Reisebericht

Reisebericht: Der Markt auf Schienen in Mae Khlong

 
 
 
 
 
Reisebericht: Der Markt auf Schienen in Mae Khlong

In Mae Khlong südlich von Bangkok gibt es einen Markt, in dessen Zentrum Schienen verlaufen. Alle paar Stunden fährt ein Zug durch den Markt. Die Stände werden in Sekunde verschoben, um das Stahlross durchzulassen und in Sekunden wieder in ihre Ausgangsposition zurück gebracht.

 
 
 
 
 

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Bei einem Bangkokaufenthalt im März 2012 habe ich von Mae Klong erfahren. „Das ist was ganz Besonderes“, meinte Wolfgang, ein Freund. „Als ich das erste Mal dort war, dachte ich, die Marktleute bringen der thailändischen Eisenbahn Pünktlichkeit bei. Aber so war es dann doch nicht.“
Er erklärte weiter, dass sich der Markt zurückzieht, wenn ein Zug durchfährt und sein Territorium sofort wieder besetzt, wenn der Zug durchgefahren ist. Die Marktleute richten sich nach den Zügen. Es gibt vier Züge nach Maeklong.
Am nächsten Tag stand ich um sechs Uhr auf. Ein Motorradtaxi brachte mich zur Hochbahnstation Mo Chit, im Norden Bangkoks. Von dort fuhr ich nach Süden, stieg am Siam in Richtung Wongwiang Yay um. Von der Wongwiang Yay Hochbahn wechselte ich zum gleichnamigen Bahnhof. Von dort brachte mich ein Zug in einer Stunde nach Mahachai. Dort musste ich den Tha Chin Fluss überqueren. Die Fährleute lachten, als ich beim Besteigen vergaß auf die Höhe der Holzplanken über mir zu achten und mir den schmerzenden Kopf rieb. Der Ort auf der anderen Seite des Flusses heißt Ban Laem. Dort bestieg ich den Zug nach Mae Klong in der Provinz Samut Songkhram ungefähr 70 km südwestlich von Bangkok, wo der Maeklong in den Golf von Thailand mündet. Die Fahrt ging durch eine ebene Landschaft, in der Salz gewonnen wird und dauerte eine Stunde. Ich konnte direkt vorne neben dem Zugführer stehen und hatte die beste Position, um die Einfahrt in Maeklong zu filmen. Die eisernen Wagons fuhren ratternd durch eine Gasse, an dessen Seiten ein Markt abgehalten wurde. Gemüse lag wenige Zentimeter von den Gleisen entfernt. Menschen standen Spalier. Nach einer Minute war der Markt durchfahren. Der Zug hielt. Ich ging wenige Meter zurück und sah, dass sich der Markt hinter dem Zug geschlossen und seinen Platz zurück erobert hatte. Menschen saßen auf den Gleisen, Gemüse war auf den glatten Schienen zum Verkauf ausgelegt. Die Planen gegen die Sonne zum Schutz von Menschen und verderblichen Waren überspannten wieder den Markt und boten angenehmen Schatten. Die Rückeroberung war in Sekundenschnelle erfolgt.
Was lag nicht Alles zum Verkauf auf und neben den Schienen! Mangos, Mandarinen, Äpfel und andere Früchte; Fleisch; frische Fische auf Eis, getrocknete Fische in Bambuskörben, getrocknete Tintenfische. In halb mit Wasser gefüllten Wannen zappelten großkopfige Katzenfische einem langsamen Ende entgegen; ähnlich ging es mit Schnüren gefesselten Krabben in Plastikkörben. Gemüse lag auf fahrbaren Metalltischen, die in Sekundenschnelle an die Schienen gerollt worden waren. Daneben lagen Orchideensträuße und billige Strandlatschen aus Gummi, dort zum Verkauf, wo eine Minute vorher der Zug gerattert war. Der Umgang der Marktleute mit der unerbittlichen Kraft des Schienenrosses hatte etwas heldenhaft Stures und verblüffend Effektives zugleich.
Die Metallstangen mit dem Sonnenschutz waren auf Nägel gesteckt und konnten mühelos aus dem Weg des ratternden Eisenmonsters entfernt werden.
Bei der Einfahrt des nächsten Zuges stellte ich fest, dass die Abstände zu den hoch geklappten Sonnenschutzplanen nur wenige Zentimeter betrugen. Ich stand dem ratternden Monster im Weg und wurde von den Marktleuten lautstark gewarnt.

Bei meiner Abfahrt aus Maeklong stand ich hinten und beobachtete, in welcher Geschwindigkeit die Planen hinter dem Zug zurück in ihre schützende Position gebracht wurden. Und der ganze Markt darunter verschwand, der sich nur Sekunden von dem Ratterding hatte stören lassen.



 
 
 
 
 

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Region: Madrid

Kommentare
  • Blula 19.04.2013 | 17:12 Uhr

    Was für ein Erlebnis! Abenteuerlich, kann ich nur sagen! Ein ganz toller Reisebericht von Dir. Danke für 's Mitnehmen!!
    VG Ursula

  • schokolade55 (RP) 19.04.2013 | 18:03 Uhr

    Die Zeit sollte sich jeder nehmen, der nach Bangkok reist. Not macht erfinderisch. Ich bin gespannt, wie lange das Schauspiel noch "zugelassen" wird.
    Gruß Schokolade

  • RELDATS 23.04.2013 | 22:34 Uhr

    Sehr anschauliche Geschichte, wirklich interessant.
    Nette Grüße von Josef

  • barbarattje 26.04.2013 | 06:11 Uhr

    Wenn ich mir das hier in Europa vorstelle...die Gelassenheit der Asiaten im Umgang mit Nichtzuänderndem im Gegensatz zu den aufgebauschten Erregtheiten der regle-mentiersüchtigen Europäer - da können wir noch viel lernen! Deine Schilderung wie gewohnt aussagekräftig und gut geschrieben!
    LG Bärbel

  • ursi67 13.05.2013 | 13:13 Uhr

    Hochinteressant! War schon einige Male in Bangkok, aber habe noch nie von diesem Markt gehört. Vielen Dank! LG, Ursi

  • MolaMolaMondfisch (RP) 13.05.2013 | 17:31 Uhr

    Dank euch allen :)

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