Reisebericht

Reisebericht: Das Feuer des Kawah Ijen

 
 
 
 
 
Reisebericht: Das Feuer des Kawah Ijen

Der indonesische Vulkan Kawah Ijen ist wegen seines Schwefelabbaus bekannt. Weniger bekannt ist, dass dieser Schwefel brennt und den Krater nachts in ein gespenstisches blaues Licht taucht.

Noch zu Beginn des Milleniums war ein Besuch der Schwefelarbeiter am indonesischen Vulkan Kawah Ijen so etwas wie eine exotische Tour und ein Geheimtipp für Individualtouristen. Nur wenige verirrten sich hierher um einen Blick in den Vulkankrater zu riskieren, an dessen Grund ein warmer Säuresee brodelt. Eigentliche Attraktion ist allerdings das Schwefelfeld am Ufer des Säuresees. Hier lagert sich tonnenweise Schwefel ab, der mit vulkanischen Gasen aus dem Bauch der Erde an die Oberfläche gelangt. Die Gase treten zischend und fauchend an kleinen Öffnungen aus, die Fumarolen genannt werden. Minenarbeiter bauen den Schwefel in Handarbeit ab. Er ist ein begehrter Rohstoff, der in der chemischen Industrie Verwendung findet und sogar als Tierfutterzusatzmittel benutzt wird: Rinder benötigen geringe Mengen Schwefel zur Verdauung. Das lernte ich auf meiner ersten Reise zum Kawah Ijen in der nahegelegenen Fabrik, wo der Schwefel in kleinen Hochöfen aufgeschmolzen, gereinigt und pulverisiert wird.
Bei meinem jüngsten Besuch des Vulkans im August 2011, den ich zusammen mit den Geonauten Martin, Richard und Thorsten unternahm, musste ich feststellen, dass die Zeit auch in Indonesien nicht stehen bleibt. Zwar wird der Schwefel weiterhin in Handarbeit abgebaut, allerdings hat sich der Vulkankrater von einem Geheimtipp zu einem touristischen Hot-Spot entwickelt. Gegen 4 Uhr morgens stürmen Hundertschaften von Touristen den Berg, um bei Sonnenaufgang auf dem Kraterrand zu stehen. Die Schwefelträger, die den Schwefel in 2 Körben aus dem Krater schleppen, dürften mittlerweile mehr Geld mit Schwefel-Souvenirs verdienen, als an ihrer schweren Last. Bis zu 70 kg wiegen die Körbe, die die drahtigen Männer aus dem fast 300 m tiefen Krater tragen. Schritt für Schritt quälen sie sich in ihren Gummistiefeln den steilen Pfad hinauf, hustend und manchmal auch Blut spuckend: die aggressiven Schwefeldämpfe zerfressen nicht nur ihre Kleidung… .
Gegen Mittag kehrt Ruhe ein, am Vulkan. Für die meisten Träger wird es zu heiß und nur die Härtesten versuchen eine dritte Tour. Die meisten Touristen sind längst vor den beißenden Gasen und Wolken geflüchtet; letztere ziehen oft ab 10 Uhr auf und tauchen die Landschaft in undurchdringliches Grau. Kurz nach Sonnenuntergang verflüchtigen sich die Wolken und geben den Blick auf den Krater mit seinem Säuresee frei. Am Vulkan halten sich dann nur ein paar Arbeiter auf, die das versuchen im Zaum zu halten, weswegen meine Freunde und ich angereist sind: Feuer! Saphirblau lodernde Flammen, welche wie von Geisterhand getrieben aus dem Boden zu sprudeln scheinen und sich in Feuerflüssen über den Kraterboden winden.
Bereits 2 Jahre zuvor hatten wir von dem Phänomen erfahren, als uns unser Freund und Guide Alain, davon erzählte. Jetzt endlich standen wir am Kraterrand und je dunkler es wurde, desto heller loderten die Flammen. Der Vollmond tauchte den Krater in einen schwachen Schimmer und der hellgraue Boden reflektierte so viel Licht, dass wir nicht einmal Taschenlampen benötigten um in den Krater abzusteigen. Allerdings stand der Wind ungünstig und die Dampffahne wehte stellenweise über den schmalen Pfad, sodass wir schon während des Abstieges Gasmasken benötigten.
Unten angekommen bot sich uns eine unirdische Szenerie dar, die der Phantasie eines Science Fiction Autors entsprungen schien: im Mondlicht konnte man schwach das Gelb des Schwefels erkennen, dass an den türkisfarbenen Säuresee grenzte. Rostige Rohre ragten dampfend aus dem Boden. Mit Schwefelbrocken gefüllte Körbe waren in Reih und Glied aufgestellt und warteten auf ihren Abtransport. Blau illuminierter Dampf wallte über den Kraterrand über dem Sterne funkelten. Am Boden wand sich ein Feuerfluss, saphirblau und orange brennendend. Verflüssigter Schwefel geschmolzen und ausgeschwitzt durch die Hitze des Erdinneren. Das unheimliche Zischen und Fauchen der brennenden Fumarolen betonte die Stille im nächtlichen Krater. Ich fühlte mich wie auf einem fremden Planeten. Doch der Wasserstrahl aus dem Schlauch, den einer der beiden Arbeiter auf Nachtschicht führte, holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück: dass war die Erde und hier zählte Wirtschaftlichkeit! Zu kostbar war der Schwefel, als dass man ihn einfach verbrennen lassen konnte. Und so war es auch vor Einbruch der Dämmerung bereits wieder vorbei, mit der Ruhe im Krater des Kawah Ijen. Noch vor den Touristen kamen die Schwefelträger und begannen die wartenden Schwefelkörbe ihrer Bestimmung in der Fabrik zu zuführen.
Wir Geonauten machten sich zurück auf den Weg zum Parkplatz, wo unser Fahrer auf uns wartete um uns zum Vulkan Bromo zu fahren. Dort wollten wir das Kasada-Fest besuchen, eine Opferzeremonie am Krater des Vulkans. Doch das ist eine andere Geschichte.

Eine Multimedia-Show zu diesem Bericht gibt es hier:
http://www.streaming-planet.de/video/vulkan-tv/kawah-ijen-2011.html



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • trollbaby 30.07.2012 | 18:45 Uhr

    Ich werde schön langsam ein Fan Deiner Vulkan-Berichte! Ich bin zwar ein Laie, was dieses Thema betrifft, aber dafür fasziniert es mich sehr!
    Hoffentlich berichtest Du auch über das Kasada-Fest am Bromo! Da ich gerade selbst erst im Juni am Bromo war, würde es mich freuen, nun auch etwas mehr über dieses Fest zu erfahren.
    LG Susi

  • marcszeglat (RP) 30.07.2012 | 19:23 Uhr

    Liebe Susi,

    danke für deine lieben Worte. Wenn du nicht warten möchtest, bis ich hier was über den Bromo und das Kasada Fest schreibe, kannst du schonmal meine Seite über den Bromo besuchen. Dort gibt es auch einen Link zu einer Fotoreportage über das Fest:

    http://www.vulkane.net/vulkane/bromo/bromo-tengger.html

    Besten Gruß, Marc

  • trollbaby 30.07.2012 | 19:27 Uhr

    Mache ich sogleich, Marc! Danke!
    LG Susi

  • trollbaby 30.07.2012 | 19:29 Uhr

    Die Seite kenne ich ja! Auf die bin ich nämlich bei meiner Recherche zum Bromo gestoßen, als ich meinen Bericht über Java schrieb. :-) Ich habe mich dann aber nicht näher auf Vulkaninfos eingelassen.
    LG Susi

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