnörkellosen, einfachen Sätzen, ihr Stil geht in der Übersetzung zum Glück nicht verloren. Der fesselnde Erstlingsroman erzählt nicht nur eine Familiengeschichte, sondern fängt zugleich die Stimmung an Tasmaniens einsamen Küsten gut ein.

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