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Reisebericht: Botswana - Urlaub wie Hemingway in Afrika
In diesem Reisebericht erzählt Michael Merbeck über seine Erlebnisse während seiner Reise durch Botswana, die im Dezember 2007 statt fand.
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Meno A Kwena Camp, Makgadikgadi Nationalpark, Botswana
Ein tiefes, durchdringendes Geräusch, dem erstem Anschein nach weder nah noch fern, scheint sich unwillkürlich zu nähern. Fragend schaue ich meinen Guide an, der gespannt in den afrikanischen Busch schaut, um zu orten, von wo das unheimliche Geräusch herkommt. Ich kann außer hohem, braunem Gras und ein paar Akazien nichts erkennen - bis plötzlich dieses Geräusch laut und schon fast mein Trommelfell zerplatzend als massives Löwenmännchen neben mir steht. Erschreckt springe ich auf und realisiere, dass es nur ein Traum war. Doch das Löwengebrüll ist in einiger Entfernung wieder zu hören. Gespannt lausche ich den langen Tönen, wie zwei Männchen, das erfahre ich später von Tour Guide David, nach ihren Weibchen suchen.
Sie lassen einen nicht los die Geräusche des afrikanischen Buschs, die, wenn man so da liegt, einen erst tief in ihren Bann und dann in den Schlaf ziehen. Doch die Nacht ist kurz. Um 6:00 Uhr geht es auf die Suche nach den ruhestörenden Löwen. Kaffee, Tee und ein paar Kekse, die von der Küche des Camps schon vorbereitet wurden, warten auf mich, bevor die Pirschfahrt beginnt. Schon nach wenigen hundert Metern spürt man den kühlen, belebenden Fahrtwind im offenen Safarifahrzeug, doch die Aufregung wegen der Suche nach Löwen lässt mich die Müdigkeit und Kälte schnell vergessen. Nach kurzer Zeit ist die Fährte der männlichen Löwen aufgenommen. Die Fotojagd beginnt. Geschickt fährt David das Fahrzeug durch den Tiefsand im Makgadikgadi N.P. und erklärt mir dabei, dass es einige Zeit dauern kann bis die ersehnte Trophäe auf dem Fotoapparat verewigt ist. Aber Geduld und ein geschultes Auge lassen uns nicht im Stich und so bekomme ich zu sehen, wovon ich immer geträumt habe: frei lebende Löwen mit acht Wochen alten tappsigen Jungen, ihren übergroßen Pfoten und den runden Kulleraugen. Frech sind sie, turnen auf der Mutter herum und ein herumliegender Stock ist eine willkommene Abwechslung, um die sich sechs beige Bündel streiten.
Zurück im Camp heißt es erst einmal Duschen - und da geht das Abenteuer auch schon weiter. Die „Buschdusche“, die aus Reet und Steinen gebaute Naturdusche, befindet sich unter freiem Himmel und mit einem aufsehenerregenden Blick über den ausgetrockneten Boteti-Fluss im Makgadikgadi Nationalpark hinweg. Fasziniert blicke ich über den Fluss zu einem Wasserloch mit planschenden Elefanten und vergesse, dass die Dusche nur 15 Liter warmes Wasser fasst. Die Elefanten konnte ich leider nicht fragen, ob sie mir beim Abduschen der restlichen Seife behilflich sein könnten, also musste ich warten bis die Damen des Camps mit Wassernachschub zur Stelle waren.
Mit dem Buschflieger ins Okavango Delta
Nach 3 Tagen verlasse ich die Makgadikgadi Region, die mit ihren Savannen, Palmen und Salzpfannen ein Juwel Botswanas und ein Reise Wert ist: lustige Begegnungen mit kleinen Erdmännchen, riesigen Zebraherden und das Gefühl, drei Tage wie Hemingway in Afrika gelebt zu haben. Es schien mir unvorstellbar, dass die Eindrücke noch zu übertreffen sind, bis ich mit einem kleinen Buschflieger in das Okavango Delta losflog. Schon der Flug über das Binnendelta lässt mich erahnen, was dieses Ökosystem so einzigartig macht. Palmen und grüne Büsche gepaart mit Flüssen, Lagunen und immer wieder Antilopen, bieten eine Atmosphäre, die seines gleichen sucht.
Mit dem kleinen Flieger gelandet, ging das Abenteuer Botswana auch schon wieder weiter. Keine zwei Minuten war ich unterwegs, da stand er auch schon wie bestellt für mich da: ein riesiger Elefantenbulle, der einem das Herz für Sekundenbruchteile stillstehen lässt. Angst einflößend, mit den Ohren und dem Kopf wackelnd, trötet er lauthals durch seinen Rüssel, anscheinend genauso erschrocken wie ich … und tritt den Rückzug an. Ein Blick auf meine Mitreisenden verrät mir, dass keiner ein Foto geschossen hat. Warum wundere ich mich bloß nicht?
Die Lodge im Okavango Delta Teil I
Die Lodge, in der ich im Herzen des Okavango Deltas untergebracht bin, liegt - wie fast alle Lodges hier - in einem privaten Konzessionsgebiet. Das sind riesige Pachtgebiete, bei denen die Anzahl der Betten und damit auch die Anzahl der Urlauber streng limitiert ist. Ich komme mir öfter vor, als wäre ich einer der ersten Entdecker Afrikas. Leicht und luftig ist die Einrichtung der Lodge im offenen Bali-Stil, das Camp ist nicht umzäunt und liegt dazu auch noch mitten in der Wildnis, also nichts mit einsamen, romantischen Spaziergängen unter dem dunklen Sternenhimmel: ab Einbruch der Dunkelheit muss ich einen bewaffneten Guide als
Begleitschutz dabei haben. Dann kriege ich auch noch eine Drucklufthupe in die Hand gedrückt. Soll ich etwa hier mitten im Urwald eine Fussball-Mannschaft anfeuern, oder was soll das? Handy-Ersatz ist das, Telefon á la Okavango. Wenn Gefahr droht, soll ich mit dem Tröten auf mich aufmerksam machen, Telefon und Handynetze gibt es hier ja nicht. Afrikanische Wildnis pur.
Meine mittägliche Siesta verbringe ich auf der schönen Holzveranda mit einem herrlichen Ausblick auf die Lagune und das Treiben davor - einfach nur ein Genuss für einen Romantiker wie mich. Fast im Sekundentakt, so scheint es mir, verändert sich das lebendige Bild vor meinen Augen. Moorantilopen, Zebras und Impalas, Störche und Adler erscheinen auf der Bildfläche direkt vor meinen Augen. Elefanten streifen durch das Dickicht und kommen ganz nah am Zelt vorbei. Die Vielfalt der Natur zeigt sich mir hautnah. Ebenso die kleinen Gewichtsprobleme, die ich schon vor der Reise hatte. Afrika zum Abnehmen? Ist nicht!
Haben Sie vielleicht ein paar Pfunde zu viel und denken, die könnten Sie in Afrika loswerden? Sollten Sie nicht tun. Klappt nicht mit dem Weightwatchers made in Afrika. Ich habe bestimmt schon zwei Kilogramm zugenommen, aber nicht von Krokodil-Steaks und Antilopenschnitzel. Ich werde hier mit phantastischem Essen gemästet und komme mir dabei schon vor, wie die großen, bis zu sechs Tonnen (!) schweren Dickhäuter, die genüsslich unter den Palmenbäumen die herunter gefallenen Früchte kauen. Frühmorgens um sechs Uhr (habe ich das noch nicht erwähnt, dass man im Busch zeitig aufsteht?) kriege ich schon den ersten kleinen Snack: ein Joghurt und ein paar Kekse. Danach geht es auf traditionelle Mokoro-Fahrt, das ist ein Einbaumkanu, das früher aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestand (zum Glück heute aus Fieberglas) und bei dem ich wie von einem Gondoliere durch das seichte Wasser geschoben werde. Ein Erlebnis, bei dem ich die Zeit und die Welt um mich herum vergesse. Hier spielt nicht das Großwild die Hauptrolle, sondern Vögel, Frösche und Amphibien, zu denen auch die Krokodile gehören, die ich heute aus der Nähe erleben und beobachten konnte. Angelegt wird am idyllischen Ufer einer kleinen Insel mitten in
der Wildnis, dort strecke ich meine Beine aus und lasse mir die hausgemachten Kekse munden. Ich lebe von dem Prinzip Hoffnung, dass vielleicht fünf Minuten Beine vertreten auch ein paar Kalorien verbrennen könnten.
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