Reisebericht

Reisebericht: Nordlicht

 
 
 
 
 
Reisebericht: Nordlicht

Gleich vorweg wir hatten Glück. Jeder der davon träumt das Naturschauspiel zu erleben kann schon mit Daumendrücken beginnen. Diesen Traum habe ich schon länger und gemeinsam mit einer Freundin machen wir uns auf die Suche - und hoffen auf ein - es werde Licht.

Als Möchtegern-Hobbyastronomin habe ich übers Internet versucht den bestmöglichen Zeitpunkt und Ort ausfindig zu machen. Tja, alle Länder 60° nördlicher Breite in Europa kommen in Frage, und 2013 soll angeblich statistisch ein sehr gutes Jahr sein für Sonnenaktivitäten.
Wir haben uns für finnisch Lappland entschieden, nachdem wir zeitlich und finanziell nicht übertreiben wollen. Tage vor unserem Abflug checkte ich meinen neuen Lieblings-Link www.spaceweather.com hier gibt es aktuelle Informationen zu Sonnenaktivitäten und möglichen Polarlichtern, sowie einer Realtime Aurora Photo Gallery.
Genau am Tag unserer Ankunft ist ein „Aurora Alarm“ angekündigt.
Wir erreichen Kittilä abends und fahren mit unserem Mietauto zum Hotel im Wintersportort Levi.
Wenigstens gibt es nur einige Gehminuten entfernt einen Platz der weniger Umgebungslicht hat, aber wir haben eine dicke Wolkendecke über uns. Und dennoch war der Himmel komisch. Die erste Erfahrung in dieser Nacht war - warm anziehen, denn herumstehen, schauen und warten bei - 20°C bin ich nicht gewohnt. Da war die Sauna im Hotelzimmer dann genau richtig.

Der Auftrag lautet zwar Polarlichter finden, aber Lappland hat soviel zu bieten. Wir haben eine Woche Zeit um diese schöne weitläufige Landschaft zu geniessen. Ob Husky-Schlittenfahrt oder ein Spaziergang über zugefrorene Flussläufe und Seen, alles ist in weiss gehüllt. Die Bäume sind zwar schneebefreit, aber der Boden ist gefroren. Hier kann ich gleich für alle Selbstfahrer eines vorweg nehmen, dass jedes Mietauto Spikes hat und die Straßen gut geräumt sind. Unser erster Ausflug ist Santa Claus Village in Rovaniemi, wo das offizielle Postamt vom Weihnachtsmann ist. Postkarten verschickt, und weil ich es wissen will habe ich mir selbst auch eine Weihnachtskarte geschickt, und in den Briefkasten für Weihnachten 2013 geworfen ;) Auf der Rückfahrt besuchen wir noch das Eishotel Limilinna, welches jedes Jahr neu errichtet wird. Aus Eis und Schnee werden Räume kunstvoll gestaltet, und wer will kann hier auch im Schlafsack übernachten.
Für den nächsten Tag haben wir eine Husky-Tour gebucht. Natürlich wollen wir selber fahren, und das war ein richtig schönes Gefühl so mitten in der Natur. Eine Schlittenführerin vor uns, und sechs hochmotivierte Huskys ziehen uns mit unseren Schlitten durch die Gegend. Eigentlich ist es nicht so schwierig. Was wirklich wichtig ist, ist den Schlitten nicht loszulassen, denn die Hunde wollen laufen. Den Bremsbügel fest hinunter gedrückt lässt sie stoppen, aber sobald der Druck nachlässt spüren sie es und laufen los.

Abends sind wir die Jäger, nun mit Tee und Schnaps ausgestattet warten wir auf ein flackern am Nachthimmel. Wie soll ich es beschreiben, denn es gibt ja viele Bilder und Videos im Internet, aber dabei sein ist wunderschön. Es beginnt irgendwo, und im nächsten Moment ist ein Strahl da. Dieser Strahl zieht sich weit über das eigene Blickfeld hinweg und verändert sich ständig. Ich spür keine Kälte mehr und strahle in den Himmel zurück.



 
 
 
 
 

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Wir fahren weiter Richtung Inarisee im Osten von Finnland wo wir eine Holzblockhütte gebucht haben. Der Luxus einer eigenen finnischen Sauna im Zimmer fällt zwar weg, aber dafür haben wir kulinarische Genüsse. Wir bekommen traditionelle Lapplandspezialitäten von unserer ganz reizenden Wirtin serviert. Wir sind zwar nicht die einzigen Gäste, aber die Holzhütten haben eine Kochnische für Selbstversorger. Wir zahlen für Frühstück und Abendessen extra, und somit sind wir mit einigen Franzosen der einzige gedeckte Tisch im Speiseraum. Da gibt es doch einen Spruch „Essen wie Gott in Frankreich“ und die Herren kommen seit Jahren aus beruflichen Gründen her, und schätzen ihre Kochkünste. Das sagt wohl alles - ich bin begeistert, und die Gastfreundschaft unserer Wirtin ist so liebenswert.
Wir sind immer bestens gestärkt für unsere Tages- und Abendausflüge. Obwohl wir bis nach Mitternacht unser Glück versuchen zeigen sich keine Nordlichter. Es sind die Nächte nun etwas milder da eine Wolkendecke das Firmament zudeckt, aber das hilft nicht wirklich.
Wie anfangs erwähnt schaute ich täglich ins Internet um aktuelle Informationen aus der Gegend zu bekommen. Nur nicht verzweifeln, denn in der Bildergalerie sind unglaubliche Aufnahmen aus Schweden, Alaska und sogar Finnland abrufbar. Die genau in dieser Woche gemacht wurden, das ist eben der Haupttreffer.
Die letzte Nacht steht an und dafür haben wir etwas besonderes gebucht, das Glasiglu in Kakslauttanen. Diese Iglus sind rundherum aus Glas für gemütlichen Ausblick auf den Nachthimmel. Wir warten geduldig und der Sekt wirkt schon als plötzlich ein grüner Schein durchblitzt. Sofort raus und mit einem Freudentanz schauen wir zum dritten Mal dieses wunderbare Naturschauspiel an. Glücklich und zufrieden fahren wir am nächsten Morgen zum Flughafen nach Kittilä. In Sodankylä steht eine kleine alte Holzkirche die wir noch anschauen wollen. Sie ist zwar verschlossen aber der tief verschneite Friedhof lässt den Gedanken frei: Ruhe in Frieden. Danke Nordlicht. Das ich in das in meinem Leben nun erleben durfte.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • agezur 09.04.2013 | 13:01 Uhr

    Danke für diesen wunderbaren Bericht. Du erzählst so, dass man das Gefühl hat unmittelbar dabei zu sein!
    Auch von mir ist es ein Traum, das Nordlicht zu sehen!
    LG Christina

  • mhsch 09.04.2013 | 22:07 Uhr

    Lebendig - würde ich sagen, sind hier die Eindrücke der Reise wiedergegeben. Fotografien mit dem " gewissen Etwas " betonen den Bericht vorteilhaft. Sehr gelungen, kurzweilig und schön zu lesen. Gruß von mhsch

  • INTERTOURIST 11.04.2013 | 17:23 Uhr

    Schön geschrieben. Wertfolle Infos und Emotionen.
    Ist auf meinem Merkzettel!
    Das will ich auch mal machen.

    Grüße Jörg

  • barbarattje 14.04.2013 | 07:14 Uhr

    Guter Bericht - man wird richtig hineingezogen. Schöne Bilder - viel Atmosphäre! Meine "Vorschreiber" haben sonst schon alles gesagt - schließe mich ihnen an.
    LG Bärbel

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