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Reisebericht: Papua Neuguinea
Es gibt immer 2 Seiten entweder man sagt Mist heute klappt nix oder .......
Ich nenne meinen Reisebericht „Glück gehabt“
Ein ganz normaler Reisetag von Wanema indonesische Seite nach Vanimo unabhängige Seite von Papua Neuguinea.
Es ist einer der vielen Tage in Papua Neuguinea, an dem man aufsteht und denkt hoffentlich überlebt man diesen Tag ;-) ohne großartiges Chaos. Also nach einem harten 5-tägigen Trekking Trip in Irian Jaya war ich auf dem Rückweg nach East-Papua den unabhängiger Teil, zu dem Grenzübergang den ich vor ca. 2 Wochen schon mal überquerte.
Morgens wollte ich eigentlich den 1. Flieger von Wanema nach Jayapura nehmen und hatte mir vorgestellt den ganzen Tag genug Zeit zu haben um gemütlich am Nachmittag in Vanimo anzukommen, wo am nächsten Tag mein Flieger nach Mount Haagen gehen sollte (aber nur sollte, das ist aber eine andere Geschichte ). Der Flieger kam natürlich nicht pünktlich. Am Anfang war gar nicht klar, ob er überhaupt kommt. Nach x-Mal nachfragen und keinen Antworten, hörte ich dann ein Brummen, dass auf ein Flugzeug schließen lies. Genial es kam und war auch noch meins..., nach 1,5 Stunden Verspätung, (aber wenn man an TuiFly denkt ist das ja immer noch ganz gut). Flug war in Ordnung und die Maschine sogar nicht älter als 20 Jahre. Was will man mehr und angekommen bin ich auch samt Gepäck. Also erste Etappe top.
Angekommen auf dem Flughafen Sentani (ca. 1 Std. außerhalb von Jayapura). Jetzt die Suche nach einem Taxi, das mich dahin fährt wohin ich auch will und alles für einen anständigen Preis.
Ich hatte von Minibusse gehört, die für ein paar Euro fahren, aber die waren nirgends, nur sehr viele teuere Taxis, die mich alle fahren wollten. Ich dachte mir, jetzt war ich schon 5 Tage Hardcore-trekken, jetzt kannst auch ein bisschen rumlaufen und nach einem günstigeren fahrbaren Untersatz schauen. Oben an der Hauptstrasse fand ich dann viele Busse, aber alle fuhren sie woanders hin. Dann sagte mir ein sehr netter indonesischer Junge, dass ich an der falsch Straßenseite stehe und die Busse um die Ecke stehen. Endlich fand ich dann einen Bus der zumindest angab bis nach Jayapura zu fahren. Und ich war happy, dass es weiterging. Immerhin war schon viel Zeit ins Land gegangen und ich hatte gerade mal das erste Ministück geschafft. Ich musste nämlich noch auf die Indonesische Botschaft, mir meinen Ausreisestempel holen und auf die Botschaft von Eastpapua , um mir die Einreiseunterschrift zu holen. Die Unterschrift hätte ich mir zwar schon bei der Einreise holen können, aber ich war Mittags um 13:00 Uhr schon zu spät dran und der Büroangestellte hatte keine Lust mehr wieder zu kommen. Man sagte mir, ich könne das machen wenn ich zurückkäme, das an diesem Tag also mein Rückreisetag), den ich vorher schriftlich angeben musste , ein Public-Holiday Tag war sagte mir aber niemand.
Ok, aber ich saß bis dahin ja noch im Bus. Der hielt dann an einer Ortschaft und ich musste aussteigen, da der Fahrer die ganze Stecke nicht fahren wollte, weil ich die einzige war die da hin wollte und ich sollte mir doch einen anderen Bus mit mehr Leuten suchen. Naja er half mir dabei einen andern Bus zu suchen und es ging eigentlich sehr zügig weiter. Der fuhr direkt zur indonesischen Botschaft ich ging rein, holte meinen Stempel und war in 5 Minuten wieder draußen und freute mich, wie ich doch die Zeit reinholte....., suchte mir ein Taxi, dass mich dann zur Botschaft von EastPapua bringen sollte und danach sofort weiter zur Grenze. Die Botschaft war etwas außerhalb und auch schon auf dem Weg zur Grenze. Ich wusste wie das Haus aussah und starrte die ganze Zeit nach links, es musste doch jetzt gleich kommen..... Aber wir waren schon viel zu weit. Konnte mir gar nicht vorstellen warum ich es nicht fand. Nach 3 x hoch und runter fahren sah ich dann das kleine Schild. Alles war verschlossen und die Fahne hängte nicht draußen. Ich dachte mich tritt ein Pferd. Wie sollte ich ohne diese dumme Unterschrift über die Grenze kommen. Mir lief die Zeit davon und ich sah mich schon in Indonesien hängen bleiben. Dann nervte der Taxifahrer, dass er jetzt das ganze Geld haben wollte und ich gesagt hatte er könne mich an die Grenze fahren.
Aber ohne Stempel .....immerhin 2,5 Std. Fahrt. Ich sagte ihm dass er ein paar Dollar bekommt, aber ich nicht weiter kann. Dann wollte er mir meinen Rucksack nicht mehr geben oder ich soll ihm das ganze Geld geben. Naja, erpressen .... nicht mit mir und da bin ich grantig geworden. Und wenn 2 Asiaten miteinander streiten ist das an Dickköpfigkeit nicht zu überbieten. Jedenfalls in einem Moment, an dem er sich über mich bei seinen Landsleuten negativ auslies, packte ich meinen Rucksack und setzte mich drauf. Er wollte dann richtig doof werden, aber nach einer etwas lauteren Auseinandersetzung mit Androhung der Polizei war’s dann gegessen. Aber deswegen hatte ich immer noch keine Unterschrift. Auf einmal kam ein älterer Mann zu mir, das Hemd über der Brust durchgeblutet, einen nicht mehr vollständiger Verband hing lose drumherum. Erst bin ich erschrocken und starrte ihn an..., er sprach mich an, was ich den hier suchen würde. Ich war so sprachlos vom Anblick und er sagte, er wolle mir helfen. Ich sagte, dass ich so langsam in Druck komme und diese Verflixte Unterschrift bräuchte, war schon nahe daran selber mein Einreisevisum zu unterschreiben. Er meinte, das würde sehr gefährlich sein, aber er kenne den Konsul. Ich dachte ich höre nicht recht, ein schwer verletzter Mann aus dem Nichts, der den Konsul von EastPapua kennt. Unbegreiflich!!! Aber da sowieso alles egal war, sagte ich ok und wir zogen los. Er besorgte ein Taxi und wir fuhr und fuhren aber nicht in Richtung Grenze sondern in die andere Richtung, aber die Gegend wurde dafür sehr gut. An einem tollen Haus stiegen wir dann aus und er tratschte mit dem Gärtner, der dann sagte der Konsul wäre ( weil Public Holiday) mit der Familie in der Stadt unterwegs und er wüsste nicht wann er wieder kommt. Na klasse inzwischen war es schon nach 2 Uhr und die Zeit war gegen mich..... Mein Schutzengel wie ich diesen Mann jetzt nannte, sah mich an und meinte er kenne noch den Oberkonsul und ich (nach den ersten unterdrückten Wutanfällen, die sowieso nichts brachten), sagte:“ ok fahren wir halt zum Oberkonsul und dachte kann ja nicht noch schlimmer werden. Wir fuhren weiter,...... wieder sehr gute Wohngegend und eine Fahne...,es war das Haus des Oberkonsuls. Und nach einigen Klingeleien und bellen von Hunden kam eine sehr imposante Erscheinung aus dem Haus. Mein Engel erklärte ihm die Situation und ich durfte in sein Haus eintreten. Nachdem ich ihm die ganze Geschichte erzählt hatte, sagt er ich bekomme die Unterschrift und solle mich aber beeilen, an die Grenze zu kommen, da diese um 17:30 Uhr schließen würde. Man war ich froh und konnte es fast nicht glauben, dass ich jetzt meine Unterschrift hatte. Flugs sprach mein Engel mit dem Taxifahrer und handelte einen super Preis für mich aus. Ich bestach ihn dann noch um mich schnell und ohne anzuhalten an den Militärstützpunkten vorbeizufahren und er willigte ein.
Meinem Schutzengel fragte ich dann, wo er denn hinwollte, weil es mir vorkam, dass er jetzt bald zusammenbrechen würde. Er wollte nirgends hin und ich Verband ihm noch mit dem Nötigsten damit die Wunde wenigsten sauber war. Er bezahlte alles obwohl ich das nicht wollte und war auf einmal weg. Ich konnte das alles gar nicht richtig wahrhaben, aber es war so und egal ob es jetzt kitschig klingt glaub ich an (Schutzengel) und bedankte mich mal wieder richtig artig mit einem blick nach oben.
Also mit einer Geschwindigkeit, die das Auto gerade noch so aushielt rasten wir Richtung Grenze, an allen Militäreinrichtungen vorbei und ich setzte mich brav auf den Boden, damit mich nicht zu allerletzt doch noch jemand anhielt. Der Fahrer war sehr gut und wir kamen 17:10 Uhr am Grenzübergang an. Ich verabschiedete mich von meinem Fahrer und wollte zielstrebig auf die andere Seite um sofort gestoppt zu werden. 2 Soldaten stellten sich mir in den Weg um mir zu sagen, dass die Grenze seid 10 Minuten geschlossen ist und ich wieder nach Jayapura zurückfahren muss. Ich glaube wenn ich nicht so dunkel wäre hätte mein Kopf die Farbe einer roten Ampel bekommen. Jedenfalls starrte ich die 2 an, als ob ich nicht richtig gehört hätte und meinte dann dass ich auf jeden Fall nicht zurückfahre werde, sondern dann hier schlafen würde. Das war nicht unbedingt das was sie hören wollten und wurden etwas ungehalten. Ich sagte ich habe alles für die Ausreise und meine Papiere wären in Ordnung und ich würde jetzt gehen. Dann packte einer der Soldaten mich am Oberarm und wollte mich festhalten, das war der Start um mein Hirn auszuschalten und einen asiatischen Wutanfall zu bekommen. Ich riss mich los und stieß ihn zurück und warnte ihn mich anzufassen, daraufhin meinte er wenn ich dir Grenze überquere würde er mich erschießen ...ohne Hirn schrie ich ihn dann an: shoot me ass.... und rannte mit Gepäck in einer genialen schnellen Geschwindigkeit (Schneckentempo mit Gepäck) in den Niemandslandstreifen und wartete, dass es zumindest an den Füßen oder Ohren gleich hagelte, aber es blieb ruhig.
Etwas durch den Wind und nassgeschwitzt, kam ich auf der anderen Seite an wo ich auch wieder erstaunt angeschaut wurde, vielleicht weil ich heil durchkam. Jedenfalls war ich drüben, bekam gleich meinen Einreisestempel und freundliche Worte. Das ich doch Glück gehabt hätte ;-).......Aber der Tag war ja noch nicht zu Ende. Ich war zwar auf der anderen Seite, aber es war zu spät, kein Bus fuhr mehr nach Vanimo. Und zum Laufen war’s zu weit und morgens war’s zu knapp da mein Flieger schon um 10 Uhr nach Wewak startete.
Na gut nach langen hin und her Verhandlungen und Unsummen die da in der Luft hingen um mich nach Vanimo zu schaffen, kam dann doch noch ein Minibus. Ich weis zwar nicht woher, aber er kam und nahm mich mit für einen normalen Preis. Im Nachhinein hörte ich, das noch ein (Papua war in dieser Zeit vor den Wahlen) bekannter Gouverneur mit Anhang über die Grenze kam und wahrscheinlich deswegen das indonesische Militär keinen kurzen Prozess mit mir machte und deswegen auch noch ein extra Spätminibus kam. Ich hatte einen Tag, an dem ich eigentlich nur Glück gehabt hatte!!! ;-)
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Uff! Kann ich gut nachvollziehen, denn ich habe ähnliche Situationen auch schon durchgemacht. Obwohl ... so heftig war's nie!
Übrigens: noch eindrucksvoller und besser lesbar fänd ich Deinen Bericht, wenn Du einige Deiner tollen Bilder eingefügt hättest!
LG Beate -
Wer reist und auf Abenteuer aus ist - auch wenn einem das Abenteuer erst viel später klar wird - braucht ein bis mehrere Schutzengel!
Auch ich kenne solche Begegnungen und kann Dir versichern, dass Du gerade an der Grenze zum unabhängigen Teil sehr - sehr viel Glück hattest!!
Mitreisend und spannend geschrieben!
LG Robert -
Wut macht stark, und lässt Angst vergessen. Kein langweiliger Grenzübertritt.
Schöner Bericht! -
Na schön... wer reist, der erlebt auch immer was und oftmals recht Haarsträubendes. Deine Story übertrifft natürlich fast alles. Ja, da bist Du ja GOTTSEIDANK nochmal heil davon gekommen...!! Dein Bericht ist sehr informativ, spannend und -wie könnte es anders sein- emotional zugleich.
LG Ursula -
Meine Güte, was für ein Tag! Da hast Du ja wirklich Glück gehabt!
Zudem hoffe ich, dass Du noch weitere Berichte schreiben wirst, denn anhand Deiner Fotos zu schließen, kennst Du ja wirklich die halbe Welt und da gibt es bestimmt noch einiges zu erzählen!
LG Susi
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