Laos. Eine abenteuerliche Bootsfahrt auf dem Nam Ou Fluss

Reisebericht

Laos. Eine abenteuerliche Bootsfahrt auf dem Nam Ou Fluss

Reisebericht: Laos. Eine abenteuerliche Bootsfahrt auf dem Nam Ou Fluss

Laos hat uns schnell gezeigt: hier ist der Weg das Ziel.
Drei Tage dauert die Reise von Luang Prabang nach Phongsaly, die nördlichste Stadt von Laos. Drei Tage voller Eindrücke.

Planänderung in Luang Prabang

Die Stadt Luang Prabang ist gut zu erreichen und der perfekte Ausgangspunkt für unser Vorhaben: von hier aus fahren Boote über den Mekong zum Nam Ou Fluss. Letzterer entspringt in der entlegenen nördlichen Region Phongsaly. Und genau da wollen wir hin!

Luang Prabang wollen wir uns unbedingt anschauen. So viele Reisende haben uns von dieser Stadt vorgeschwärmt. Aber was wir dort vorfinden, gefällt uns gar nicht. Die Stadt bündelt alle Touristen, die Laos besuchen und dementsprechend ist das Angebot. Aus dem morgendlichen Bettelgang der Mönche wird kurzerhand ein Touristenspektakel, bei dem Mönche und Einheimische distanzlos fotografiert werden. Der Nachtmarkt ist ein einziger Souvenirmarkt, auf dem allerlei Kunsthandwerk aus allen möglichen asiatischen Ländern verkauft wird. Kaufwütige Touristen interessiert nicht, wo die Ware herkommt. Hauptsache billig und ein tolles Mitbringsel. Die vielen Tempel in der Stadt sind interessant, aber in dem Trubel vergeht uns schnell die Lust, noch mehr anzuschauen. Wir machen uns auf den Weg zum Bootsanleger, um für den nächsten Tag ein Ticket zu bekommen. Die Bootsmänner erzählen uns, dass die Boote immer schnell voll sind und man früh da sein muss, um noch einen Platz zu bekommen.

Da die Sonne gerade in spektakulären Farben über dem Mekong und den anliegenden Booten untergeht, setzen wir uns auf die nahegelegene Mauer und genießen den Anblick. Beim anschließenden Abendessen in einem der zahlreichen Gartenrestaurants am Fluss kommen wir nochmal auf die Bootsfahrt zu sprechen. Wir hatten beide die Vorstellung von einer ruhigen, Bootsfahrt auf einem kleinen Boot durch die großartigen Karstberge. Dass die für 50 Passagiere ausgelegten Boote hier wie Karawanen ablegen, entsprach dem nicht so richtig. Auch wenn diese Etappe mit zu den Schönsten gehören soll – wir genießen lieber „weniger schönes“ in ruhigerer Atmosphäre. Das hat sich bisher immer bewährt. Also ist schnell klar, dass wir den ersten Bootstag auf die Straße verlegen, mit dem Bus fahren.



Sonnenuntergang am Mekong



Transportwunder Songtheaw

Transportwunder Songtheaw

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Wir befinden uns auf einem Pritschenwagen mit Dach, einem sogenannten Songthaew, umzingelt von Laotinnen, deren Kindern und unglaublich viel Gepäck. Der Wagen ist noch nicht losgefahren, da heißt es plötzlich: alle wieder raus. Nein, die laotische Sprache beherrschen wir nicht. Dass wir aussteigen müssen, erkennen wir vielmehr am wilden Gestikulieren einiger Laoten vor dem Songthaew und dem daraufhin unmotivierten Aufstehen der Mitinsassen. Wir steigen also mit allen anderen aus, auch wenn die Gefahr groß ist, dass der Sitzplatz nun weg ist. Und wofür das Ganze? Ein Moped soll mit auf die Ladefläche. Ein Moped? Genau mittenrein, zwischen die 16-20 Beine der Mitfahrer. Als das Moped ordentlich festgezurrt ist, ein Teil des Gepäcks kurzerhand auf das Dach geladen wird, steigen wir alle wieder ein. Mit etwa einer Stunde Verspätung geht es dann endlich los. Laut Reiseführer soll es übrigens auch einen richtigen Bus in die Ortschaft Nong Khiao geben, am Busbahnhof wird unsere Frage nach diesem Bus jedoch vehement verneint: „No big bus, only songtheaw.“

Die Fahrt durch bergige Landschaft verläuft schleppend, immer wieder steigen Fahrgäste ein und aus, immer wieder wird noch mehr Gepäck eingeladen. Wir staunen nicht schlecht, was da alles in so ein Verkehrsmittel reingeht. Da die laotischen Straßen recht staubig sind, bekommen wir während der mehrstündigen Fahrt viel davon ab und fühlen uns mit der Zeit, als hätten wir uns in selbigem gewälzt. Das lange Sitzen auf Holzbrettern mit Mopedteilen zwischen den Beinen ist auch nicht so angenehm. Stoßdämpfer? Was war das nochmal? Sitzgurte und ein Helm wäre bei dem Fahrstil irgendwie auch nicht schlecht. Festhalten!! Sonst fliegt der Letzte hinten raus.

Plötzlich ein Stopp. Irgendwo im Nirgendwo. Keine Ortschaft, nur Büsche. Was nun, fragt sich der ratlose Europäer? Ganz einfach: Pinkelpause. Wer muss, steigt aus, und sucht sich einen Busch seiner Wahl, hinter den er dann Pinkeln geht. Manche suchen sich ein ganz verstecktes Plätzchen, manche geben sich weniger Mühe. Alle treffen pünktlich zur Abfahrt wieder ein und weiter gehts. Bis zur Ortschaft Nong Khiao.

In der Gegend um Nong Khiao erkunden wir einige Höhlen, teils kriechend, immer mit unseren Stirnlampen auf dem Kopf. Ein bißchen Mut gehört dazu, so ganz allein in ein dunkles Loch hineinzuklettern. Viele dieser versteckten Höhlen wurden im Indochinakrieg von den Einheimischen als Versteck genutzt, manche haben monatelang in diesen Erdlöchern gelebt, um den Bombardierungen zu entgehen, einiges ist aus dieser Zeit zurückgeblieben. In der Ortschaft selbst besuchen wir den heimischen Markt und die kleinen Suppenküchen. Die Schärfe der laotischen Küche treibt uns immer wieder Tränen in die Augen. Von den Schweißausbrüchen bei den sommerlichen Temperaturen mal abgesehen. Unsere Unterkunft liegt direkt am Nam Ou Fluss, eine wundervolle Aussicht.

Habe ich schon erzählt, dass hier täglich jede Menge großer Busse aus Luang Prabang ankommen? Wie war das:“No big bus, …“



Boote am Nam Ou Fluss



Der erste Tag auf einem Boot

Warten...

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Dann ist es endlich so weit: Wir ergattern für den nächsten Tag ein Bootsticket nach Muang Khao. Schon früh um 6 Uhr soll es losgehen. Am Bootssteg warten schon sehr viele Leute auf ihr Boot. Wie sollen wir da das Richtige finden? Keine Sorge, die Boote werden nach und nach ausgerufen. Das klappt dann auch gut, alle werden von den Bootsmännern auf die Boote verteilt. Unser Boot scheint recht klein zu sein. So haben wir uns das vorgestellt! 6 Passagiere finden auf dem Holz-Motorboot einen Platz, der Rest wird mit Gepäck vollgeladen. Wir haben Glück und bekommen einen der weichen Autositze, die in das Boot montiert sind. Für die letzten Zusteigenden bleiben nur noch Holzbretter übrig. Nun liegen 6-7 Stunden Bootsfahrt vor uns. Also, von uns aus kann es losgehen. Wir haben ein wenig Proviant dabei, aber auch hier gilt wieder: Nicht so viel trinken, man weiß nie, ob es eine Pinkelpause geben wird und wie diese dann aussieht.

Als wir so langsam in Fahrt kommen, bemerkte ich, dass mein Rucksack ganz oben auf dem riesigen Gepäckhaufen mächtig in Schieflage ist. Ich brauchte ein paar Stunden, um dem Bootsmann zu trauen, dass das Gepäckstück sicher liegt. Als es dann auch in den Stromschnellen bei den rafting-ähnlichen Manövern nicht im Fluss versenkt wird, bin ich überzeugt.

Nach etwa einer Stunde stoppen wir bei einer Ansammlung von Hütten, einem Dorf am Nam Ou. Ein Mann mit Kind steigt ein, die beiden setzen sich mangels Alternativen vor uns auf den Boden des Bootes. Es wird noch jede Menge Gepäck hinzugeladen und dann geht’s weiter. Der kleine Laote langweilt sich auf dieser Bootsfahrt und findet Gefallen an meinem Rucksack. Nach einer Weile lutscht er genüsslich an einem der Bändel. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass ihm der ganze Schmutz, in dem der Rucksack schon lag, gut bekommt, möchte ich ihm etwas von meinem Proviant geben. Doch der Kleine nimmt nichts an, Papa schüttelt ebenfalls mit dem Kopf. Nun ja, Dreck reinigt ja den Magen… Die beiden steigen bei einem der nächsten Halte (die man übrigens auch prima zum Pinkeln nutzen konnte – manchmal dann eben mit Publikum) wieder aus und neue Passagiere kommen hinzu. Mein Rucksack spielt weiterhin eine tragende Rolle: als nächstes wird eine nasse Unterhose zum Trocknen darauf gelegt. Die Sonne scheint direkt darauf, perfekt also. War die nun frisch gewaschen oder aus anderen Gründen nass? Ich bekomme für die nächste Stunde mein Grinsen nicht mehr von der Backe.

Plötzlich schon wieder ein Stopp. Diesmal mitten auf dem Fluss, ein Grund ist zunächst nicht zu erkennen. Ein weiteres Boot kommt auf uns zu, der Bootsmann winkt mit einem riesigen Fisch. Unser Bootsmann will ebendiesen kaufen und so wird der Fisch nach erfolgreichen Verhandlungen in den hinteren Teil des Bootes befördert. Direkt vor das Holzbrett, auf dem es sich eine Spanierin gemütlich gemacht hat. Die nächsten zwei Stunden mit penetrantem Fischgeruch in der Nase gehören ihrem Gesichtsausdruck nach nicht zu den angenehmsten ihres Lebens.

Die Fahrt dauert insgesamt sechs Stunden, wir haben also zwischen diesen netten Erlebnissen ausreichend Zeit, die den Fluss umgebende Landschaft und deren Bewohner zu bestaunen. Hier lasse ich nun mal Bilder sprechen….



Boote am Nam Ou Fluss

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Der zweite Tag auf einem Boot

Muang Khua

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Muang Khao hat nicht viel zu bieten und so gehen wir am nächsten Morgen früh zum Bootssteg und kaufen ein Ticket für das Boot nach Hat Sa, die Anlegestelle in der Region Phongsaly.
Wir warten wie immer in Laos sehr lange, bis es dann endlich losgeht. Man soll immer früh da sein, um einen Platz zu bekommen oder überhaupt ein Ticket und dann sitzt man erstmal da und wartet. Das ist so üblich, alle machen das so. In Bussen, in Songtheaws, auf Booten sitzt man oft eine Stunde nur um sich einen Platz zu sichern. Und wehe, man kommt zu spät. Dann muss man mit dem Plastikhocker auf dem Gang des Busses oder eben auf dem Boden des Bootes Platz nehmen.

Die Landschaft ist an diesem Tag nicht weniger spektakulär und das, was wir von den Bewohnern dieser Region vom Boot aus mitbekommen, beeindruckt uns sehr. Wir sehen immer wieder Herden von Wasserbüffeln, Schweine und Hühner in den Dörfern, die überwiegend aus Bambus und Lehm bestehen. Wir sehen Kinder auf Felsen und im Wasser spielen, Frauen waschen Wäsche im Fluss oder helfen Männern beim Fischfang. Immer wieder begegnen uns Boote, manchmal kleine ohne Motor, sogenannte Einbäume, manchmal auch Passagierboote so wie unseres. Wir sind heute zu viert, manchmal steigt jemand zu, andere wieder aus. Nur der Bootsmann, ein weiteres deutsches Pärchen und wir bleiben bis Hat Sa zusammen. Heute sitzen wir auf Holzbrettern. 7 Stunden. Im Boot aber wesentlich besser auszuhalten als in einem Songtheaw. Da das Boot recht leer ist, kann man die Sitzgelegenheit öfter wechseln. Der Bootsmann scheint sich zu langweilen, das Boot tuckert langsam flussaufwärts, er lehnt sich zurück, streckt seine Beine aus und legt sich kurzerhand hin. Lenken kann er schließlich auch mit den Beinen.

Inzwischen ist ein Hahn mit an Bord. Der wurde im letzten Dorf in einem passenden Korb übergeben und fährt seither über meinem Kopf hängend mit uns nach Hat Sa. Er ist so eingezwängt, dass er nur noch den Kopf bewegen kann. Er gibt keinen Ton von sich sondern schaut nur neugierig. Genauso wie ich.

Plötzlich sehen wir vor uns riesige Bagger, einen Steinbruch, viel zerstörte Natur inmitten eines bisher beinahe unberührten Landflecks. Nach unserer zweitägigen Fahrt durch Gegenden, die nicht ans Straßen- oder Stromnetz anschlossen sind, sind wir irritiert.
In den darauffolgenden Tagen erfahren wir mehr: China baut hier oben einen riesigen Staudamm, in 1-2 Jahren soll das Projekt fertig sein. Die Landschaft und den Fluss wird es dann in der heutigen Form nicht mehr geben. Die Folgen für die Bewohner des Flusses werden verschwiegen.



Laotin beim Fischfang



Ankunft in Phongsaly

kleine Laoten in Phongsaly

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Wir legen in Hat Sa an, nehmen uns ein Tuktuk zur Stadt Phongsaly. 800 Höhenmeter werden auf einer kurvenreichen und sehr grobsteinigen Straße zurückgelegt, eine harte Bewährungsprobe für Rücken und Psyche. Doch nach einer Stunde ist auch das geschafft und wir begeben uns auf die Unterkunftssuche in der größten Stadt des Nordens. Phongsaly ist aufgrund der Grenznähe stark chinesisch geprägt, was ein ganz eigenes Flair in diese Stadt bringt. Als wir durch die Gassen der Altstadt schlendern, tauchen wir in eine für uns vollkommen fremde Welt ein. In einem Hinterhof beobachten wir einen spektakulären Hahnenkampf und knipsen was das Zeug hält. In den Dörfern der Region wohnen viele unterschiedliche Bergvölker, ethnische Minderheiten, denen man auch in der Stadt begegnet.
Durch die Höhe ist es hier oben wesentlich kühler, die Stadt ist an Hängen erbaut. Ein ungewohnter Anblick. Nach wochenlanger platter Landschaft bin ich ganz begeistert von der bergigen Landschaft, die wir in den darauffolgenden Tagen zu Fuß erkunden. Kaffee- und Teeplantagen sieht man hier oben soweit das Auge reicht und bei einer kleinen Wanderung kommen wir an einer Fabrik vorbei, wo wir den Frauen beim Verlesen des getrockneten grünen Tees zuschauen können. Nach einer kleinen Kostprobe und einem großen Einkauf ziehen wir weiter.

Auf der anderen Seite des Berges entdecken wir noch mehr zerstörte Natur: hier werden Straßen gebaut. Für die Chinesen, die hier ihre Maschinen herbringen wollen. Für das Staudammprojekt. Ganze Dörfer stehen halb zerfallen, verlassen in der Landschaft, vereinzelt sieht man Hühner zwischen den zurückgebliebenen Müllbergen, ein Bauer weigert sich offensichtlich, seinen Hof zu verlassen. Ein Anblick, den wir so schnell nicht vergessen.

Wenn man Laos mit offenen Augen bereist, sieht man unglaublich viel Müll, (brand-)gerodete Flächen, Monokulturen, überhaupt wenige bzw. dünn bewachsene Wälder. Abgesehen von Nutztieren in Dörfern entdeckt man kaum Tiere, vor allem Vögel scheinen fast ausgestorben, was eine in der Natur eine geisterhafte Ruhe hinterlässt. Das liegt mitunter daran, dass man manche Laoten aus Hunger oder auch Langeweile Vögel und auch andere Tiere abschießen, meist mit Steinschleudern. Vieles geschieht aus Not oder Unwissenheit. Die Modernisierungsprozesse laufen zu schnell, das Umweltbewusstsein hinkt hinterher. Ein Problem, welches Laos auf Dauer zum Verhängnis werden kann.



Straßen von Phongsaly


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