Mit Auto, Zelt und Zeit durch Nord-Kalifornien, Teil 3

Reisebericht

Mit Auto, Zelt und Zeit durch Nord-Kalifornien, Teil 3

Reisebericht: Mit Auto, Zelt und Zeit durch Nord-Kalifornien, Teil 3

Lassen Volcanic NP

Bei der Weiterfahrt durchs Central Valley stieg die Temperatur dann sehr schnell von 15 auf 40°C an. Das war heftig. Camping ist hier weitestgehend Familiensache, und als Einzelreisender fällt man sofort auf. Schon alleine, als eine Familie zwei große Zelte und zwei Pavillons aufbaute und den Anhänger mit dem Speedboot (doppelt so viel PS wie mein Auto) vom Monster-Truck (tiefer gelegt, Alu-Felgen, Niederquerschnittsreifen, alles, was ein Geländewagen so braucht) abkoppelte, kam ich mir mit Toyota Corolla und Ultraleichtzelt irgendwie mickrig vor... Trinkwassertalsperren erkennt man im dürregeplagten Zentral-Kalifornien übrigens an den vielen Speedbooten darauf.
Naja, irgendwann kam ich dann im Lassen Volcanic NP an, und endlich war ich genau da, wo ich hin wollte. „Stark frequentierte Wanderwege“ bedeutet: FALLS man andere Wanderer trifft, dann hier! Berge bis über 3000 m, dampfende Schwefelquellen, klare Bäche, abgelegene Seen zum einfach so drin baden und abends Brot und Pfannkuchen überm Lagerfeuer backen: Das ist Urlaub! Auf der ersten Tour, ein paar Stunden vom Campingplatz entfernt, alleine und mit leicht mulmigem Gefühl, hörte ich plötzlich ein tiefes Brummen direkt neben mir. Selten einen solchen Adrenalin-Kick gehabt. War aber nur ein durchstartender Kolibri. Alleine wandern, auch mehrtägige Streckentouren im Hinterland, ist laut den Rangern völlig ungefährlich, sofern man einen „bear proof food container“ hat. Wusste ich. Auch, daß man diese für fünf Dollar im Park mieten kann. DIES allerdings war den Rangern neu. „Nee, da musst du mal hier und dort im nächsten Dorf (30 km entfernt) fragen“. Standardantwort im nächsten Dorf: Einen WAS? Also erst mal Tagestouren. War auch toll.



Lake Helen



Sommerliche Blumenwiese

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Hier oben in den Bergen findet der Sommer im August statt. Ende Juli ist Frühling, Anfang September ist Herbst, der Rest des Jahres ist Winter. Im kurzen Sommer gibt es eine unglaubliche Blütenpracht.



Täglich ein tiefblauer Himmel bei angenehmer Wärme. Und nachts der Sternenhimmel: Ich hatte vergessen, wie viele Sterne es gibt. Die Milchstraße sah ich jede Nacht, und gerade im August auch massig Sternschnuppen. Mehrere Leute waren auf den staubigen Pfaden allein unterwegs und kaum jemand protzte noch mit aufgemotzten Geländewagen. Fast alle hatten dasselbe Ziel und die gleiche Begeisterung. Herrlich. Nach einer Woche war ich eine Nacht im Motel, mal duschen und so. Eine Frage, deren Antwort erst gefunden werden musste: Werden diese Füße je wieder sauber?
Susanville, größte und Hauptstadt im Lassen County und einzige Stadt im Umkreis von 100 km ist ein recht modernes Dorf mit Flugplatz und zwei Gefängnissen. Klar, daß man hier auf dumme Gedanken kommen kann. Der Norden Kaliforniens ist eher dünn besiedelt und einen Blutaustausch gibt es wohl nur beim Rodeo. In Susanville gab es übrigens auch keine bear proof food container. War jetzt aber egal, denn im vorgesehenen Wandergebiet brannte es ganz furchtbar.



Waldbrand



Löschhubschrauber

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Jeden Tag wurden neue Wege gesperrt. Für eine Tagestour konnte man da noch gut planen, für Backpacking eher nicht. Sei‘s drum, vielleicht im nächsten Nationalpark. So ein Waldbrand hat aber auch Vorteile: Die Qualmwolken über dem Wald sind sehr fotogen, besonders, nachdem ein Hubschrauber sein Wasser-Eimerchen in die Flammen geschüttet hat. Danach flog er weg und kam nach einer halben Stunde mit einem gefüllten Eimerchen zurück. Süß! "Aggressively attacked" nannten die Amis das. Spannender war es schon eher, wenn ein Flugboot im Sturzflug auf das Feuer zu raste. Da wurden die Air Force Veteranen wieder jung.



Morgendlicher Testflug

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Als Besucher durfte ich trotz des roten Autos nicht so nah ans Feuer, wie ich gerne wollte. Da waren die Ranger ziemlich pingelig. Trotzdem habe ich so einen großen Hubschrauber aus der Nähe fotografiert.



Zum Abendessen (aus dem Supermarkt, die einzige Alternative zum Fast Food hier) gab es stilecht eine Dose Busch-Bier. 24 floz stand drauf, was auch immer das bedeutet, vom Alkohol merkte ich jedenfalls nichts.
In den tiefer gelegenen Teil des Parks kam ich wegen des Feuers nicht mehr, also musste ich umdisponieren. Das neue nächste Ziel lag nördlich, in Oregon. Crater Lake, das blaueste Blau dieses Planeten!

Fortsetzung folgt.


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Kommentare

  • ursuvo

    dieser Bericht hat mir auch wieder sehr gut gefallen - !!

  • ursuvo

    ...und wenn Du noch ein paar mehr Bilder zeigen würdest............................:-))))))

  • Schili

    Hähä---"floz" ist die Maßeinheit "Flüssigunze" in den USA. Eine floz entspricht in etwa 30 Mililitern. Ergo war das wohl ne Kanne Bier mit..rechne rechne...etwa 0,7 Litern...stattlich...;-)
    Schöner Bericht. :-)

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