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Reisebericht: MALAYSIA - Regentage auf einer Tropeninsel
Pulau Tioman ist 39 Kilometer lang, 19 Kilometer breit und ist die größte aus einer Gruppe von 64 Vulkaninseln. Sie ist von Dschungel bedeckt, ziemlich gebirgig und liegt, drei Stunden mit dem Boot von Mersing entfernt, im südchinesischen Meer vor der Ostküste des Bundesstaates Johor.
In Melaka hatte ich die vergangene Nacht verbracht. Jetzt saß ich im Überlandbus, der mich an Malaysias Ostküste, in die Stadt Mersing bringen sollte, denn von dort wollte ich per Schiff zur Insel Tioman übersetzen.
Der Bus war mit einer guten Stunde Verspätung in Melaka losgefahren, nur mäßig besetzt. Wir fuhren zuerst auf der gut ausgebauten Küstenstraße bis Batu Pahat. Von dort führte die Straße ins Landesinnere. Ab Keluang waren außer mir nur noch fünf weitere Rucksacktouristen im Bus. Diese Fahrt quer über die Südspitze der malaysischen Halbinsel war eine echte Belastungsprobe für meine Nerven. Die Straße war ziemlich eng und kurvenreich und es mußten an die zehn Baustellen durchfahren werden, vor denen jedesmal gewartet werden mußte, bis der Gegenverkehr durch war. Diesen Zeitverlust wollte anscheinend der junge Fahrer mit besonders riskanter und forscher Fahrweise wieder ausgleichen. Ich konnte oft gar nicht hinschauen, wenn er mal wieder wild hupend eine unübersichtliche Kurve schnitt. Zum Glück erreichten wir aber doch nach etwa fünf Stunden Fahrt ohne Zwischenfall unser Ziel Mersing.
Es war früher Abend, als der Fahrer uns vor dem Büro des Sea-Gull Express absetzte, in dem wir unsere Tickets für die Überfahrt am nächsten Tag kaufen konnten. Die fünf jungen Mitfahrer – Australier – wollten nämlich auch auf die Insel. 15 Ringgitt (MYR) kostete die Fahrkarte und das Boot sollte so um 8:15 Uhr losfahren. Im nahen „Hoi Seng Hotel“ fand ich dann ein Zimmer für die Nacht.
Nachts war es so schwül, daß ich kaum schlafen konnte und ein schweres Monsungewitter tat sein Übriges. So war ich ganz froh, als ich mich endlich am Morgen auf den Weg machen konnte, zu der nicht allzu weit entfernten Bootsanlegestelle am Mersing River. Ich war ganz überrascht, daß dort schon so viele Fahrgäste warteten. Es war immer noch oder schon wieder unerträglich schwül und die dunklen Wolken am Himmel verhießen nichts Gutes. So nach und nach bestiegen die Reisenden – fast nur Rucksacktouris - vier oder fünf kleine Kutter mit jeweils zwei Mann Besatzung. Ich ging schließlich mit dreizehn anderen Travellern an Bord und suchte mir gleich einen Platz am Heck des Bootes.
Die Überfahrt war dann kein Spaß. Solange sich die Boote auf den braunen Fluten des Mersing River bewegten, hielt sich der Wellengang noch in Grenzen, aber als unser Kutter aus der Flußmündung hinausfuhr, wurde es wirklich rauh. Durch das Unwetter in der Nacht war das Meer ziemlich aufgewühlt und die kleinen Boote tanzten auf meterhohen Wellen auf und ab. Der Schiffsmotor tuckerte mit voller Leistung und heulte jedesmal wild auf, wenn die Schraube leer durchdrehte beim Abtauchen in ein Wellental. Zum Glück war ich durch die Kabine einigermaßen vor Wind und vor allem Spritzwasser geschützt. Die Passagiere, die sich am Bug einen Platz gesucht hatten, verzogen sich bald in die Kajüte. Mir machte das ständige Auf und Ab eigentlich nicht so viel aus, aber nachdem ich ein japanisches Pärchen gesehen hatte, wie es am Heck laut würgend die „Fische gefüttert“ hatte, war mir auch nicht mehr ganz so wohl.
Bei gutem Wetter sollte die Überfahrt drei Stunden dauern, aber bei diesem Seegang zog es sich hin. Nach etwa vier Stunden tauchten langsam die dunklen Umriße von Tioman auf. Je näher wir der Insel kamen, desto mehr beruhigten sich die Wellen und als der Kutter eine Stunde später endlich am Landungssteg festgemacht hatte, sah das Meer dunkelgrün und wieder friedlich aus. Die Monsunwolken hingegen hatten sich leider nicht verzogen, im Gegenteil.
Viele der ankommenden Passagiere trotteten mit bleichen Gesichtern über den Steg an Land und verteilten sich schnell auf die Bungalows, die gleich nebenan am Ufer standen. Auch eine größere Hotelanlage war zu sehen. Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf Herbergssuche, denn ich hatte vorab nichts reserviert. Die kleinen Hütten sahen alle recht praktisch und gemütlich aus und nach einigem Herumsuchen entschied ich mich für „Nordin´s House“. Das war eine gepflegte Anlage, die aus sechs Bungalows bestand, die mit Wellblech gedeckt und relativ neu waren. Es gehörten auch noch einige originellere Hütten mit Palmblätterdach dazu und eine ganz kleine Singlebude. Genau diese konnte ich auch mieten. Ein wunderbarer Platz, um einige Tage zu entspannen. Hinter den Bungalows bedeckte dichter Dschungel die Hügel und zum – allerdings sehr schmalen - Strand waren es nur wenige Meter. Praktischerweise gab es im Rezeptionsgebäude auch noch ein kleines, einfaches Lokal. Ein jüngeres einheimisches Paar war dafür zuständig.
Während ich mich in meiner Hütte häuslich einrichtete, prasselte der übliche Nachmittagsschauer nieder. Es war fast meditativ, auf der kleinen Veranda im Trockenen zu sitzen und dem herabstürzenden Regen zuzuschauen. Nachdem er aufgehört hatte, genoß nicht nur ich die romantische Abendstimmung direkt am Wasser und es wurde dann ziemlich spät bis ich mich zum Schlafen zurückzog. Wie es der Zufall wollte, traf ich nämlich ein paar bayerische Landsleute aus Wasserburg, die schon zwei Tage vor mir nach Tioman gekommen waren, und natürlich gab´s da viel zu erzählen und zu lachen und der Dosenbiervorrat in der Kneipe wurde stark dezimiert. Ja, die Welt ist klein!
Leider meinte es in den folgenden Februartagen der Wettergott nicht mehr besonders gut. Es regnete fast nur noch. Einige kurze Pausen gab es im Dauerregen, in denen die dunklen Wolken aufrissen. Es war natürlich weiterhin schwülwarm, aber alles tropfte vor Nässe. Viele der Touris zogen deshalb bei nächster Gelegenheit wieder mit den Booten ab. Ich hatte eigentlich auf diesem Tropeneiland eine Woche Sonne, Strand und Meer genießen wollen. Ein Dschungeltreck quer über die Insel zum Ort Juara war auch geplant gewesen, aber der Dauerregen machte mir einen Strich durch die Rechnung. Auch an der Rezeption hieß es, daß vorerst nicht mit einer Wetterbesserung zu rechnen sei.
So nutzte ich nach zwei Tagen, in denen ich viel geschlafen, gelesen und geschrieben hatte, eine Regenpause am Morgen und marschierte etwa vier Kilometer auf einem ziemlich rutschigen Küstenpfad nach Kampung Tekek, dem Hauptort der Insel. Dort gibt es einen kleinen Airstrip und ich wollte mich wegen einer Flugverbindung nach Singapur schlau machen. Ich hatte keine Lust mehr auf eine ungemütliche Bootsfahrt nach Mersing und mein nächstes Reiseziel war ohnehin der Stadtstaat gewesen.
In dem kleinen Abfertigungsgebäude erfuhr ich, daß schon am selben Nachmittag ein Platz zu haben war. Ich zögerte nicht lang, kaufte das Ticket für 105 MYR und marschierte schnellstmöglich zurück zum Camp. Mein Zeug war schnell gepackt, der Bungalow bezahlt. Leider regnete es wieder, als ich ein zweites Mal nach Kampung Tekek marschierte und ich war ziemlich naß, als ich am frühen Nachmittag in dem kleinen Terminal eincheckte. Das Personal schaute ein bißchen komisch, aber es gab keine Probleme bei den Formalitäten. Es war dann sogar noch Zeit zu einer Kaffeepause. Ich schaute dann allerdings auch komisch, als das Flugzeug mit halbstündiger Verspätung landete. So ein Ding hatte ich vorher noch nirgends gesehen. Diese Maschine einer regionalen Charter-Airline kam aus Kuantan und hatte eine Handvoll Golfer mitgebracht, was unschwer an ihrem Gepäck zu sehen war. Mit mir gingen dann zwölf Passagiere an Bord. Es regnete zum Glück gerade nicht, als das Kleinflugzeug zum Ende der kurzen Piste rollte, dort drehte und beschleunigte. Schon nach zwei-, dreihundert Metern hob das Flugzeug ab und drehte in einer steilen Kurve weg von der Insel. Der unruhige Flug – die Maschine flog nicht sehr hoch und wurde immer wieder von Windböen durchgeschüttelt – dauerte 35 Minuten. Wir landeten dann aber sicher in Singapur, auf dem zweiten Flughafen der Stadt, dem Seletar Airport. Keine Schwierigkeiten an der Security.
Es regnete nur wieder mal, als ich kurz darauf mit einem Taxi zum YMCA in der Orchard Road fuhr.
Copyright by: Text und Fotos, Josef Stadler
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da hast dz wirklich pech gehabt mit dem wetter. als wir vor ein paar jahren in tioman waren, hatten wir eine schöne sonnige überfahrt von mersing (zurück mit dem schnellboot). von tioman fuhren wir dann noch zum baden/schnorchenl nach coral island (mit riesenwaranen) alles bei wunderschönem wetter.
wir waren ende mai/anfang juni in malaysia. -
Trotz des schlechten Wetters hast Du viele faszinierende Eindrücke mit nach Hause bringen können. Ein guter und interessanter Bericht.
LG Ursula -
Pechvogel !
Normalerweise schafft der Morgenbus ab Melaka die Mittagsfähre, so dass du keine extra Übernachtung brauchst. Der Morgenbus fährt auch bis 100m vor dem Pier. Die Überfahrt dauert nicht immer drei Stunden, oft reichen zwei Stunden bis Kekek. Dass das Wetter auch noch quertreibt, ist dann dreifach Pech. -
Tioman ist ein interessantes Reiseziel. Schade, dass da Wetter so übel war.
Gut wäre es zu wissen, wann (Jahreszeit) Du dort warst. Das ist sicher für alle Leser hilfreich bei der Planung.
LG Ingrid -
Was solls, das nächste mal hat man wieder Sonne, du hast es sehr unterhaltsam beschrieben.
LG Karin -
@Ingrid
Meine Erfahrung. Gute Reisemonate für Tioman sind der Mai, Juni und der Juli. Regnen kann es aber trotzdem mal. Das bedeutet aber nicht, dass andere Monate schlechter sein müssen.
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