Grönland: Arctic Circle Trail und Ilulissat Eisfjord

Reisebericht

Grönland: Arctic Circle Trail und Ilulissat Eisfjord

Reisebericht: Grönland: Arctic Circle Trail und Ilulissat Eisfjord

Nach Mehrtagestouren in Norwegen, Island und natürlich den Alpen, wollen wir es diesmal wissen: Ins Auge gefasst wurde Grönland, genauer der Arctic Circle Trail. Dieser verläuft 60 Kilometer nördlich des Polarkreises, ist rund 160 Kilometer lang und führt in ca. zehn Tagen vom Inlandeis bis zur Westküste.
Die Organisation der Reise gestaltet sich einfacher und günstiger als gedacht. So liegt denn auch eine Schifffahrt zur Diskobucht mit dem Eisfjord Ilulissats im Rahmen des Reisebudgets.

Kartenausschnitt



Tag 1 - Kangerlussuaq und Russel´s Gletscher

In Kopenhagen entern wir um kurz nach acht die erstaunlich grosse Maschine in Richtung Kangerlussuaq. Der Service ist fabelhaft: Geniessbares Essen, freie Getränke und mehrere TV-Kanäle. Gezeigt wird unter anderem eine Doku über Gerichte mit Grönländischen Produkten, zubereitet im Freien von einem Neuseeländischen Koch (Chris Coubrough) unter Assistenz von Grönländischen Persönlichkeiten, was bereits ein paar nette erste Eindrücke von Land und Leuten vermittelt.
Nach 4.5h, aber dank der Zeitverschiebung nur 30 Minuten nach Abflugzeit, landen wir auf dem ehemaligen US-Armeeflughafen. Es geht direkt via Treppe auf die Landebahn und von dort ein paar Meter weiter ins Hauptgebäude des Flughafens. Alles kommt einem auf Anhieb etwas surreal vor. Der Warteraum für die Passagiere ähnelt eher jenem in einem mittleren Bahnhof, es schliesst sich ein kleiner Souvenirshop an, gefolgt von der Rezeption des lokalen Hotels, welches direkt im Flughafen liegt. Dahinter liegt eine Kantine, welche unter anderem Moschusochsenburger serviert, als wäre es das Normalste der Welt.
Nachdem ich von einem Herrn mit ausgezeichnetem Geschmack zu meinem Hellhammer Shirt beglückwünscht wurde, fragen wir erst einmal an der Hotelrezeption, ob man die Rucksäcke irgendwo lassen kann, da wir direkt zu einer Radtour zum 25km entfernten Inlandeis aufbrechen wollen. Nach einem Blick auf unsere gewaltigen Rucksäcke drückt man uns den Schlüssel zur Putzkammer in die Hand, wo wir die Rucksäcke gratis lassen dürfen. Die erste von vielen netten und angenehm unkomplizierten Gesten.
In einem Packsack verstauen wir Karten, Jacken und ein kleines Picknick und verlassen das Flughafengebäude in Richtung Polar Lodge, welche nur ca. 100m entfernt liegt.
Dort mieten wir Fahrräder für 125 DKK und hinterlassen 200 DKK Depot. Den Fahrrädern sieht man zwar das arktische Klima an in dem sie rumstehen, alles in allem sind sie aber in gutem Zustand.
Auf Kiesstrassen fahren wir in Richtung des 25km entfernten Russel Gletschers. Anfangs klappt das Ganze recht gut und der erste Blick auf die grandiose Landschaft und zurück zum Flughafen, zusammen mit dem langsam einkehrenden Bewusstsein wo auf der Weltkarte man gerade gelandet ist, tragen dazu bei, dass man beinahe vergisst, dass man gerade in die Pedale tritt.

Nach einer Weile wird der Kies allerdings immer grober und mündet schliesslich in ein wüstenähnliches Tal. Zu beiden Seiten finden sich Stellen mit Treibsand und auch auf der Strasse selbst sinken die Räder zu tief ein, als dass man noch fahren könnte. Also wird der Drahtesel über weite Strecken geschoben. Trotzdem erreichen wir nach ca. 3h den Anfang eines Trampelpfads zum Gletscher, wo bereits drei Pick-Ups geparkt sind.
Ca. 30 Minuten später ragen vor uns die gigantischen Eiswände des Gletschers empor und der Blick verliert sich im Weiss des Inlandeises, das in den Horizont übergeht. Wasserfälle aus Schmelzwasser donnern über die rötlichen Felsen, in deren Wassernebel Regenbogen aufleuchten. Ein gigantischer Eindruck, der einem die teils sehr mühselige Anreise vergessen lässt.

Nach einem Imbiss kehren wir um, mit der Hoffnung, dass die Pick-Ups immer noch neben unseren Fahrrädern stehen und uns eventuell samt Rädern nach Kangerlussuaq mitnehmen. Und tatsächlich, als wir die kurz nach uns vom Hügel steigenden Lenker ansprechen, sind diese netterweise dazu bereit. Gesprochen wird kaum, aber es scheint sich um einige der in der Region tätigen Forscher zu handeln, da sie amerikanisches (kanadisches?) Englisch sprechen. In flottem Tempo heizen wir durch das Sandflugdal und sind wirklich dankbar, dass wir uns nicht strampelnderweise zurückquälen müssen. Weniger beglückt ist ein Polarhase, der entsetzt vor der anrollenden Kolonne Reissaus nimmt.
Als wir die Räder von der Ladefläche hieven, bemerken wir, dass ein Schloss auf der holprigen Fahrt verloren gegangen ist. Wir holen die Rucksäcke wieder im Flughafengebäude ab. Die Rezeption der Polar Lodge ist bereits geschlossen als wir zurückkommen und so bauen wir unser Zelt (gemäss Anweisung) ums Eck auf dem Gelände des Materialdepots des Flughafens direkt neben der Landebahn auf. Nicht sehr romantisch, aber dafür aussergwöhnlich.
Nach der ersten Trangiamahlzeit, einem kühlen Bier und 2-3 Kaffee Schnaps mit dem eigens importieren freiämter Zwetschgenbrand vom Bauernhof, geht der erste Tag zu Ende.



Kangerlussuaq International Airport



Tag 2 - Kangerlussuaq, Kellyville und Zeltplatz am Badesee

Als wir am nächsten Morgen den Verlust des Schlosses bei der Polar Lodge melden, wird dieser zwar zur Kenntnis genommen, das Depot kriegen wir aber dennoch vollumfänglich zurück. Bereits die zweite nette Geste. Wir bezahlen die 75DKK für’s Zelten, packen zusammen und suchen die lokale Polizei um uns abzumelden und die ungefähre Ankunftszeit in Sisimiut anzugeben, wie es auf diversen Netzseiten und im Wanderführer beschrieben wird. Wir finden den Polizisten im Flughafengebäude vor, in das gerade angekommene Passagiere aus Kopenhagen strömen. Erst einmal werden wir gefragt ob wir Deutsche seien, was wir verneinen und unsere wahre Identität preisgeben. Der nette Herr weist uns darauf hin, dass solche An- und Abmeldereien nur Notwendig seien, wenn man sich auf das Inlandeis begibt. Die Wanderung sei keineswegs gefährlich und nichts anderes als „bei euch daheim in den Alpen“. Wir nehmen das dankend zur Kenntnis und machen uns auf in Richtung Kellyville, eine Forschungsstation ca. 18km vom Flughafen entfernt und Startpunkt des Arctic Circle Trail. Nach der guten Erfahrung vom Vortag hoffen wir erneut auf eine Mitfahrgelegenheit, da der Weg dieser ersten Etappe aus einer nicht gerade spannenden Schotterpiste besteht. Bereits nach ca. 1km haben wir Glück. Ein Pick-Up hält an und wir dürfen auf der Ehrenloge des Laderaums Platz nehmen. Bei gefühlten 25°C und strahlendem Sonnenschein ein gefreutes Freilufterlebnis.
Kurz vor Kellyville werden wir abgesetzt. Benzingeld wird, wie schon am Vortag, dankend abgelehnt und man wünscht uns frohes Wandern. Nach ca. einer Stunde erreichen wir die auf einer Anhöhe installierte Radarschüssel und die provisorische Siedlung von Kellyville, wo wir auch den sympathischen Polizisten wieder antreffen, der im Dienstwagen einen Familienausflug macht und uns sicherheitshalber den Startpunkt des Weges zeigt.
Dieser beginnt an einigen Betonpfeilern, welche wohl ehemals als Träger für weitere Satellitenanlagen dienten und weit markanter sind als die im Tourenbeschrieb erwähnten Steinmännchen.
Wir verlassen die Kiesstrasse und folgen dem gut erkennbaren Trampelpfad an das Ufer eines ersten Sees. Es ist direkt spürbar, dass man ab hier die Zivilisation endgültig hinter sich lässt. Nachdem wir ein letztes Boot und ein rostiges Hüttenprovisorium aus einem alten Wohnwagen und ein paar Brettern passieren, treffen wir auch keine Spuren der selbigen mehr an. Die Landschaft ist geprägt vom Grün der Sträucher und Gräser und von in der Sonne glitzernden Seen und breitet sich weit vor einem aus. Die vorerst spärliche Anzahl der Steinmännchen und die ständig mehr werdenden Rentiergebeine lassen auf die Verlässlichkeit des Kompasses und der errechneten Gradabweichung hoffen, was sich aber in den folgenden Tagen glücklicherweise als nicht verwendete Rückversicherung erweisen wird.

Etwas weiter treffen wir auf die ersten anderen Wanderer, welche gerade mit Baden beschäftigt sind. Wir machen in angemessener Entfernung eine kurze Rast. Als die Truppe aufgebrochen ist und eine gute Strecke vor uns liegt brechen auch wir auf und zwei weitere Wandervögel kommen uns entgegen. Glücklicherweise, denn Madame waren beim Rasten die Handschuhe aus dem Rucksack gefallen, was registriert und uns mit Gebrüll vermittelt wird.
Bevor wir den in der Karte verzeichneten ersten Zeltplatz erreichen, beschliessen wir unser Zelt an einem wunderschönen Platz an einem kleineren und flachen See mit einigen Inseln aufzuschlagen. Das Wasser ist erstaunlich warm und so passiert das, worüber wir dauernd Witze gemacht haben: Badeferien auf Grönland!
Da ohnehin weit und breit kein Mensch zu sehen ist stilecht im Naturkostüm, zur Förderung der arktischen Freikörperkultur.

Nach dem Verputzen der Mahlzeit aus der Trangia-Feldküche werden noch ein paar Runden Durak (russ. Kartenspiel) geschmissen und der Herr gönnt sich noch ein Innerschweizer Energiewarmgetränk, da auf die Mitnahme von Dosenbier bei bereits 28kg Rucksackgewicht dann doch schweren Herzens verzichtet wurde.



Erster Zeltplatz auf dem Arctic Circle Trail



Tag 3 - Bis zum See Amitsorsuaq

Die Wärme im Zelt treibt uns erst aus den Schlafsäcken und etwas später auf die Beine. Da es ohnehin 24 Stunden hell ist, haben wir beschlossen nichts zu überstürzen und die innere Uhr walten zu lassen. Nach dem Frühstück wird die Kompaktvilla abgebaut und wir nehmen die nächste Etappe in Angriff. Der in Kangerlussuaq eingeholte Wetterbericht, der für die nächsten Tage bestes Wetter versprach scheint sich zu bewahrheiten. Marschiert wird in hochgekrempelten Hosen und Shirt.
Wir erreichen den in der Karte verzeichneten, auch sehr schön gelegenen Zeltplatz, wo eine sumpfige Landzunge zwei Seen trennt. Da der Sumpf tief ist und von Bächlein durchflossen wird, beschliessen wir von Wanderschuhen auf Crocs zu umzuschuhen. Da diese aber im Matsch stehend regelrecht angesaugt werden, macht der Schweizer Wanderfalke eine ungewollte, wenngleich sehr akrobatische Pirouette als er stecken bleibt und tunkt dabei seine Wanderschuhe ins Wasser. Aber da man sich nasse Schuhe von anderen Touren gewohnt ist, ist das halb so wild und bereits nach 2-3 Stunden gehen die Schlappen wieder als trocken durch.
Es geht bergauf durch unverändert schöne Landschaft, die mich tatsächlich teilweise stark an die Alpen erinnert. In einer kleinen Talsenke treffen wir auf des erste lebendige Rentier, welches alles andere als scheu auf fast zwei Meter näher kommt und dann weiter zottelt.

Wir erreichen die erste Hütte mit dem wohlklingenden Namen Katiffik am sehr grossen See Amitsorsuaq, der an einen Fjord erinnert. Dort wird am Strand des Sees bei der Hütte gerastet, ein wenig im merklich sehr viel kälteren Wasser herumgekneipt und dann die Feldküche angeschmissen.
Wir begutachten kurz die nicht gerade einladende Hütte, hinterlassen den ersten Eintrag in Zentralschweizer Dialekt im Hüttenbuch und steuern einen der in der Karte verzeichneten Zeltplätze am Seeufer an, an welchem der Weg die nächsten zwei Tage entlangführt. Dort angekommen stellen wir allerdings fest, dass der Sandstrand nachvollziehbarerweise bereits von den Badefreunden, die wir am Tag zuvor antrafen in Beschlag genommen wurde.
Wir beschliessen also noch ein Stück weiter zu gehen und den nächsten geeigneten Platz gemäss Karte anzusteuern. Die rund zwei Stunden Extramarsch, inklusive Kraxel-Querung von Blockfeldern, sind dann aber doch recht ermüdend und wir sind froh, als wir endlich an einem ebenso sehr schönen Platz unser Zelt aufbauen können. Gegen die mehr gewordenen herumschwirrenden Mücken wird ein kleines Feuer aus herumliegendem dürrem Gebüsch entfacht, welches zusammen mit den zahlreichen aneinander gelehnten Rentiergeweihen und der Abendstimmung für die richtige Atmosphäre sorgt.
Beim Abendkaffee kommen erste Bedenken über das Ausreichen der mitgeführten Kaffeeration auf. Es wird der Beschluss gefasst nur noch morgens richtigen Kaffee zu trinken und sogar der Kaffee Schnaps wird kurzerhand zum Holdrio transformiert.



Rentier Nr. 1



Tag 4 - Entlang dem Amitsorsuaq

Am vierten Tag geht es weiter dem Ufer des Sees entlang. Ohne Blockfelder, ohne grössere Steigung. Alle paar Minuten nehmen vor einem kleine Vögel zu einem Sprint Anlauf und flattern dann doch davon.
Wir erspähen das Kanu-Center, welches vor uns auf einer Landzunge im See liegt. Dort angekommen, macht dieses aber nicht gerade einen gemütlichen Eindruck. Die Umgebung des relativ grossen Gebäudes ist reichlich verdreckt, nicht zuletzt vom Popomarzipan all derer, die zu faul waren ihren Rücken in einigem Abstand zur Hütte zu schnäuzen. Das innere der Hütte sieht zwar passabel aus, jedoch verbreiten Lebensmittelreste einen üblen Gestank.

Wir finden dennoch ein Plätzchen am Ufer, das ganz ordentlich aussieht und essen dort.
Danach geht es noch ein Stück dem Ufer entlang, bis wir den Abfluss des Sees erreichen. Hier finden wir einen idealen Zeltplatz auf einer kleinen Landzunge. Unweit davon sind die frei verfügbaren Kanus des Centers gestapelt, auf welche wir eigentlich auf der genau anderen Seite des Sees gehofft hatten, um einen Teil der Strecke paddelnderweise zurückzulegen.
Eine Abendrundfahrt lassen wir uns dennoch nicht nehmen. Die Kanus sind, in Anbetracht ihres Alters und der Tatsache, dass sie niemandem mehr gehören, in einem recht guten Zustand. Wir steuern ein paar der kleinen Inseln an und freuen uns über die Abwechslung in Sachen Fortbewegungsmethode, auch wenn sie uns zum Ausgangsort zurückführt.



Amitsorsuaq mit Kanu Center



Tag 5 - Vom Amitsorsuaq ins Fjell

Wir laden unsere Rucksäcke in zwei Kanus und wollen die kurze Strecke vom Zeltplatz zum Seeabfluss paddeln. Starker Gegenwind treibt uns aber vorerst in die genau andere Richtung und es dauert eine Weile, bis wir die Sache in den Griff bekommen.
Weiter geht es zu Fuss entlang dem Wildbach der aus dem See fliesst. Es wird erstmals ein wenig kühler, was uns sehr gelegen kommt. Der Weg steigt an und als wir den Hügelkamm erreichen, erblicken wir einen weiteren grossen See. Schliesslich erreichen wir einen Strand, der eher an Griechenland als an die Arktis erinnert und machen dort „Mittagsrast“ (es ist wohl ca. 1800).

Der Weg führt weiter an den Fuss felsiger Hügel, welche anschliessend zu ersteigen sind. Der Pfad ist steil, aber für den alpengewohnten Wanderer eine ganz angenehme Abwechslung. Ca. 400 Höhenmeter später haben wir das Fjell erreicht. Zahlreiche Bergseen und eine grandiose Aussicht prägen diesen Abschnitt. Durch das Panorama wird einem die Weite und Verlassenheit dieser Landschaft eindrücklich bewusst.

Als Tagesziel haben wir uns eine Hütte im Fjell vorgenommen, welche aber einfach nicht in Sicht kommen will. Auch wenn es nie dunkel wird, so ist es doch merklich spät geworden und wir sind aufrichtig müde. Bereits nach Zeltplätzen suchend, bemerken wir die durch ihre graue Farbe in der Dämmerung gut getarnte Hütte in nicht mehr allzu weiter Ferne.
Ausnahmsweise wären wir sogar bereit gewesen auf die Kompaktvilla zu verzichten und in der Hütte zu nächtigen, diese war allerdings schon besetzt. An einem See direkt bei der Hütte wurde also das Zelt aufgebaut.



Arktischer Strand



Tag 6 - Vom Fjell zu OIes Lakseelv

Heute wird die Sache langsam angegangen. Nach dem Frühstück spielen wir bei strahlendem Sonnenschein noch ein wenig Karten auf einem Fels. Auch die Däninnen und Grönländerinnen, welche in der Hütte genächtigt hatten, verfolgten die gleiche Strategie. Als diese und die grösste Wärme des Tages sich verzogen hatten, packten auch wir unser Zeug zusammen und machten uns auf den Weg. Bei der Hütte trafen wir auf ein Grüppchen Deutscher, welche wir fortan fast täglich antrafen, da sie jeweils morgens und wir eher abends liefen. Diese erzählen uns auch von zwei Mädels, die schlecht ausgerüstet und unerfahren unterwegs sind, das Defizit aber durch ein Satellitentelefon und ein paar Dosen Red Bull ausgeglichen haben. Sie hätten bereits ihre mückenstichbedingten, sich ausbreitenden Entzündungen mit Antibiotika behandelt. Wir hoffen den beiden unterwegs nicht die letzte Ölung erteilen zu müssen und marschieren endgültig los.
Vorerst geht es wiederum steil bergauf. Ein paar graue Wolken ziehen hoch am Himmel auf. Dennoch sieht es nicht nach Regen aus und da unsere Körperbräune bereits eher an einen Mallorca-Urlaub erinnert, sind wir darüber nicht unglücklich. Ausserdem wird die einmalige Atmosphäre im Fjell dadurch nur gefördert. Die Seen über welche die dunklen Wände ziehen und das im Kontrast noch intensivere Grün gehören zu den stärksten Eindrücken der Wanderung.
Kurz darauf öffnet sich der Blick hinab in ein kilometerweites, sumpfiges Tal, gesprenkelt mit einigen Seen und an seinem rechten Ende kurvig durchflossen von Oles Lakseelv, welchen wir zu überqueren haben.

Kaum in das Tal abgestiegen, begrüssen uns schwärme von Moschusochsenfliegen, welche sich als grosse Wolke um unsere Köpfe tummeln. Sie werden sich auch die nächsten Tage noch als unangenehme, aber treue Begleiter erweisen, welche sich für unser elite DEET-Mückenmittel herzlich wenig interessieren.
Die Querung des Tals ist ausserdem eine recht sumpfige Angelegenheit, klappt aber alles in allem gut. Als wir vor dem zu querenden Fluss stehen, präsentiert sich der Wasserstand als hoch. Da es drei Kilometer stromabwärts eine Brücke geben soll, beschliessen wir diese anzusteuern.
Vorbei an einem im Fluss gestrandeten, ordentlich grossen Boot, welches wir erst als Fähre in Erwägung ziehen, folgen wir einem Trampelpfad. Dieser verliert sich allerdings nach geraumer Zeit, so dass wir so gut es die Kriechweiden und Sumpflöcher zulassen dem sich schlängelnden Fluss folgen; immer noch permanent umschwirrt von tausenden Moschusochsenfliegen.
Eine Brücke will sich nicht zeigen. Also wird die erste als furtbar eingestufte Stelle angepeilt. Ein Probeversuch ohne Gepäck klappt, wenngleich das Wasser bis zum Nabel steht und auch recht stark strömt. Der Herr der Schöpfung zeigt Manieren und spielt das Rucksackmaultier. Danach wird die Dame hinübergeleitet.

Da uns das Insektengesocks den letzten Nerv raubt, stellen wir das Zelt direkt auf der anderen Seite des Flusses auf und sperren die Viecher aus, um in Ruhe zu trocknen. Die Tierlein prasseln auf das Zelt als würde es in Strömen regnen und an die tausend Mücken kleben gierig am Insektennetz des Innenzelts. Wir entspannen uns indem wir abwechslungsweise Karten spielen und Mücken zwischen Innen- und Aussenzelt zerdrücken. Ein aufkommender Wind beruhigt die Situation ein wenig und es wird beschlossen im offenen Vorzelt zu kochen. Gestrüpp und unebener Untergrund führen dazu, dass ein wenig Spiritus verschüttet wird und die Inbetriebnahme des Trangias beinahe in einem Inferno endet. Zelt und Besatzung nehmen allerdings keinen Schaden. Trotzdem wird beschlossen das Kochstudio in gebührendem Abstand auf ebener Fläche einzurichten, was in ein paar eingeatmeten und verschluckten Moschusochsenfliegen seitens des Chefkochs und einer wohlverdient schmackhaften Mahlzeit im Zelt endet.



Im Fjell



Tag 7 - Von Oles Lakseelv über ein Fjell zu einem See

Ausgeschlafen verlassen wir Oles Lakseelv. Der Weg steigt an und wir erreichen schon bald eine Hütte, welche das eigentliche Tagesziel vom Vortag war. Da der nächste Bach mit Trinkwasser rund 300m von der Hütte entfernt ist und nur direkt bei der Hütte schöne Zeltplätze auszumachen sind, bereuen wir den Entschluss vom Vortag nicht, direkt nach der Furt aufgebaut zu haben.
Das deutsche Grüppchen ist bereits dort und berichtet, dass die zuvor erwähnten Mädels nun per Boot evakuiert würden. Immerhin hat das Satellitentelefon seinen Zweck erfüllt.
Von der Hütte geht es erst über den Bach. Ab dort steigt der vorerst breite Weg weiter an. Auf der Höhe angekommen, wandern wir wieder durch eine eindrückliche Fjelllandschaft und erspähen gar einen der Schneehasen, der scheinbar weit weniger scheu ist als weithin beschrieben.
Der Blick wird frei auf mehrere Seen, welche zwischen den schroffen Hügeln glitzern. Der Pfad führt uns zu einem derselben, wo wir auf einem Felsvorsprung mit tollem Ausblick Rast machen. Ein angenehmer Wind vertreibt den grössten Teil der lästigen Moschusochsenfliegen.

Es geht noch ein gutes Stück weiter. Am Ende eines langgezogenen Sees dessen Ufer wir abwandern finden wir schliesslich einen 1a Zeltplatz. Schnell wird ein in der bereits vorhandenen Steinumrandung ein Feuer entfacht um das Gefleuch zu vertreiben, das einem permanent um und
- via Nase, Ohren und Augen - auch in den Schädel säuselt und uns fast in den Wahnsinn treibt. Ab nun kehrt Ruhe ein und wir können bei einem gepflegten Holdrio erstmals ungestört die Landschaft betrachten, die im mattgoldenen Licht der Mitternachtssonne besonders imposant wirkt.



Feuer gegen die Moschusochsenfliegen



Tag 8 - Schöne Hütte am See und hinauf ins Fjell

Der Tag präsentiert sich vorerst sonnig und der Herr nutzt die Gelegenheit für weitere arktische Schwimmübungen und sogar eine rudimentäre Kleiderwäsche wird durchgeführt.
Dann geht es weiter. Mittlerweilen sind wieder dichte Wolken aufgezogen, was das Wandern weit angenehmer macht. Wir erreichen ein breites, weit verzweigtes Flusstal. Kurz darauf gilt es eine im Tourenbeschrieb als heikel klassifizierte Feuchtwiese an einem See zu queren, die aber nicht viel mehr als ein Bisschen Matsch zu bieten hat und problemlos gemeistert wird. Wenig später sehen wir auf dem Hügel die eine von, (laut Karte) zwei dicht beieinander liegenden Hütten. Nr. 2 erweist sich als kleines Schmuckstück direkt an einem grossen See, dessen Wasser der Wind aufpeitscht. Es ist erstmals kalt geworden und so nutzen wir die Hütte für eine kurze Pause. Im Hüttenbuch erfahren wir, dass eine Einheimische aus Sisimiut gerade das gleiche wie wir macht – nur in umgekehrter Richtung und in 36h. Als das vertraute Grüppchen eintrifft , das in der wirklich sehr hübschen Hütte zu nächtigen gedenkt, tauschen wir uns noch ein wenig aus, dann ziehen wir weiter entlang dem See an dem die Hütte liegt.

Der Weg steigt sachte aber stetig an und alsbald befinden wir uns wieder im Fjell. Hier geht ein rauer Wind und das Wetter entspricht erstmals ungefähr dem, was wir eigentlich erwartet hatten. Mehrere Rentiere, meist Muttertiere mit ihren Jungen, kreuzen unseren Weg. An einem kleinen Bergsee bauen wir unser Zelt an einer durch Felsblöcke zusätzlich geschützten Senke auf. Wir essen im Zelt, da wir befürchten beim kalten Wind am Blechnapf festzufrieren.
Die Nacht gestaltet sich aber Dank Zelt und Schlafsack dennoch gemütlich. Der Wind schüttelt zwar die Behausung ein wenig, jedoch eher in beruhigender als alarmierender Stärke. Nur ein paar dicht am Zelt vorbeizottelnde Rentiere wecken uns nachts kurz auf.



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Tag 9 - Vom Fjell ins Flusstal

Der Blick zurück zum Zeltplatz am nächsten Tag ist gewaltig. Hinter dem See erhebt sich ein Bergmassiv, das mich stark an den Pilatus erinnert und ruft mir in Erinnerung, dass wir gerade ein Gebiet grösser als die gesamte Zentralschweiz durchqueren, mit dem Unterschied, dass hier die permanente Bevölkerung 0 Personen beträgt.
Der Fjell mündet in ein Flusstal, welches in sattem Grün zwischen gewaltigen Felswänden liegt. Wir folgen einem gut ausgetretenen Pfad oberhalb der Steinmännchen, welche den eigentlichen Wegverlauf markieren. Die Aussicht ist von hier besser und auch der Weg unten im Tal bleibt dauernd im Blickfeld. Ganze Büsche der grönländischen Nationalblume blühen und Hüfthohe Kriechweiden bilden kleine Wälder.

Schliesslich führt unser Pfad hinab zum Hauptweg und an eine kleine, rote Hütte. Hier treffen wir wiederum auf das Grüppchen aus Deutschland, welches gerade Glück beim Saibling-Angeln hatte. Ein wenig bereuen wir es nun, keinen Haken und Nylonschnur dabei zu haben. Zeit genug unser Glück zu versuchen hätten wir ja.
Unweit davon gilt es einen Bach über glitschige Steine zu queren. Wir finden eine geeignete Stelle und wandern weiter dem Fluss entlang.
An einer Sandbank am Fluss machen wir Rast und Essen. Es sieht nach Regen aus, 2-3 Tropfen fallen, aber mehr will nicht passieren. Uns soll’s recht sein.
Am Ende des Flusstales durchqueren wir einen regelrechten Dschungel aus Kriechweiden, die uns teilweise gänzlich verschlucken.
Der Fluss verschwindet in einer Schlucht und wir müssen kurz auf die andere Seite, um an deren Ende wiederum ans andere Ufer zu gelangen. Gänzlich ist der Fluss nicht von Stein zu Stein zu queren, also schnuppern die Mauken kurz Freiluft und werden durchgespült. Kaum zehn Minuten später das gleiche Spiel noch einmal.
Da es bereits relativ spät ist, bauen wir das Zelt an einem Sandstrand am Fluss auf. Es wachsen die typischen violetten Blumen und das Wollgras am Ufer hebt sich markant vom Grün ab. Die Wolken haben sich beinahe gänzlich verzogen und wir verbringen einen gemütlichen Abend.
Plötzlich hören wir seltsame Schreilaute. Unweit schaut ein wuscheliges Gesicht aus dem Gebüsch. Ein Polarfuchs ist sichtlich irritiert von unserer Anwesenheit – oder angezogen von der leeren Dose der Büchsenwurst, die mir den Abend versüsst hatte. Er schleicht sich, immer noch unter lautem Gequietsche, näher heran. Das seltsame Verhalten lässt kurz an Tollwut denken, allerdings verzieht sich der kleine Kerl schnell, als wir ihn anbrüllen. Sicherheitshalber schmeisse ich die Dose für die Nacht ein paar Meter vom Zelt weg, während sich die Dame bewaffnet mit ihren Wanderstöcken zur Ruhe bettet. Die Nacht bleibt aber ruhig und die Dose liegt am nächsten Morgen unangerührt an der gleichen Stelle.



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Tag 10 - Kangerlussuaq Tulleq und Hochtal

Heute erreichen wir den Kangerlussuaq Tulleq, einen Fjord, der bis nach Sisimiut führt. Allerdings kommen wir erst zu einem grossen See, der sehr idyllisch gelegen ist und erst einmal zur Mittagsrast einlädt.
Als wir weiter wandern versperrt uns ein Bach den Weg. Damit nicht beide die Schuhe ausziehen müssen, befördert der starke Held nicht nur die Rucksäcke, sondern auch gleich seine Holde ans andere Ufer.
Der Weg steigt durch dichte Wollgrasfelder langsam an und schon bald eröffnet sich der Blick auf den majestätischen Fjord.
In der Karte verzeichnete Hütten und einige Jagdhäuschen sind zu sehen. Kurz darauf dann auch die im Tourenbeschrieb erwähnte Hütte über dem Fjord. Wiederum ziehen wir an dieser vorbei und folgen dem Pfad hoch über dem Fjord, durch einige von kleinen Wasserfällen gespeiste Sumpfgebiete. Dann steigt der Weg wiederum an. Nach ca. einer Stunde ist die Anhöhe erreicht und bietet einen grandiosen Blick zurück auf den Fjord und das Gebirge.

Es geht weiter durch ein alpines Hochtal mit einigen wollgrasumwachsenen Teichen. Die Gipfel glühen im Abendrot, als wir an einem Bergsee unseren Zeltplatz erreichen.
Wir schwanken etwas zwischen Wehmut, da der Weg am nächsten Tag zu Ende sein wird und der Vorfreude auf eine warme Dusche (vorw. weiblicher Teil des Teams) und kühles Bier (vorw. männlicher Teil des Teams).



Wollgras



Tag 11 - durch das Hochtal nach Sisimiut

Der letzte Tag bietet uns eine wunderbar alpine Landschaft. Vorbei an Bergseen und kleinen Bächen geht es durch ein Hochtal, welches in einer weiten Senke mündet. Ein wenig sieht es hier aus wie auf der Melchsee-Frutt. Nur ohne Seilbahnen und Inder. Bald stösst man dann aber doch auf die Pfeiler eines Skilifts und ein dazugehörendes Gebäude.

Dann taucht in der Ferne erstmals das offene Meer auf. Etwas später erhascht man einen ersten Blick auf Sisimiut, das auf einer flachen Anhöhe erscheint. Noch kommt einem das Ganze etwas schräg vor, nachdem man 10 Tage im höchsten Fall an kleinen Hütten vorbeikam.
Der Weg führt hinab und nachdem wir einen kleinen See hinter uns gelassen haben erreichen wir eine Schotterstrasse. Es tauchen die ersten Schneescooter-Verbotsschilder auf. Dann Hundehütten vor denen die Grönlandhunde in der Sonne dösen. Und doch kommt uns so kurz vor dem Ziel der Weg bis ins eigentliche Städtchen ewig vor.
Dann erreichen wir die Hauptstrasse und die bunten Holzhäuser werden links und rechts davon immer mehr. Bald schon tauchen auch die ersten Blocks auf, die aber weit weniger heruntergekommen aussehen als das immer wieder beschrieben wird. Die meisten Autos die an uns vorbeifahren, sind als Taxi markiert. Nicht nur weil wir seit Tagen keinen mehr gesehen haben erstaunt uns der rege Strassenverkehr, sondern auch weil dieser in Ermangelung eines relevanten Strassennetzes kaum über die Ortsgrenze kommt.
Wir versuchen unser Glück vorerst beim Seemannsheim, mit dem wir vor zwei Jahren in Dänemark schon gute Erfahrungen gemacht haben. Die Dame an der Rezeption gibt sich redlich Mühe für uns verständliches Englisch zu sprechen, was aber bei einem Zimmerpreis von ca. 110 Euro pro Person leider vergebens ist. Sie verweist uns dann aber an die örtliche Schule, welche im Sommer als Touristenlager dient. Also marschieren wir wieder zurück. Angekommen versetzen wir die gesamte Belegschaft in Aufruhr, die emsig nach jemandem sucht, der des Englischen mächtig ist – schliesslich mit Erfolg.
Die nette Dame erklärt uns, dass gerade das gesamte Telefon- und Handynetz zusammengebrochen sei und sie daher die zuständige Person nicht erreichen könne, sie sei aber um 2000 wieder hier. Ausserdem erfahren wir, dass es sich um ein Matratzenlager in einer Turnhalle handelt, was zwar sehr günstig und nicht ohne einen gewissen Charme ist, uns ist aber dennoch nach einem richtigen Bett zumute. Am gegenüberliegenden örtlichen Hotel sehen wir einen Anschlag, dass dieses auch ein Hostel beherbergt. Wir fragen an der schicken Rezeption an und man bestätigte uns, dass noch Doppelzimmer mit Bad frei sind und das für ca. 50 Euro pro Person. Erleichtert nehmen wir das Angebot an und finden ein schönes, sauberes und unsere Erwartungen übersteigendes Zimmer vor. Dank der skandinavischen Sitte, Filme und Serien im Originalton zu zeigen, können wir sogar vom vorhandenen Fernseher Gebrauch machen.
Vorerst versuchen wir aber erst einmal unsere gigantischen Rucksäcke strategisch sinnvoll zu platzieren und richten uns für die vier Nächte, die wir in Sisimiut zubringen ein.
Madame wendet sich vorerst einer ausgedehnten Waschung ihrer Garderobe und sich selbst zu, während Monsieur neugierig in Richtung Hotelbar schleicht und zufrieden ein, wenn auch nur viel zu kleines, Bier ergattern kann.



Alpine Landschaft der letzten Etappe



Tag 12-14 - Sisimiut


Die nächsten drei Tage verliefen gemütlich. Wir orderten jeweils erst das üppige Frühstück im Hotel samt Rührei und Speck und machten uns dann auf die Stadt zu erkunden. Obwohl selbst für Schweizer Verhältnisse klein, bietet Sisimiut doch einiges. Gleich mehrere moderne Supermärkte haben alles was das Herz begehrt. Nur stellten wir fest, dass Bier nicht nur in homöopathischen Fläschchen mit 0.33l Inhalt zu hohen Preisen verkauft wird (ca. 2 Euro pro Flasche), sondern zudem auch nur von 12-18 Uhr. Dafür war die restliche Verpflegung weit günstiger als erwartet. So wurden zum Beispiel in den grösseren Supermärkten warme Mahlzeiten für ca. 5 Euro angeboten. Die Verkostung vom Braten an Béchamelsauce mit Kartoffelgratin und Gemüse war ein durchweg positives Erlebnis.

Wir entdeckten natürlich auch bald das Kneipenviertel. Die zwei Trinkhäuser liegen direkt gegenüber und versuchen sich die Gäste mit unterschiedlichen Konzepten abzujagen. Zuerst enterten wir ein gemütliches Pub, das praktisch leer war. Das Bier ist ohnehin überall das gleiche (Tuborg oder Carlsberg, 0.33l) und kostet auch gleich viel (ca. 5 Euro, Betonung auf viel).
Gegenüber staunten wir nicht schlecht, als wir plötzlich in einer Art Disco standen, wo die Musik aus den Boxen hämmerte und sich die ersten Gäste schon mal warm tranken um die Tanzfläche zu entern. Sogar eine kleine Bühne für Auftritte war vorhanden.
Tags darauf entdeckten wir dann auch noch den Billardclub, der mit Abstand die meisten Gäste aufwies. Könnte daran liegen, dass das Bier hier mehr als 1 Euro günstiger war. Hier trafen wir erstmals auf die oft beschriebenen trinkfreudigen Einheimischen. Einige betrieben kreatives Schlafen auf Barhockern, andere spielten Kegelbillard und einige setzten sich spontan zu uns, prosteten uns zu und interessierten sich sehr für die Schweizer Spielkarten. Alles in allem eine witzige Angelegenheit.
Einen Abend beschlossen wir dann einen akuten Stilwechsel und speisten im Restaurant des Hotels. Eine Aktion die sich auf ganzer Linie gelohnt hat. Zwar verhältnismässig teuer, aber mehr als gerechtfertigt. Ich darf mit Fug und Recht behaupten schon lange nicht mehr so gut gegessen zu haben. Als Vorspeise wurde eine grandiose Fischsuppe kredenzt, voll mit Schrimps und gekrönt von einem herrlichen Stück Fisch mit knusprig gebratener Haut. Darauf folgte ein à point gebratenes Filet vom Moschusochsen mit einer köstlichen Sauce, welche durch Heidelbeeren eine tolle Note erhielt. Dazu gab es mit Meersalz verfeinerte Kartoffelschnitze. Grandios!



Altstadt von Sisimiut



Tag 15 - Auf See

Nach den müssigen Tagen geht es weiter. Wir decken uns mit Hering, Schinkensalat, Gurken, russischem Salat und Brot ein und entern die „Sarfaq Ittuk“, welche uns durch den arktischen Atlantik nach Ilulissat bringt.

Als Binnenländer ist so eine Schifffahrt natürlich immer etwas Spezielles. Aber dann auch noch nördlich des Polarkreises an der Küste Grönlands entlangzuschippern krönt die Sache.
Mit Blick auf Sisimiut verzehren wir unser Mahl und setzen uns dann in die gemütliche Cafeteria, unterbrochen von diversen Spaziergängen an Deck um einen Blick zurück auf Sisimiut und die Schärenlandschaft zu erhaschen.
Wir holen das Zwetschgenwasser aus dem Rucksack und machen uns einen schönen Abend, der im Salon (Aufenthaltsraum mit Kaffeemaschine und grossen Fenstern) an den sich der Kinoraum anschliesst (gezeigt wird der Familienfilm „das Schweigen der Lämmer“) ausklingt. Eigentlich haben wir irgendwo einen Schlafsessel oder ähnliches gebucht, wir bleiben aber direkt vor Ort auf den Sofas liegen.



Fähre von Sisimiut nach Ilulissat



Tag 16 - Ilulissat

Schiff legt kurz in Aasiaat an, welches aber bereits von der Küste überschaubar und wenig anders als Sisimiut scheint. Wir trinken also erst mal einen Kaffee und dösen noch ein wenig.
Dann tauchen bald die ersten Eisschollen auf und der Kapitän weist auf die nahe am Schiff vorbeischwimmenden Wale hin. Nach etwas Frischluft und Walbegutachtung an Deck Frühstücken wir in der Cafeteria. Stilecht mit Leberpasteten- und Roastbeefsmørrebrød zu freundlichen Preisen. Angenehmerweise besteht die Mehrheit der Passagiere aus Einheimischen. Wir hatten schon befürchtet auf einer teutonisch dominierten Seniorenkreuzfahrt zu landen.
Die Eisberge werden ständig mehr und das Schiff steuert auf eine weisse Wand zu. Zuerst halte ich den Kurs für einen Scherz, aber wir fahren tatsächlich mitten durch. Ein einmaliges Erlebnis, das für Stunden anhält.
Schliesslich laufen wir im Hafen von Ilulissat ein und gehen an Land.

Es ist spürbar, dass hier mehr Touristen verkehren als in Sisimiut. Es gibt merklich mehr Kneipen und Hotels. Wie St. Moritz sieht es natürlich dennoch nicht aus. Im Grossen Ganzen dominieren die bunten Häuser und wesentlich mehr Leute scheinen in der Fischerei als in der Hotellerie beschäftigt zu sein.
In der örtlichen Diskothek, welche auch ein Pub und eine Thailändische Cafeteria enthält, finden wir auch eine der Touristeninformationen und fragen nach Zimmern. Wir erhalten direkt eines im selben Haus, welches sich auch gleich noch als Hotel herausstellt. Wiederum haben wir Glück und bekommen für einen guten Preis (rund die Hälfte der Hotelpreise) ein frisch renoviertes, ordentliches Zimmer mit Bad.
Wir erkunden ein wenig die Ortschaft und machen einen Abstecher ins hauseigene Pub. Dieses stellt sich als Glückstreffer heraus, da ausschliesslich Einheimische dasselbe bevölkern. Schnell gesellt sich eine Dame zu uns, die bereits ordentlich angeheitert Sprüche vom Stapel lässt, dass uns die Tränen kommen vor Lachen. Auch ein Isländer, der hier als Zimmermann arbeitet flüchtet sich vor dem allgemeinen Tohuwabohu an unseren Tisch.
Schliesslich knurrt uns dann doch der Magen und wir entern einen Schnellimbiss im Gebäude des Supermarkts. Die Preise sind günstiger als im Burger King in Kopenhagen, dafür kriegt man aber etwas weit Besseres und Grösseres. Wir sind zufrieden.
Ein kleiner Verdauungsspaziergang führt uns zum Eishafen mit Blick auf die treibenden Eisschollen und gigantische Eisberge. Vorbei an unzähligen Schlittenhunden, die unsere Gegenwart uninteressiert zur Kenntnis nehmen erreichen wir schliesslich den Anfang der markierten Pfade zum Eisfjord. Diesen wollen wir aber erst am nächsten Tag besuchen und kehren um.

Das Pub wird erneut angesteuert. Dieses ist allerdings mittlerweile so voll wie die Kundschaft, die uns interessiert belagert, aber leider kaum Englisch spricht. Wiederum ist das Interesse für Schweizer Spielkarten immens. Auch unsere Freundin von vorhin hat mittlerweile massive Geh- und Sprechschwierigkeiten. Obwohl die Atmosphäre eigentlich herzlich ist, treten wir die Flucht an.



Eisberge vor Ilulissat



Tag 17 - Eisfjord

Zuerst gönnen wir uns ein Frühstück aus Gebäck, Kaffee und Isländischem Skyr im Supermarkt. Danach brechen wir zum Inlandeis auf.
Der Ausblick ist gigantisch. Ein regelrechtes Eisgebirge wälzt sich durch die Senke des Fjords. Man hört immer wieder ein lautes Krachen der abbrechenden Eismassen. Wir folgen den markierten Wegen und machen auf einer Bank Rast.

Schliesslich sorgen wir für das Abendprogramm vor und kommen rechtzeitig vor der Alkoholsperrstunde in den Supermarkt und decken uns mit Erfrischungsgetränken ein. Sodann geht es schwer beladen ins „Café Hong Kong“ – wie der Name schon sagt ein Thailändisches Restaurant.
Wir bestellen ein original Thailändisches Walcurry, das nicht nur erschwinglich ist, sondern auch vorzüglich schmeckt. Zwei einheimische Familien sind der gleichen Meinung.
Ein Verdauungsspaziergang führt uns zu einem netten Platz mit einem Tisch und Bänken vor der Kirche an der Küste. Wir holen ein paar Brocken Eis direkt aus dem Meer um die Getränke zu kühlen.
Die Aussicht ist grandios, das Bier schmeckt. So lässt es sich leben. Der Abschied von Grönland fällt schwer.



Ilulissat Eisfjord



Tag 18 - Ilulissat, Kangerlussuaq, Kopenhagen

Heute ist der Tag gekommen, es geht zurück. Die Zeit ist kaum merklich vergangen und man könnte gut und gerne noch auf unabsehbare Zeit bleiben.
Auch hier sind die Hälfte aller Autos als Taxis beschildert und ein Wink genügt um uns eine Mitfahrgelegenheit zum ausserhalb gelegenen Flughafen zu organisieren.
Das Flughafengebäude erinnert an den Warteraum eines kleineren Bahnhofs. Ein Schalter, ein Kiosk und Sitzgelegenheiten. Natürlich fehlt nicht der Grönländische Touch: Die Sitzbezüge sind aus Robbenfell.
Obwohl mein Rucksack fast 5kg Übergewicht hat, interessiert das den netten Herrn am Schalter wenig. Wiederum eine nette Geste.

Direkt durch die Tür des Gebäudes geht es zu der Propellermaschine, welche uns erst einmal nach Kangerlussuaq zurückbringt. Der offensichtlich stockschwule Stewart könnte auch problemlos die First Class in Transatlantikflügen bedienen, so gekonnt professionell wie er seinen Job macht.
Die Wolken versperren schon kurz nach der Landung die Sicht auf das Meer voller Eisberge. Da wir beide Gangplätze haben soll’s recht sein.
In Kangerlussuaq haben wir drei Stunden Zeit, bis unser Flug nach Kopenhagen startet. Also begeben wir uns in die Cafeteria wo wie wir uns einen unglaublich guten Moschusochsenburger schmecken lassen und am Nebentisch den scheinbar doch noch unter den Lebenden weilenden Gaddafi vermuten.
Dann ist es so weit. Wir entern die Maschine. Gin-Tonic , Bier und die amüsante Kochsendung trösten uns über den Abschied hinweg.



Flugzeug von Ilulissat nach Kangerlussuaq


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Kommentare

  • Blula

    Was für eine tolle Reise, was für ein Erlebnis. Danke für's Mitnehmen. Dieser auch so lebendig geschriebene Tagebuchbericht ist ganz nach meinem Geschmack.
    LG Ursula

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Grönland: Arctic Circle Trail und Ilulissat Eisfjord 5.00 4

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