Reisebericht

Reisebericht: Peru

 
 
 
 
 
Reisebericht: Peru

Von schwimmenden Inseln, kulturellen Höchstleistungen, Erdbeben, Booten aus Schilfrohr, Spielvergnügen und nackten Hunden.

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Schwimmende Inseln

6 Stunden dauert die Fahrt von La Paz nach Puno in Peru, sechs Stunden, in denen wir unser Gepäck keine Sekunde aus den Augen ließen. Das Grenzgebiet und die Strecke über Cocacabana sind ein Mekka für Taschendiebe und ein Alptraum für Reisende. Von allen Geschichten, die wir gehört hatten, war folgende sicher eine der Interessantesten. Drei junge Touristen sind mit dem Nachtbus von Peru nach La Paz gefah-ren. Sie hatten ihren kleinen Rucksack zwischen die Beine gestellt und zusätzlich zur Sicherheit am Sitz angekettet. Als sie wieder aufwachten, waren ihre Kameras verschwunden, an den Rucksäcken jedoch kei-ne Schäden festzustellen, ja selbst der Reißverschluss war noch ganz verschlossen. Ein Engländer aus demselben Bus wusste zu erzählen, dass er das Gefühl hatte, ihm hätte im Schlaf jemand unter seine Decke gefasst. Er machte eine Handbewegung und alles war wieder in Ordnung. Ein anderer berichtete, dass im Mittelgang eine dunkle Gestalt gelegen und geschlafen hätte. Immer, als er in der Nacht aufwachte, wäre diese Gestalt weiter nach vorn gerobbt und irgendwann ganz verschwunden gewesen – und mit ihr wahr-scheinlich auch die Kameras! Endlos sind diese Geschichten und die Diebe scheinen so schlau und dreist zu sein, dass eine Reise ohne Zwischenfälle manchmal als reine Glücksache erscheint. Wir denken zum Beispiel an unseren französischen Freund Jean-Sebastian, der nun schon etliche Jahre in Peru lebt und die ganzen Geschichten und Tricks der Betrüger eigentlich kennt. Theoretisch zumindest! Und doch, auch er ist mit einer Bekannten nach Bolivien gefahren, wurde von einem Polizisten gestoppt, „Drogenkontrolle“ hieß es. Der Polizist beschlagnahmte die Kamera, das Geld und alle anderen Wertgegenstände, teilte Jean-Sebastian mit, dass er seine Sachen in einigen Stunden im Polizeirevier an der und der Adresse abholen könne. Jean-Sebastian war zum verabredeten Termin da – vom Polizist, vom Revier und von seinen Wert-gegenständen fehlte jedoch jegliche Spur. Was dagegen hilft? Aufmerksam sein, Aufmerksam sein, Auf-merksam sein! Die Geschichten der anderen Reisenden ernst nehmen, daraus lernen, versuchen, seine Sache etwas besser zu machen und vor allem ganz viel Glück haben!
Wir erreichten die peruanische Grenze, unseren Aus- und Einreisestempel hatten wir innerhalb von 10 Minu-ten, doch dann mussten wir ziemlich lange auf unseren Bus warten. Da standen wir nun zu Dritt in diesem dreckigen und runtergekommenen Moloch, bewegten uns keinen Zentimeter, drückten unsere Taschen nur fest an die Brust. Verstecken kann sich hier niemand, Gringo bleibt Gringo, und so beobachteten wir einfach aus halbwegs sicherer Entfernung das rege Treiben auf dem Marktplatz. Ein großer Brunnen befindet sich auf dem Platz, links davon sitzen die Geldwechsler an ihren kleinen hölzernen Tischen, dahinter sind die größeren Wechselstuben. Rechts vom Brunnen führt die Strasse weiter Richtung Puno, Menschenmassen schieben sich hier entlang, Essensstände bieten frittiertes Hühnchen an. Es ist laut und geruchsintensiv, Dreiräder mit riesigen Batman-Bannern auf der Rückseite ihres Wägelchens kutschieren die Menschen von der peruanischen zur bolivianischen Seite und umgekehrt. Unser Bus ist wieder repariert und um 14 Uhr erreichen wir Puno, 3.800m hoch am Ufer des Tititcacasees im Süden von Peru gelegen. Die Gegend, be-sonders die ländlichen Gebiete wirken extrem ärmlich, ganz anders als in Bolivien, viel hilfloser, Holzhütten werden hier zu winzigen Lehmhütten, statt auf Friedhöfen befinden sich die Gräber hier direkt hinterm Haus.




 
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Kommentare
  • the-pulse 08.08.2008 | 18:56 Uhr

    Das Bild auf der 2. Seite oben würde ich auf die erste schieben ;)

  • Bolivianer 11.08.2008 | 10:36 Uhr

    Hallo !
    Hier kommt keine Protestmail, sondern eine Anmerkung ! Euer Bericht ist gut, aber ich bedenke immer: Nach 516 Jahren Plünderung, Ausbeutung, Unterdrückung, Elend, Armut und Not nehmen sich die Habenichtse nun etwas von unserem Reichtum. Wir, die wir uns solche phantastischen Reisen leisten können, sind sehr reich - und ausserem sind die gestohlenen Sachen doch sowieso versichert !!!
    Und die Kirche ? Oben sicherlich erzkonservativ und reaktionär, aber unten habe ich sehr viele engagierte Priester und Bischöfe kennengelernt, die alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Armen zu helfen und ihre Not zu lindern. Vorbild ist für mich der Jesuit Luis Espinal, der mit den Armen in La Paz lebte und arbeitete und darum von einer reaktionären Regierung verhaftet, gefoltert und ermordet wurde.
    Und wie ergeht es dem Präsidenten Evo Morales, Aymará, der verzweifelt versucht, die Lage der indigenen Mehrheit in Bolivien zu verbessern, aber auf den erbitterten Widerstand der (weissen) Mittel- und Oberschicht stösst ?
    Ich kann nicht nach Lateinamerika reisen, ohne mir die Geschichte und die politische Situation bewusst zu machen, um die Lage der Menschen zu verstehen.
    Alles Andere ist hochnäsiger, weisser, europäischer Dünkel.
    Gratulation zu den guten, ausgewählten Fotos !

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