Artenkunde der Reiseleiter

Reisetipp

Allgemeine Hinweise & Reisevorbereitungen

Artenkunde der Reiseleiter

Artenkunde der Reiseleiter: 3 Sterne bei 2 Bewertungen

Das erlebten unsere Mitglieder

  • Artenkunde der Reiseleiter: Bewertet mit 5 Sternen
    akriegelstein 04.02.09

    Wie wir sind...

    Zuallererst: wenn hier von Begleitern, Leitern und Gästen die Rede ist: bitte dazudenken, dass es natürlich ebenso Begleiterinnen, Leiterinnen und Gästinnen gibt - oft sind das die besten ;-) Nur Väter werden sie eher selten - Typ 6 hingegen sehr wohl (s.u.).

    Zuerst: es gibt Reisebegleiter und Reiseleiter.
    Reisebegleiter besuchen Hotels, manchmal Gäste, und verkaufen Ausflüge. Reiseleiter machen aus Gästen Reisende und aus Reisen Erlebnisse.

    Vorweg: dass sich Reisende jemandem anvertrauen, der ihnen vorerst wildfremd ist, und der sie durch den Louvre, das Innere von Laos oder von westgotischen Kirchen in den Pyrenäen führen soll, ist ein nicht enden wollendes Wunder. Zum Glück für die Reiseleiter gibt es solche Menschen. Zum Glück für diese Reisenden gibt es Reiseleiter. Und zum Glück für den Louvre, das Innere von Laos und westgotische Kirchen in den Pyrenäen gibt es die so oder so.

    Natürlich gibt es Guides, die drei Prinzipien huldigen: Kirchen von außen, Berge von unten, Wirtshäuser von innen. Aber es gibt auch die anderen. Doch wo Menschen ans Werk gehen, gibt es Verschiedenes. Noch einmal: zum Glück. Hier eine Auswahl:

    Artenkunde der Reiseleiter:

    Typ 1: Die Rampensau: verwechselt die Aufgabe mit einer Mischung aus militärischen Exerzitien und Getoastetwerden im Scheinwerferlicht. Vom Anbeginn der Reise ist klar: hier ist der Boss. Arbeitet im Winter als Schilehrer. Laut, herrisch, selbstbegeistert. Manche brauchen so jemanden. Sensible Naturen sollten sich fernhalten.

    Typ 2: Der Entertainer: kennt den Unterschied zwischen ortsüblichen Hydranten und manuelinischen Portalen mehr vom Hörensagen und nicht auf den ersten Blick. Spricht gerne jeden an, aber nicht unbedingt fremde Sprachen. Kennt alle Witze mit Vor- und Zunamen, auf tausend Meter und mit Stammbaum. Andere Stammbäume weniger, aber kennen Sie den: „…“? Kramt spät an der Bar gerne zufällig eine Gitarre hervor. Lässt sich nicht lange bitten.

    Typ 3: Die Angewandte Eigentherapie: wurde immer schon von allen missverstanden und hat endlich ein weites Betätigungsfeld gefunden – die Welt. Verpackt Eigenbrötlerisches und bedenkliche Psychosen in das Vorrecht einer sehr individuellen Persönlichkeit. Lässt andere am eigenen Leben Anteil haben, und zwar ausgiebig, und zwar hallo! Motto: meine Couch ist mein Sitzplatz rechts vorne. Lässt sich sehr bitten.

    Typ 4: Das Händchen fürs Geld: betrachtet Flugzeuge und Autobusse als Mischung zwischen Füllhörnern und Eier legenden Wollmilchsäuen. Was ihn interessiert, hat auf einer Preistabelle Platz. Bekommt sogar von Mc Donald’s Provision, auch wenn nur die Toiletten benutzt werden. Reiseprogramme sind Shopping-Touren, Städte Einkaufszentren und Kunden Opfer. Anatolische Teppichhändler genieren sich hin und wieder für sie. Schweizer Schmuck- und Uhrenmanufakturverkäufer nie.

    Typ 5: Der Professor: hat dreiundzwanzig Semester Soziologie und Psychologie studiert, was ihn auf Reisegruppen in absolut keinster Weise vorbereitet hat. Wird vom Organisieren einer Kaffeepause heillos überfordert und versteckt sich in der Tankstelle neben dem Rasthaus. Trägt auch in den Tropen Krawatte und gerne vor. Macht Frauen mit unverfänglichen Gesprächen über das Dorische Eckproblem scharf. Liebt Rodins „Denker“. Hassobjekt aller Buslenker.

    Typ 6: Das mobile Beziehungschaos: kann sich nicht so recht festlegen. Tröstet gerne über etwas hinweg, nur nicht über verpasste Gelegenheiten. Kann so gut zuhören und ist so verständnisvoll. Ist multipel geschieden, immer wieder verblüfft Vater geworden und inflationär versprochen. Verbringt die Freizeit mit dem Abgleichen von Handynummern und Flugplänen und auf der Flucht. Arbeitet häufig mit Typ 1 in Kitzbühel. Lieblingslied: „I Wanna Hold Your Hand“. Lieblingsbuch: "Vatsyayana Kamasutra". Lieblingsfilm: „The Day After“.

    Typ 7: Der Künstler: eigentlich malt/fotografiert/komponiert/schreibt er ja. Heutzutage kann man von so was halt leider nicht leben (*seufz*). Muss daher um schnöden Mammon ignoranten Touristen die Welt erklären. Könnte sich stundenlang zuhören. Kann alles interpretieren, vor allem miß-. Fühlt sich den Musen näher als der Erde, den Wenigen vertrauter als der Herde. Dieses Gefühl wird nicht erwidert.

    Typ 8: Der Polyglotte: sammelt Städte, Sprachen und Stammlokale wie andere Bierdeckel. Spricht als einziger lebender Mensch noch (unabsichtlich) Esperanto, behauptet aber, es handele sich um Russisch/Schwedisch bzw. Spanisch. Kann Speisekarten aus zwölf Idiomen übersetzen und bevorzugt den Roten (Restaurant-) Michelin entschieden dem Grünen (Reiseführer). Kennt Kellner, Maîtres d’ und Rezeptionistinnen auf sieben bis acht Kontinenten. Heimat: los.

    Typ 9: Das Helfersyndrom: trägt fremde Koffer und schwer am eigenen Schicksal. Tauscht bis in die Morgenstunden (dieselben zwei) Zimmer von Gästen aus und hat für alles Verständnis. Kostet vor, läuft nach und geht irgendwann unter. Überspielt mangelnde Ortskenntnis mit jovialer Schleimerei. Lebt vom und vor allem fürs Trinkgeld. Begleitet auch aufs Örtchen, wenn’s sein muss. Ist eigentlich auch eher Begleiter. Hassobjekt aller richtigen Reiseleiter.

    Typ 10: Das Genie: kennt jedes Marterl am Wegesrand, jede Kathedrale an ihrem Schattenriss bei Gegenlicht, spricht und versteht wirklich sieben Sprachen und die eigene fehlerfrei, hat Psychologie, Kunstgeschichte, Theologie, Semiotik und Ethnologie studiert. Und verstanden. Und kann das anwenden bzw. weitergeben. Kann Karten lesen statt legen und nimmt Menschen ernst, aber gelassen. Begegnet Fremden vorurteilslos und Vorurteilen befremdet. Hat Humor, gibt ihn jedoch sparsam weiter. Ist sich der Notwendigkeit zu Schauspielerei bewusst, aber auch der Tatsache, nicht Hamlet zu sein. Nimmt sich gern zurück, aber auch ein Recht auf eine eigene Meinung. Naher Verwandter des Yeti und ähnlich häufig anzutreffen.

    (c) Alexander Kriegelstein, http://alex.meinblog.at

    Bilder von akriegelstein zu Artenkunde der Reiseleiter

  • mosaik (RP) 04.02.09

    Reiseleiter sind auch nur Menschen

    Nun bin ich mir nicht ganz klar, ob der Verfasser dieses Beitrags selbst jemals Kontakt mit Reiseleitern gehabt hatte. Und wenn ja, die Frage: in einem all-inclusive-Club oder auf einer Kulturreise oder beim Clubausflug im Bus?

    Ein Nachlesen in seinem Profil hat mir gezeigt, auch er ist ein Reiseleiter. Was nun die Beurteilung dieses Beitrags noch komplizierter macht.

    Ich mache seit 1984 Reiseleitungen und sehe den Beitrag naturgemäß einerseits mit einem Schmunzeln, andererseits mit einem Kopfschütteln.

    Das Schmunzeln, weil der kleine Maxi so die Person Reiseleiter vielleicht sieht oder gerne sähe. Vielleicht auch, weil Maxi der Meinung ist, er, ja er wäre wohl der geborene Reiseleiter und weiß wo der Hase langläuft.

    Mit einem Kopfschütteln: üblicherweise bekommt ein Reiseleiter zwischen € 70.-- und € 100.-- Euro pro Reisetag für Essen, das nicht im Pauschalpreis für die Gruppe inkludiert ist, für seine Kleidung, die sich im Laufe eines Jahres deutlich mehr abnützt als die der Touristen, für seine Vorbereitungszeiten sei es das Studium gewesen, das Einlesen ins Reiseland, das Kaufen von Führer oder anderem Material, für 24 Stunden ich-bin-da-für-alle-Fragen, für die Unmöglichkeit von Erfüllung mancher Wünsche, für die Uneinsicht vieler Kunden, die meinen, mit einer 99-Euro-Reise auch gleich einen persönlichen Reisebegleiter gebucht zu haben...

    Mehrere Hundert Reiseleitungen in die verschiedensten Länder der Welt haben mir gezeigt, dass jedem Recht getan eine Kunst die niemand kann, ist. Reiseleiter haben prinzipiell kein Recht auf eigene Persönlichkeit - und wenn sie jene haben, dann zum Gelächter, Gespött oder Verhöhnung vieler Reisender. Reiseleiter haben auch kein Recht für schmale Zeit für sich selbst - sie werden ja bezahlt (€ 100.-- mal fünf Reisetage = € 500.-- dividiert durch 25 Personen macht € 20.-- pro Person für fünf Tage, macht € 4.-- pro Tag, macht wie viel bei 8 - 10 - 12 - 14 - 18 Stunden? Wer arbeitet noch um diesen Stundenlohn? Aufzeigen! Aha, Stille!).

    Keine Frage, es wird bessere und schlechtere geben. Die schlechteren werden weiter machen, weil es ihnen sowieso wurscht ist. Die besseren werden aufhören. Werden sich sagen: habe ich das not?

    Ich möchte ein wenig aufrütteln zum Nachdenken über diesen Beitrag. Der Urheber mag ihn komisch ironisch verstanden haben, Betroffene, wie ich, denken, es wird wohl besser sein, dieses Feld den Komiikern unter den Reiseleitern und Kunden zu überlassen und sich dezent und still zurück zu ziehen. Zu Grinsen und zu Genießen, während die Horde hinter einem der beschriebenen Typen herhastet und von Land und Leute eben so viel mitbekommen, wie sie bezahlt haben - 99 Euro....

    meint
    Peter

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