Barranco del Agua

Reisetipp

Aktivurlaub, Natur- & Outdoor-Tipps

Barranco del Agua

Barranco del Agua: 4 Sterne bei 1 Bewertung

Das erlebten unsere Mitglieder

  • Barranco del Agua: Bewertet mit 4 Sternen
    p4t4r 17.03.11

    La Palma intensiv

    Erreichbarkeit: Von Santa Cruz über Puntallana nach Los Sauces. Dort, vor der großen Brücke, links abbiegen nach Los Tilos. Dort parken.

    Zeitaufwand: Ca. 3 Stunden


    Die immergrüne Kanareninsel La Palma hat für naturinteressierte Touristen sehr viele kleine und große Wunder in allen möglichen Facetten zu bieten. Die Brandungsbuchten, die Vulkane, den Wolkenwasserfall, Lavaströme, Höhlen sowie üppige Vegetation in sehr mildem Klima sind nicht zuletzt namensgebend für dieses paradiesische Eiland.
    Die alpinen Aspekte dieser Insel kommen oft erst später zum Vorschein. Der Last-Minute-Tourist, der sich zumeist nur oberflächlich vorab informiert, wird überrascht sein welch unglaubliche Vielfalt die Landschaft von La Palma zu bieten hat. Wo sonst hat man schließlich Hochgebirge und Meer so dicht zusammen, oft auf nur einen Blick? Für Festland-Europäer ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wo man möglicherweise nur Strand und Palmen erwartet hat, sind plötzlich auch hohe Berge, was das Spektrum der Urlaubsaktivitäten um ein Vielfaches erweitert. Dass diese Insel vor allem für Wanderer hervorragende Ziele zu bieten hat, bleibt in vielen Touristik-Prospekten unerwähnt. Darum ist es stets empfehlenswert, sich vor der Reise ausreichend zu informieren.
    Eine der reizvollsten Möglichkeiten, den Geheimnissen dieser Insel nahe zu kommen, sind Wanderungen durch die zahlreichen Barrancos. Barranco ist hier die allgemeine Bezeichnung für die Bäche und Bachläufe, die zumeist trocken liegen. Die Insulaner brauchen das Wasser verständlicherweise für sich und leiten es deshalb in Rohre und Kanäle. Manche dieser Bachläufe, die oft sehr tief eingeschnittene Schluchten gebildet haben, sind nur deshalb begehbar, weil sie weitgehend trocken gelegt wurden.
    Die vielleicht schönste Wanderung dieser Art auf La Palma führt durch den Barranco del Agua. Schon die Anfahrt nach Los Tilos stimmt ein auf das gewaltige Naturerlebnis, das den Besucher erwartet. Die Brücke an der Ausmündung der Schlucht ist mit 357 Metern die längste Bogenbrücke Spaniens. 150 Meter über dem Abgrund queren die Autofahrer hier ein Tal, dessen Schönheit leider nur all zu vielen Touristen verborgen bleibt. Die Weiterfahrt durch die tiefe Schlucht steigert die Neugier allmählich aber stetig in ungeahnte Höhen. Mit immer größer werdenden Augen nimmt man die dichte Vegetation, die Tiefe der Schlucht und die intensiven Farben wahr.
    Bei Los Tilos schließlich kann man zunächst das Naturkundemuseum besuchen. Die Erläuterungen sind jedoch nur in spanischer und englischer Sprache gehalten. Zusätzliche Informationen in deutscher Sprache wären wünschenswert.
    Die anschließende Wanderung weiter bergwärts durch die sich zur Klamm verengenden Schlucht ist eines der größten Inselabenteuer. Anzuraten sind hierfür lange Hosen, festes Schuhwerk, Wanderstöcke, Regenschutz und, vor allem, Umsichtigkeit. Zunächst erreicht man den Wasserfall am Klammeingang. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um Überschusswasser aus einer Rinne, was man jedoch erst auf den zweiten Blick erkennt. Vorbei am Wasserfall steigt man weglos über Gestrüpp durch die erste Engstelle. Bald hört man lautes Rauschen. Ein Bach tost steil durch eine Holzrinne und verschwindet in der Klammwand. Hier wird das Weiterkommen durch Drahtseile, die man allerdings erst finden muss, erleichtert. Dabei muss man natürlich auch daran denken, dass dies später auch der Rückweg sein wird. Das Weitergehen kostet also immer etwas Überwindung, doch richtig gefährlich könnte hier allerhöchstens der Steinschlag sein, der hier bei entsprechender Witterung droht. Doch der sich Überwindende wird immer aufs Neue überwältigt sein von den Regenwaldszenerien, die sich ihm in dieser Schlucht offenbaren. Dunkle Engstellen wechseln sich ab mit unglaublich grünen Weitungen. Magisch lockt die Neugierde in den Bann der Unheimlichkeit des Halbdunkels, das so manche Gestalten lebendig werden lässt. Was, wenn plötzlich eine Python den Wanderer umschlingt? Oder ein gefleckter Jaguar fauchend gegenüber zum Sprung ansetzt? Man hofft, dass dann ein lendenbeschurzter Waldmensch sich an einer Liane hängend in die Schlucht schwingt und mittels elefantöser Stimme die Bestien verscheucht. Dann verbleiben aber immer noch die Hexen, Riesen, Drachen usw., die man allesamt selber vertreiben muss. Da diese Ungeheuer allerdings jeder in sich selber trägt, kann er sie, vor allem an Orten wie hier, leicht besiegen.
    Der Umkehrpunkt dieser Wanderung befindet sich in einem Felsenkessel, in den ein Gerinne rieselt. Daneben befindet sich eine kleine Höhle, die man mit einer Taschenlampe erkunden kann. Doch Vorsicht: Viele Wanderer haben ihre persönlichen Gespenster schon in diese Höhle gescheucht. Man sollte sich ruhig verhalten, damit man sie nicht weckt.
    Ruhe und Andacht gegenüber der Natur, aber durchaus auch Freude und Lebenslust sind die überwältigendsten Gefühle, die wir hier, am Ende der Welt, empfinden können. Mögen wir uns davon möglichst viel bewahren.

    Bilder von p4t4r zu Barranco del Agua

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Barranco del Agua 4.00 1

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