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Reisebericht: Argentinien – Ein Volk fährt Bus
Unterwegs in Südamerika
Argentum, lateinisch für Silber, liefert den Namen für den achtgrößten Staat der Erde. Argentinien, zweitgrößtes Land des südamerikanischen Kontinents. Heimat zahlreicher Klima- und Vegetationszonen. Die Nord-Süd Ausdehnung des Landes beträgt 3.694 km. Wie bewältigt man solche Entfernungen?
Retiro, wichtigster Busbahnhof des Landes. Von hier, der Hauptstadt Argentiniens, fahren Fernlinien in das ganze Land. Der Taxifahrer lädt mich und mein Gepäck vor dem Busbahnhof ab. Ausgestattet mit Busticket, welches ich einige Tage vorher gekauft habe, gehe ich los. Ich sehe nur Menschen, Gepäck und Busse. Da auf dem Ticket keine Nummer für den Bussteig steht, beginnt meine Suche und Fragerei. Und Rennerei. Erweist sich als schwierig, da jeder etwas anderes weiß und / oder jeder selbst sucht und rennt. Einheimische und Reisende. Alle sind auf den Beinen. Carlos sieht mich umher wetzen, während ihm auch schon Schweißperlen auf der Stirn glänzen. Nimmt mich unter seine Fittiche. Er und seine junge Frau mit kleinem Baby wollen Freunde in Cordoba besuchen. Schöner Zufall: ich will auch in die zweitgrößte Stadt mit der ältesten Universität des Landes. Da steh ich dann mit Gepäck, Rosaria und Baby. Ohne viel Luft zum Atmen, mache mich klein, so wie alle anderen auch. Damit noch mehr Menschen Platz finden. Carlos fetzt weiter. Minuten vergehen, doch ja, da ist der richtige Bus mit dem Cordoba Schild. Einer von vieren die heute Richtung Cordoba starten. Und einer von vielen die in alle Richtungen des Landes starten.
Nun geht es aber gesittet zu: kein Gedränge, kein Geschubse. Es bildet sich eine Schlange. Die Frauen und Männer stehen brav mit ihrem Gepäck. Warten bis der Gepäckmann ihr Gepäckstück im Stauraum des Busses unterbringt. Zeigen ihre Buskarte dem Steward und suchen den ihnen zugewiesenen Platz.
Und ich staune: der bus cama hat drei Leder-Sitze in einer Reihe, verstellbare Sitze. Die Decke und das Kissen verteilt der Steward. Ich fühle mich wie in einem Flugzeug, untergebracht in der Business Klasse. Viel Beinfreiheit, angenehme Luft, Klimaanlage, Video. Am Kaffee- und Wasserautomaten darf sich jeder Reisende bedienen. Ein warmes Abendessen wird vom freundlich lächelnden Steward ausgeteilt. Geweckt werde ich am nächsten Morgen vom betörenden Kaffeeduft und dem bereitliegenden Frühstück.
So reist es sich in der Business Bus-Klasse in Argentinien. Wie beim Fliegen, gibt es verschiedene Klassen, jedoch sind alle Busse mit Klimaanlage und verstellbaren Sitzen ausgestattet. Und auch alle mit Verpflegung und Service. Täglich fahren mehrere Busse verschiedener Busgesellschaften in alle Richtungen des Landes. Das Busfahren ist wegen des günstigen Wechselkurses preiswert. Züge benötigen viel länger als Fernreisebusse und besitzen einen eingeschränkten Fahrplan.
Argentinier fahren gerne Bus. Legen so die immensen Entfernungen innerhalb ihres Landes zurück. Die wohl längste Strecke erstreckt sich von Buenos Aires nach Rio Gallegos, in den Süden. Die Fahrzeit beträgt ca. 36 bis 40 Stunden. Das gesamte Streckennetz zählt ca. 215.000 km. Die Straßenverhältnisse sind sehr unterschiedlich: von ausgebauten mehrspurigen Autobahnen bis gut befahrbaren Landstraßen und hin zu Schotterpisten. Die Routa Nacional 40 , die bekannte touristische Strecke, durchquert das Land von Nord nach Süd.
Wer nach Argentinien reist, dabei an Südamerika denkt und sich das Busreisen vorstellt als Reisen eingeklemmt zwischen Taschen und Einheimischen, Hühnern, schwitzend, Platzangst niederkämpfend, der wird enttäuscht.
Im Land des Tangos, der Machos, der Steaks, des Fußballs, der Gauchos, ist der Bus zum Reisen der Superlative avanciert. Keine Spur vom unbequemen Bus. Der Bus als favorisiertes Fortbewegungsmittel. Das argentinische Volk gibt damit an und ist stolz darauf. Carlos und Rosaria sind froh, schnell und ausgeruht ihre Freunde erreichen zu können. Auch froh, weil sich die junge Familie aus La Boca, dem Armenviertel von Buenos Aires, das Busfahren leisten kann.
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Ein faszinierender Bericht, der Tipps für Argentinienreisende gibt. Gelungen !
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Hallo,
dieser Bericht lässt sich ohne Weiteres auch auf Brasilien übertragen. Auch hier werden die überaus guten Busverbindungen rege genutzt. Komfortabel und kostengünstig kommt man so von Ost nach West, oder von Nord nach Süd. Nur so kann man die Größe des Landes und die Mentalität der Menschen wirklich erfahren. Einen Nachteil hat das ganze natürlich, man muss erheblich mehr Zeit einkalkulieren, als mit dem Flugzeug.
Aber Brasilien ist ohnehin ein Land mit solchen Ausmaßen, dass es nicht sinnvoll ist, alle Regionen in 3 Wochen zu erkunden, dabei würden zu viele Eindrücke verloren gehen.
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