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Reisebericht: Die Drei Schönen-Ischia-Capri-Procida
Bekanntes und Unbekanntes der drei schönen Inseln mit dem besonderen Blick auf gutes Essen und Trinken, Neapel nicht zu vergessen.
Die Drei Schönen – Ischia – Capri – Procida
28. August 2012 - Von Wolfgang Grüner
Am besten nähert man sich den drei Schönen von Neapel aus und entdeckt so eine weitere Schönheit. Neapel ist nicht hübsch, nicht angenehm, nicht atemberaubend, oder wenn man es alles anders sieht, genau doch das. Aber es regnet, viel zu viel Verkehr auf den Straßen, überall diese Motorroller, Verkehrsregeln gibt es nicht, hier Busfahrer zu sein ist wirklich keine Freude. Wir fahren bergaufwärts durch verwinkelte Gassen, kleine Straßen, überall wird geparkt, Durchkommen schwierig. Es regnet immer noch, schöne Aussicht sieht anders aus und dann stehen wir vor dem Hotel „San Francesco al Monte“, Corso Vittorio Emanuele 328, ein ehemaliges Kloster aus dem 16. Jahrhundert Ein einfacher, nüchterner, völlig schmuckloser Kasten. Innen alles sehr schlicht, das Zimmer wirkt auch nicht besonders aufregend. Wir gehen erst mal essen im Restaurant „O Core é Napule“, Via M. Pagano 48/50. So langsam heitert sich die Stimmung auf, freundliche Bedienung, zwei Musikanten mühen sich mit neapolitanischer Folklore ab ohne künstlerischen Anspruch zu erreichen, macht aber Laune. Bei der Bestellung wird das erste von vielen Vorurteilen geändert, hier trinkt man eigentlich nur Weißwein, Rotweingegend ist woanders. Wir speisen fürstlich, jeder Gang wird besser als vorherige. Es gibt einen fantastischen Meeresfrüchtesalat, kleine Fleischbällchen mit weißen Trüffeln, Muscheln mit Gebäckstangen, riesige grüne Makkaroni mit Gambas, Risotto mit Tintenfisch und Goldbrasse mit Zitrusfrüchten. So nebenbei geht ein Vorurteil über „Pasta“ fliegen, „al dente“ ist hier anders, nämlich eigentlich noch ganz hart. Ein schöner Abend, ein kulinarischer Genuss aus frischen Köstlichkeiten, das fängt so richtig gut an. Aber es regnet immer noch auf dem Weg zum Hotel.
Der andere Morgen bricht an und haut komplett alle Eindrücke von gestern um. Der Blick aus dem Fenster ist grandios, neben dem Vesuv geht die Sonne durch zerfetzte Wolken auf, unten liegt die Stadt und das Meer, ein fantastisches Bild. Frühstück auf der Terrasse „dei Barbanti“ im Sonnenschein und dann geht es auf das Hoteldach und da bleibt man fassungslos stehen. Eine riesige grüne Oase, ein alter wunderbar gepflegter Dachgarten vom Feinsten, zwischendrin ein kleiner Swimmingpool und in einer kleinen Grotte ein weiterer beheizter Pool, eingebettet zwischen Büschen, Bäumen und Felsen, ein schon fast magischer Ort mit fast rundum Blick auf Neapel, Vesuv und Capri, auf die Hügel von San Martino und Capodimonte, ein Kartäuser Kloster und das Kastell Sant Elmo. Das Hotel hat aber noch mehr zu bieten, drei Restaurants, eine kleine Kapelle, einen Weinkeller, wunderbar abwechslungsreiche Zimmer mit dem Charme von Jahrhunderten, große Teile des alten Klosters sind erhalten und kongenial integriert. Hier könnte man tagelang bleiben, aber wir wollen etwas von Neapel sehen, also auf in die chaotische Stadt, deren gut vier Millionen Bewohner heute wieder alle unterwegs sind. Wir bestaunen viele alte Gebäude, nicht alle sind schön, enge Gassen in denen hier und da das Müllproblem nicht ganz gelöst ist, aber überall Blumen und viel Grünzeug, steile Treppen, Geschäfte mit Sachen, von denen man vorher nicht wusste, das es sie gibt und bestaunen die Weite der Piazza Plebescito. In der Galleria Umberto dreht sich jeder auf seinem Sternzeichen zweimal und wünscht sich was für die Zukunft. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob es sich erfüllt. In Neapel gibt es mehr Kirchen als in Rom, merkwürdig die Fassade der Kirche Gesu Nuovo, Kanonen stehen im Castel dell´ Ovo gleich neben Hunderten von geparkten Motorrollern, Tausend verschiedene Sorten von Nudeln gibt es in den Geschäften der Haupteinkaufsstraße Via Toledo, aber nicht ganz billig. In der Via San Gregorio bieten Dutzende Krippenbauer außergewöhnliche Minibauwerke, Häuser, Ställe, Burgen, ganze Städte und Dörfer an, belebt von ganz kleinen Figuren von Mensch und Tier, hier ist das alltägliche Leben aus Vergangenheit und Gegenwart auf kleiner Fläche konzentriert, welch Meisterwerke. Es gibt so viel zu sehen, da braucht man auch sehr viel Zeit dafür, es lohnt sich.
Wir haben Hunger und was wäre Neapel ohne Pizza. Die gibt es hier schon seit 1830 und wir setzen uns in die vielfach ausgezeichnete „Il Pizzaiolo del Presidente“ (weil hier Bill Clinton schon futterte) von Ernesto Cacialli in der Via Tribunali 120/121 und bestellen die traditionelle Margherita. Hier fällt ein weiteres Vorurteil, die Original-Pizza ist nicht knusprig, sondern weich, weil man sie eigentlich zusammenrollt, um sie unterwegs zu essen. In der Pizza Produktionsstätte stehen ein paar Männer und fabrizieren die Köstlichkeit in atemberaubender Geschwindigkeit, kein Handgriff zu viel, reduziert auf Effektivität, der mit Holz beheizte Ofen glüht und wie am Fließband kommen die Pizzen rein und gleich wieder raus, fertig zum Genießen. Daneben steht der Mann mit den Kartons und dem Helm auf, Lieferservice. Mehr als Dreitausend Stück gehen Tag für Tag raus, hier möchte ich nicht arbeiten, keine Spur von Romantik, trotzdem sind Männer fröhlich und das geht so von früh bis spät in die Nacht. Wir spazieren weiter, am Hafen und den sie bewachenden Burgen vorbei, schauen in pittoreske Hinterhöfe, sehen prachtvolle Theater, diverse Monumente und immer wieder Kirchen, hier liegt, nein besser, lebt eben das Heilige direkt neben dem Profanen, eine historische Stadt in der es nicht an Aktualität mangelt. So auch im „Caffé Gambrinus“, Via Chiaia 120/121, einem überreich dekorierten Genusstempel im neoklassizistischen Stil, wo die Verführung lauert in kaum überschaubaren Formen von Gebäcken, Kuchen, Torten und alles dazwischen, von den diversen Kaffeespezialitäten gar nicht zu reden, Eis gibt es auch noch in grandioser Auswahl. Das Publikum ist gemischt, junges Volk und die herrlichen und schönen alten Damen draußen auf der Terrasse, auf das Feinste herausgeputzt, ganze Kränzchen belagern die Tische und schwatzen, hier lässt es sich stundenlang sitzen und beobachten, das Leben bringt die Themen laufend vorbei. Wir aber müssen weiter, schließlich wollen wir die Inseln erobern und so geht’s zum Hafen, auf ein Schnellboot und ab zur Zitroneninsel Procida.
Die kleinste der Drei Schönen ist gerade mal etwas weniger als 4 qkm klein und hat ca. 16 km Küstenlinie. Bei der Einfahrt in den kleinen Hafen, der hier „Marina Grande“ heißt, sieht man die oben auf dem 91 m hohen Berg gelegene große Abtei San Michele Arcangelo, die heute ein schönes Museum ist und das große Kastell D´Avalos. Dorthin flüchteten sich früher die Bewohner wenn die Piraten kamen, heute sind es nur wenige Touristen und die begrüßt man freundlich, auch weil man auf sie nicht so angewiesen ist. Bis vor ein paar Jahren war das Kastell ein Gefängnis für sehr schwere Fälle, immerhin mit wunderschöner Aussicht. Die kleine Stadt zieht sich mit vielen verschachtelten, aber überaus bunten Häusern verbunden mit verwirrenden Bögen und Gewölben den Berg hinauf. Am Hafen wird jedes Jahr aus den hübschen Mädchen der Insel die „Graziella“ gewählt, leider war aber gerade keine da. Einige bemerkenswerte Sachen gibt es auf Procida zu entdecken, hier soll der berühmte Tanz „Tarantella“ erfunden worden sein (heute blieb aber alles ruhig), dann die berühmten übergroßen religiösen Bildtafeln, Figuren und ganze Gruppen mit Bibelszenen, zum Teil fürchterlich realistisch, schön kitschig würden andere sagen. Die trägt man jedes Jahr an Karfreitag zur „Processione del Christo Morto“ durch die Gassen, dann ins Museum. Berühmt ist die Insel auch für ihre besonderen Zitronen, dazu später mehr. Schließlich auch noch für die sehr engen Sträßchen, die sich äußerst verwirrend zwischen Häusern, hohen Mauern und kleinen Feldern hinziehen. Ein normales Auto ist dafür viel zu breit. Man brettert mit speziellen Motorfahrzeugen, hauptsächlich aus Asien und Italien verwegen durch die Gegend, das es einem Angst und Bange wird. Woher weiß der Pilot eigentlich, dass einem jetzt niemand entgegenkommt? Wir überstehen den Höllenritt und landen im 5-Sterne-Design-Hotel „La Suite-Hotel & SPA“ in der Via Flavio Gioia 81, das erst kürzlich eröffnete. Das merkt man noch und wenn man sich anstrengt, kann man die gegebenen Sterne auch wirklich erreichen. Ruhig ist es hier, ein schöner Pool, Hängesessel, viele gemütlich Liegen und nette, etwas nüchterne Zimmer mit Terrasse. Wir entspannen ein wenig, dann ist das Abendesse fertig, wir erwarten Großes und werden nicht enttäuscht. Die Antipasti bestehen aus Meeresfrüchten und lokalem Gemüse, dann der berühmte Zitronensalat, zu dem später mehr. Dann Tagliatelle mit Artischocken und Speck, gewagt aber gut. Roast Beef mit Zitronensauce, Kartoffeln und Karotten folgen, gedämpfte Gambas kommen, diverse Beilagen runden das Ganze köstlich ab. Ein vorzügliches Zitronensorbet und ein Früchteteller schließen. Dazu vorzügliche lokale Weine wie Falanghina und Piedrosso. Schöne Musik wird auch gespielt, die allerdings fast ohne Pause. Am nächsten Tag erkunden wir die Gegend, fahren zu den Sandstränden Ciraccio und Ciraciello, die sind schmal und leer. Überall an der Küste eröffnen sich traumhafte Aussichten auf schöne kleine Buchten bis hinauf zu Kastell und Abtei, da geht der Blick weit hinaus, oder auf die kleinen Fenster der ehemaligen Zellen. Im Museum gibt es interessante alte Bücher, die man meist sogar anfassen und darin blättern kann. Wir fahren weiter zu den Zitronen und zum Brunch ins „Limoneto del Faro“ in der Via Faro 30, ein über 100 Jahre altes privates Anwesen der Familie Borgogna, die auch (nach Anmeldung) Touristen empfängt. Ein weitläufiges, wild-schönes Anwesen mit vielen Hundert Zitronenbäumen, die meist 200 bis 250 Jahre alt sind. Und was sind das für Zitronen, die in großer Zahl an den kleinen Bäumen hängen! Groß wie Honigmelonen, manche noch größer, mit dicker Schale und gar nicht so sauer, eine besondere Spezialität, auch „Brot-Zitronen“ genannt, die man leider anderswo wohl kaum bekommt. Daraus wird der leckere Zitronensalat gemacht: Die Zitrone wird geschält, klein geschnitten, die Kerne entfernt, gewaschen und dann in Wasser eingeweicht. Dazu kommen Knoblauch, Minze, Peperoni, Salz und Olivenöl, die Mischung muss ziehen und fertig ist „Limone al piatto“, eine sehr leckere und erfrischende Köstlichkeit. Aus den Zitronenschalen wird der ebenso leckere und berühmte Dessertlikör „Limoncello“ gemacht, den gibt es überall und teuer ist er auch nicht. Procida ist ein ideales Natur-Fleckchen für Erholung mit viel Ruhe, Gelassenheit und gutes Essen, die paar Fischkutter laden jeden Tag die Köstlichkeiten aus dem Meer ab, übrigens wurden hier auch einige berühmte Filme gedreht. Ganz am Ende der Insel gibt es noch den großen Felsen „Vivara“, der ist Naturschutzgebiet, da fühlen sich die Vögel wohl und von hier kann man den immer noch nicht ganz erloschen Vulkan sehen, der unser nächstes Ziel ist: Ischia.
Sie ist mit gut 46 qkm die größte der Drei Schönen, abwechslungsreiche 37 km Küste mit schönen Stränden und hat mit dem 789 m hohen Monte Epomeo den höchsten Berg, sieht von See her sehr markant aus. Natur findet sich verschwenderisch hier, jede Ecke schöner als die andere, guter Boden für allerlei Obst, Gemüse, Kräuter und Wein, abwechslungsreiche Botanik mit Waldgebieten voll Ginster, Myrten, Lorbeer, Eichen, Eschen, Strelitzien, Orchideen, Anemonen und sogar den seltenen Papyusstauden. Unser Quartier für die nächsten Tage ist das Hotel „L´ Albergo della Regina Isabella“, Lacco Ameno, Piazza Santa Restituta, ein Traum-Hotel aus den 50er Jahren, behutsam renoviert, fit für moderne Zeiten. In den 60er Jahren war es Promi-Stützpunkt, die Taylor war da, Richard Burton, Soraya, die Callas, Gunther Sachs, Chaplin, Clark Gable usw. Es sieht vom Strand aus wie eine kleine Stadt, hat einen eigenen Strand, eine Sonnenmole, innen und außen Pool und einen feinen Garten, der für Cocktail Empfänge bestens geeignet ist, wie wir später erfreut feststellen. Die Zimmer sind groß, schön eingerichtet und haben meist 1-2 Terrassen oder Balkone mit Aussicht auf Meer und Ortschaft. Besonders schön ist ein edler Majolika-Fußboden im Kaminsaal und eine rustikale Bar, wo eine fast kaum zu überschauende Palette alkoholischer Köstlichkeiten nur darauf wartet, später am Abend probiert zu werden. Für den großzügigen SPA-Bereich mit eigener Thermenquelle ist jetzt noch keine Zeit. Das hervorragende Personal ist schon lange da, dementsprechend erfahren, eben gute, alte Grand-Hotel-Atmosphäre voller Herzlichkeit. Etikette ist angesagt, aber man kann auch gut, wie in allen Thermenhotels, auch im Bademantel frühstücken.
Wir gehen erst mal schwimmen, ruhen uns im Zimmer aus und genießen später die Cocktails und Canapés, bevor es zum Abendessen geht, wo uns allerbeste italienische Küche auf sehr hohem Niveau mit hervorragender Qualität erwartet. Am Tisch im eleganten Restaurant geht der Blick durch die große Glasfront erst mal hinaus auf das Meer, wird dann jedoch wie magisch vom opulenten Vorspeisenbuffet gefesselt. Das ist derart abwechslungsreich, unwillkürlich zähle ich und komme auf gut 100 Variationen. Gefährlich in vielerlei Hinsicht da sicher alles sehr lecker ist, wer das durch probiert, braucht danach nichts mehr, höchstens noch einen Arzt. Wir bescheiden uns und lassen das Menu kommen, es beginnt mit Pasta und Skorpion-Fisch, danach ein gegrilltes Filet der Bernsteinmakrele mit Zitronensoße, Petersilienkartoffeln und geminzter Zucchini. Wein nehmen wir auch, je nach Gusto einen Biancolella-Casa d´ Ambra oder Per´e´ Palummo-Casa d´ Ambra, oder eben beide. Später mit den diversen Desserts vom Buffet kommen noch feine Dessertweine dazu. Danach ist ein Spaziergang durch die belebte Umgebung des Hotels obligatorisch, bevor uns die Musik aus der Bar wieder hinein lockt. Ich habe den frühen Sonnenaufgang vom Zimmer aus gesehen, andere in den Spiegeln der Bar. Heute müssen wir früh raus, denn wir machen einen Tagesausflug nach: Capri.
Los geht es mit dem schnellen Boot um 09.30 Uhr und um 11.20 Uhr sind wir im kleinen Hafen, wo sehr viele schicke Jachten liegen, der aber mehr einem Basar ähnelt mit Läden, Agenturen und Büros. Capri ist ein großer Kalksteinfelsen, am Monte Solara 589 m hoch und gerade mal 10.4 qkm groß. Das es hier seit dem 19. Jahrhundert Fremdenverkehr gibt, merkt man, in der Hochsaison wollte ich nicht hier sein, es ist auch so schon viel Betrieb in den engen Gassen, auf den schmalen Straßen und später in den vollen Lokalen. Rilke war hier, Krupp, Gorki, Dickens, Chaplin, Garbo, u.v.a.m., Kaiser Tiberius schon früher. Ich hatte mal ein Auto von Ford, das so hieß, hätte ich heute gerne wieder. Neben der blauen Grotte, die wir nicht besichtigen (was auch sehr teuer ist und gar nichts Besonderes sein soll) gibt es noch viel Schönes zu sehen. So die Panoramaterrassen der Parkanlage „Gärten des Augustus“ mit der unvergleichlichen Aussicht auf das berühmte Capri-Panorama mit den drei Felsen im Meer, den „Faraglioni“, oder den Blick hinunter zur steilen und schmalen Bergstraße in 90-Grad-Kurven, der Via Krupp. In den Gassen gibt es sehr viele Geschäfte, wo man eigentlich alles kaufen kann wenn man bereit ist, mehr zu zahlen als woanders. In der Via Capodimonte 26 duftet es unvergleichlich nach Blüten, hier kann man sich bei den Mönchen von „Carthusia“ das berauschend elegante „Profumo di Capri“ leisten, ein Parfum der Sonderklasse und das schon seit 1380. Unterwegs fällt eine große Landkarte der Insel auf dem Boden auf, eine meisterliche Keramikarbeit. Die findet sich noch viel meisterlicher auch auf dem Boden der gewaltigen barocken Kirche San Michele im Zentrum der zweiten Stadt von Capri, in Anacapri hoch auf dem Berg. Ein wunderbares Kunstwerk „Vertreibung aus dem Paradies“ mit so vielen wunderlichen Einzelheiten, die Betrachtung könnte Stunden dauern. Doch die haben wir nicht und begeben uns in ein wunderbares Ristorante ziemlich genau über der Blauen Grotte, das in Blau/Weiß gehalten wie ein Schwalbennest an dem steilen Felsen über dem Meer klebt und den richtigen Namen hat: „Il Riccio“, Via Gradola 4/6, Localitá Grotto Azurra. Hier lässt es sich zur Einstimmung mit einigen Gläsern Prosecco wahrlich bestens aushalten, der wunderbare Blick geht auf das Meer mit dem Gewimmel der vielen Boote, oder auf die Felsen, die Ruheterrassen, oder doch besser auf das anrollende Essen. Was an Meeresgetier vorne in der Auslage auf viel Eis liegt, kommt gleich köstlich angemacht als „Insalata Di Mare“ in verschwenderischer Menge als Vorspeise neben den in Teig ausgebackenen Zucciniblüten mit Tomatensalsa und den knusprigen warmen Crostini mit Tomatenwürfeln und Salatstreifen. Damit der Fisch schwimmen kann, geben wir ihm reichlich weißen „Fiando Di Avellino ´11 – Villa Raiano Wein und dann ist der Thunfisch da, über den Röhrennudeln als „Ragùalla Genovese Di Tonno“. Nach dem köstlichen „Tiramisù Al Caffé“ und einem „Espresso“ fahren wir später über die abenteuerlich schmale und gewundene steile Uferstraße zurück zum Hafen. Vorher schauen wir uns bei einem Spaziergang noch die rot bemalte Casa Rossa mit zweibogigen Fenstern und Zinnen, einem Aragonesischem Turm aus dem 16. Jahrhundert mit Bogengängen und einem Innenhof mit antiker Statue an, bestaunen Sitzbänke mit schönen Keramikarbeiten, das „Grand Hotel Quisisana“ (schön und schön teuer), das „Hotel La Palma“, staunen über die Preise der Edelmarken in der Via Camerelle, bewundern noch mal die belebte „Piazetta“ und finden die besonderen offenen „Capri-Taxen“ in rot oder/und weiß mit den fragilen Sonnendächern schön. Wie wir überhaupt die Insel traumhaft schön finden, jede Ecke eine tolle Aussicht, verschwenderische Natur, wunderbare Bauwerke, gut erhaltene Ausgrabungen und das ist noch lange nicht alles. Eine Trauminsel, die sicher viel mehr verdient hat als nur einen Tagesbesuch, sie ist wirklich eine eigene Reise wert, die aber nicht ganz billig zu haben ist, Reichtum ist halt schön, kostet aber auch viel Geld. Und hier fällt auch das Vorurteil, es sei nicht so, doch: Capri ist so wie in den Filmen, wie besungen und gedichtet, eigentlich nur noch viel schöner. Wir schlendern zurück zum Hafen, wollen uns gar nicht trennen und besteigen doch in der „Marina Grande“ das Boot und fahren zurück nach: Ischia.
Es ist Pause angesagt, wir erholen uns und brechen dann auf zum Abendessen in ein Lokal, das von außen und innen nach wirklich nichts Besonderem aussieht: „Un Attimo di Vino“, Via Porto 103. Wir sind die einzigen Gäste und der dickliche Wirt empfängt uns rustikal und herzlich mit der Vorspeise „Fricciarella“, leckeres hausgemachtes Brot mit eigenem Olivenöl, dazu Schaumwein. Zwischendurch nimmt ein Mann am Klavier Platz und beginnt zu spielen, das klingt sehr gut und schon bessert sich die Stimmung. Auch, weil jetzt „Carcioffola“ serviert werden, Nudeln mit einer Füllung aus Kartoffeln, Artischocken und Zackenbarsch. Jetzt singt der Mann und spielt Gitarre und das kann er wirklich, eine lockere Mischung alter und neuer Titel, auch italienische Schlager, es wird gemütlich. Es folgen „O Sole Mio“, Ravioli mit Kürbis-Fisch-Füllung an einer hellen Creme-Butter-Soße. Im Hintergrund sehe ich den Wirt, der merkwürdige Pakete aus dem Ofen holt und diese präzise mit einem großen Sägemesser längs durchschneidet. Was dann serviert wird, war wohl das Beste was es bisher zu essen gab, ein geradezu grandios schmeckender „Lo Guarracino“, Fisch in Salzkruste mit Orangen, Zitronen, Estragon, Rosmarin, Koriander, Thymian, Tomaten, Olivenöl und dazu das tolle Brot. Nie habe ich dieses Gericht irgendwo besser gegessen. Weil sich jetzt ein Gast ans Klavier setzt, der Wirt plötzlich Bass spielt, der Künstler weiter Gitarre und eine leitenden Dame der Handelskammer Neapels sehr schön mit ihm zusammen singt, entsteht auf einmal die Magie einer italienischen Nacht, wie sie kitschiger, aber vielleicht gerade deswegen wunderschön, nicht sein könnte, es wird ein unvergesslicher und sehr später Abend. Ach ja, es gab noch „Nun é peccato“, eine Amaretto-Torte mit etwas überzogen, von dem ich nicht mehr weiß was es war, aber lecker. Und schon wieder fällt ein Vorurteil, etwas nach dem ersten Blick zu beurteilen, eine angenehme Überraschung.
Der nächste Tag führt uns zu einigen interessanten Stellen von Ischia, Besichtigungstour. Zuerst zum Hotel Eden mit der traumhaften Aussicht auf die schöne Anlage mit den blauen Swimmingpools, über den Strand mit den kleinen grünen Inselchen, bis hin zu der auf einem mächtigen Felsen thronenden beeindruckenden Festung „Castello Aragonese“, die sich im Privatbesitz befindet. Dann nach Sant´ Angelo, einem bescheidenen, aber romantischem Fleckchen, wo Angela (Merkel) gerne Urlaub um die Osterzeit macht, dann hinauf Richtung Monte Epomeo ins Serrara Fontana-Gebiet, wunderbare Aussicht auf die halbe Insel. Beim Weinproduzent „Cantine Muratori“ probieren wir ein paar ausgezeichnete Weine, die auf sehr schrägen Terrassen mit felsigem Boden wachsen, aus dem hin und wieder Dampffahnen wehen, hier ist der Untergrund noch manchmal so heiß, das man gar nicht drüber gehen kann. Der Vulkan Ischia lebt halt noch. Wir brauchen auch etwas zur Lebenserhaltung und besuchen den „Öko-Rebellen“ Signore d´Ambra in seinem mit vielen Filmplakaten (weil hier und in der Umgebung viel gedreht wurde) dekoriertem Lokal „La Trattoria Il Focolare“, Via Cretaio 25, Casamicciola Terme. Der erklärt uns ausführlich seine Vorstellungen über Öko und Bio, über heimische Produkte, falsche Vergangenheit und richtige Zukunft und will damit auch gar nicht aufhören, derweil der Rest der Familie in der Küche zaubert und dann damit zum Tisch kommt. Als Antipasto gibt es „Caponatina di Fagioli zampognari dell´isola Ischia“, kleine Nudel in eine Art Gemüsesugo mit Bohnen, danach „Parmigiana di Melenzane“, Auberginenauflauf mit Käse und Makkaroni, gefolgt von frischen hausgemachten Nudeln mit einheimischen Kräutern „Mezzanelli con Tunz´ e Paparastiell´“. Das Hauptgericht kommt in einem riesigen Topf kochend heiß auf den Tisch „La tradizione in tavola“: „Coniglio all´ischitana nel coccio die terracotta, Patate fritte fresche, verde misto con finocchio die mare“, im Tontopf zubereitetes Kaninchen nach Insel-Art mit Pommes Frites und gemischtem grünen Salat. Der Wirt wettert, früher hätte auf der Insel nie jemand Fisch gegessen, Fischer hätte es nicht gegeben, man hätte eben nur Kaninchen und anderes Fleisch verzehrt. Wir finden das gut, weil die Kaninchen in der Zubereitung ein wahres Gedicht sind, mal was anderes und ganz, ganz lecker! Danach ist ein weiteres Vorurteil ist so ganz nebenbei gefallen, „Öko-Rebellen“ sind nicht verbiestert und kauen nur Körner, sie wissen auch ausgezeichnet zu speisen.
Über 80 Thermen gibt es auf der Insel, sehr schön ist die von „Negombo“, Baia di S. Montano, Lacco Ameno, weil sie den Himmel als Dach hat, die Wände sind Pflanzen und sie ist direkt am Meer. Feiner Sandstrand, auf Terrassen in den Berghängen angelegte Thermalwasserbecken mit unterschiedlichen Wassertemperaturen, ein Olympiabecken mit Meerwasser, Kneipbecken, Naturdampfsauna, Wellness- und Beautycenter, Restaurants, Bars und viele Wege und Pfade entlang des Berges Vico mit wunderschönen Pflanzen und Blumen aus aller Welt. Hier kann man sich wahrlich erholen, die Preise liegen so zwischen 17-30 € pro Tag, sehr gut angelegtes Geld. Wir bummeln später durch die kleine Stadt Ischia Ponte, besuchen eine Kirche wo aufgeregte kleine Jungen und Mädchen ganz in Weiß gekleidet mit Lilien in den Händen von aufgeregten Müttern umschwirrt werden, gehen zum Eingang des 2500 Jahre alten mächtigen „Castello Aragonese“, dort spielt eine jugendliche Blaskapelle flotte Weisen. Stelzenläufer staksen herum, Leute in alten Trachten flanieren, eine Art Fest ist zugange, viele Handwerker in Trachten zeigen traditionelle Handwerkskunst. An kleinen Ständen probieren wir gegrillte Sardinen, in Teig ausgebackene pflanzliche Köstlichkeiten, Brot mit Tomaten und Olivenöl, Fischsalat, Pizza und Lasagne, diverse Kuchen und Süßigkeiten, trinken Wein, Limoncello und einen Kräuterlikör aus Rucola, bis wir im Hotel „Excelsior“, Via Emanuele Gianturco 19, landen, um dessen schönen Gartenpool ein weiteres Vorspeisenbuffet mit grandioser Auswahl auf uns wartet. Der Blick geht aber auch zum feinen Privatstrand, ein kurzer Weg durch den üppigen Garten mit vielen Pinien, schließlich war das mal eine Adelsresidenz, hier lässt es sich gut aushalten. Nach dem exzellenten Abendessen sind wir früh im Hotel, nehmen noch einen guten Schluck an der Hotelbar, denn um 06.15 Uhr geht es morgen wieder zurück nach Hause. Aus dem Flugzeugfenster sieht man nochmal Neapel, Vesuv und die Drei Schönen, ist traurig, das man weg muss, aber auch erfreut, dass man so viel Schönes erleben durfte. Wir kommen wieder!
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