Der Baikal, die blaue Perle Sibiriens Teil 3

Reisebericht

Der Baikal, die blaue Perle Sibiriens Teil 3

Reisebericht: Der Baikal, die blaue Perle Sibiriens Teil 3

Auf meiner Baikalrundreise im Sommer 2010 verbrachte ich einige Tage in Ust-Bargusin am Ostufer des Baikals. Das malerische Bargusin-Tal und die Heilige Nase - größte Halbinsel des Baikal - sind hier die Highlights.
Dieser Bericht ist der 3.Teil. Allen die die ersten beiden Teile noch nicht kennen, empfehle ich, die zuerst zu lesen wegen des besseren Verständnisses.

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Am Ufer des Bargusin

Das Tragflächenboot kommt mit einer halben Stunde Verspätung am späten Nachmittag in Chuschir an. Ich habe mir extra ein Taxi bestellt, obwohl es von meinem Quartier bis zur Anlegestelle nur 5 min sind, damit ich meinen Koffer nicht über die Piste rollen muss. Aber die steile Zufahrt ist gesperrt, nun muss der Taximann sehen, wie er meinen Koffer den holprigen Abhang hinunterbugsiert.

Tragflächenbootfahren macht Spaß. Wenn man nicht gerade einen kaputten Sessel erwischt hat, sitzt man bequem und ich werde ausnahmsweise nicht seekrank. Allerdings ist es saukalt.

Auf der anderen Seite wacht Vater Baikal (in der Bildmitte erkennt man in der Felsformation ein Gesicht).



Vater Baikal



Der Baikal hat viele Gesichter. Hier lehnt eine Frau am Nordkap. Auch sie ging mit ihren ständigen Wünschen dem Baikalobergott Burchan solange auf die Nerven, bis er sie in Stein verwandelte. Ich frage mich, ob das Märchen vom Fischer und seiner Fru nicht vielleicht aus dieser Gegend stammt.



Felsen von Olchon



In Ust Bargusin, wo der Bargusin in den Baikal mündet, werde ich zuerst von einigen verrosteten Wracks empfangen, dann von Alexander, dem Verantwortlichen des Nationalparks, der mich zu meiner Unterkunft bei Vera bringt.



Anlegestelle Ust Bargusin



Diesmal ein echtes Privatquartier. Zwei russische Touristinnen Irina und Lada sind auch da. Irina ist Französischlehrerein und spricht auch Englisch, Lada hat was mit dem WWF zu tun und spricht lieber englisch, kann aber auch ein bisschen Französisch. Welch glückliche Fügung. Bei Vera ist alles so, wie erwartet, jeden Abend Banja, Klo hinter dem Kartoffelacker. Ich stelle erfreut fest, dass auch ein Hockplumpsklo nicht stinken muss.
Nach dem kalten Schiff genieße ich die Banja. Dann gibts Abendessen in der Sommerküche. Vera hat einen Garten mit viel Kohl, Möhren, Dill und ein Gewächshaus mit Tomaten und Gurken. So frischen knackigen Salat hab ich das letzte Mal als Kind gegessen.



Haus in Sibirien



Der Wasserliferant ist auch hier unterwegs, aber bei Vera gibt es fließend Wasser.



Wassermann



Am nächsten Tag hat Alexander für uns einen Ausflug organisiert. Wir, das sind Irina, Lada, Dani, ein Israeli und eine junge Reiseleiterin, fahren des Bargusintal entlang und halten zuerst im Ort Bargusin. Hier soll vor ein paar Jahren die letzte Ewenkin des Ortes mit über neunzig Jahren gestorben sein. Die Ewenken gelten als Vorfahren der nordamerikanischen Indianer. Heute lebt eine ewenkische Minderheit im Norden von Krasnojarsk in einem eigenen Verwaltungsbezirk.



Wappen von Bargusin



Wir besuchen den Friedhof und das Denkmal der Dezemberrevolutionäre. Die Dekabristen, eine Gruppe intellektueller Adliger, verweigerten dem Zaren den Treueschwur, setzten sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft ein und wurden zur Strafe nach Sibirien verbannt.



Denkmal der Dekabristen



Bargusin macht einen guten Eindruck, ist etwas besser in Schuss und hat mehr Struktur als die anderen Orte - bis auf die ehemalige Bank, der sind wohl die Rubel ausgegangen.



Haus in Bargusin



An einem Felsen besichtigen wir Petroglyphen in roter Farbe, nichts Besonderes, drei Fische und ein Hirsch und angeblich sollen sie 3000 Jahre alt sein, aber man weiß nicht, von wem sie stammen. Da wäre ein großes rotes Fragezeichen angebracht.



Petroglyphen



Die bizarre Felsenansammlung mitten auf einem kahlen Berg heißt sächsisches Schloss.



Sächsisches Schloss



Wir essen bei einer Frau in einem schnuckeligen Häuschen mit einem schönen Garten mit viel Gemüse und Blumen.



Haus in Sibirien



Auch drin ist es ganz heimelig.



sibirischer Ofen



Es gibt Kartoffelbrei und Schweinefleisch, dazu Blini mit Quark drin und Marmelade drauf.



Schweinefleisch und Blini



Sibirisches Reißzahnreh oder Wolperdinger – das ist hier die Frage.



sibirischer Wolperdinger ?



Die nächste Station ist ein schamanischer heiliger Platz. Der Stier-Stein wird als Herr des Ortes verehrt. Bänder werden geknüpft und Münzen hinterlassen und Milch geopfert.



Der Stier-Stein



Wir gehen dreimal um den Stein, dass soll helfen, unsere Wünsche zu erfüllen. Da man hier aber entweder in Heilquellen oder Felsen verwandelt wird, wenn man zu unbescheiden ist, halte ich mich mit meinen Wünschen zurück.



Der Stier-Stein



Nun besichtigen wir das sächsische Schloss aus der Nähe - ein Haufen dekorativer Steine. Seltsam wie man sich hier ein sächsisches Schloss vorstellt. Keiner weiß so richtig, wie die Felsen in die Steppe gekommen sind. Vielleicht die Arbeit von Riesen, einer hat dabei scheinbar seinen Kopf verloren und fletscht deshalb noch immer die Zähne.



Das sächsische Schloss



Oben haben wir einen wunderschönen Blick über das Tal mit dem Dorf Suwo und die 2800er des Bargusingebirges im Hintergrund...



Blick auf Suwo



...und den Bargusin.



Blick auf Suwo



Auf der Rückfahrt vertreiben wir uns die Zeit mit Singen. Dani singt langatmige hebräische Balladen, er spricht übrigens sehr gut Russisch, Irina und Lada singen russische Lieder, und ich singe Raspaschol und Amazing Grace, gemeinsam schmettern wir Kalinka.

Nach dem Abendessen bei Vera wollen Lada, Irina und ich den Strand suchen und landen auf einer Straße, die viel zu weit weg führt, aber Lada lässt sich nicht beirren. Irgendwann halten die beiden ein Auto an, das uns zu einem Jeepfestival am Strand bringt. Der Weg ist weit, und ich frage mich, wie wir wieder zurück kommen. Irina meint, mach Dir keine Sorgen, na gut. Irina und lada sehen zum ersten Mal den Baikal und stoßen Bewunderungsrufe aus.



Baikal bei Ust Bargusin



Auf dem Platz sind viele Zelte, viele Jeeps und viele Auspuffgase. Dass es ein russischer Zeltplatz ist, erkennt man an den dampfenden Zeltbanjas, anscheinend geht hier nix ohne.

Lange bleiben wir nicht. Zwei junge Frauen aus Ust-Bargusin, die sich beim Festival ein bisschen umgesehen haben, nehmen uns mit. Zu Hause wartet schon die aufgeheizte Banja auf uns, das ist eine tolle Erfindung.



Zeltbanjas am Baikal


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Kommentare

  • traveltime

    Hallo Friederike,
    ich habe den Bericht ganz „nemetzki“ gelesen mußte aber manchmal doch laut werden beim Lachen. Du hast das Erlebnis gut rüber gebracht.
    Der geizige Fahrer z.B. der löcher im Fahrzeug hat wo die Chinesen mitlaufen müssen, das habe ich mir sofort gemerkt.
    Die Landschaft ist Grandios und weckt Reisefieber, und deine Infos machen die ganze Sache rund.
    LG Rolf

  • Zaubernuss

    Hallo Friederike
    Es ist Dir vollends gelungen, mich mit Deinem frohen, bunten Reisebericht auf Deine Seite zu ziehen. Eine einfache, manchmal auch sehr spontane Reise mit lieben Menschen. Was will man mehr? Singen, lachen, frieren, baden, erzählen, schweigen... Du zeigst uns etwas von der russischen Seele. Ich hüte mich, mir noch mehr zu wünschen, ich könnte in einen Felsen verwandelt werden... LG: Ursula

  • Schalimara

    Das hört sich (liest sich) alles nach einem gelungenen Urlaub an :-) Ausserdem ein schöner Reisetipp. LG Schalimara

  • Vinni

    Ich hab jetzt alle drei Teile der Baikal-Reise gelesen. Vielen Dankd fürs Aufschreiben, für das Teilen der Erlebnisse und die tollen Bilder. Da komme ich richtig ins Träumen :)

  • allbrechto

    Hallo Friederike,
    ein spannender Reisebericht! Ich plane im nächsten Sommer zum Baikalsee zu reisen. Weil ich die heilige Nase auch gerne besuchen möchte interessiert mich was Du für die Überfahrt von Chushir nach Ust-Bargusin bezahlt hast. Gibt es eine reguläre Verbindung von Olchon zum Ostufer? Oder habt Ihr das Tragflächenboot für diesen Trip extra gebucht? Ich würde mich sher über Deine Antwort freuen!

    Danke,
    Albrecht

  • holgerami

    Danke Friederike,
    ein schöner und zu gleich toller Bericht, der Sehnsüchte weckt. Ich beneide Dich dafür. Danke
    LG Holger

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Ein guter Reisebericht mit sehr guten Hintergrund-Infos und "sau starken" Bildern, der es "auf's Treppchen" verdient geschafft hat. Da wäre ich gerne dabei gewesen. Noch heute kann ich mich darüber ärgern, dass ich eine solche Traum-Reise ausschlagen musste.
    Gratulation dazu von
    Gerd Krauskopf

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  • freyabe

    Hallo Ihr Lieben, vielen Dank für Eure tollen Kommentare, das ist immer wieder schönöööön und motiviert.

  • freyabe

    @ Albrecht. Erst mal vielen Dank für Dein Interesse. Ja es gibt eine regelmäßige Überfahrt von Chushir nach Ust-Bargusin. Ich weiß nur nicht genau ob das nur an bestimmten Tagen der Woche ist oder jeden Tag, ich glaube eher ersteres. Den Preis weiß ich nicht. Ich hatte die Reise vom Reisebüro "BaikalExpress" individuell für mich organisieren lassen und alles pauschal bezahlt. Kann ich sehr empfehlen. Aber teuer ist es sicher nicht. Wie reist Du denn? Auf eigene Faust? Und mit welchem Fortbewegungsmittel?
    LG Friederike

  • Schoena

    Hallo Friederike, danke für Deinen informativen und sehr humorvoll geschriebenen Reisebericht. Das muss ja lustig bei euch zugegangen sein und den Baikal hast Du uns auch ans Herz gelegt. Ich hoffe, ich schaffe es noch, ihn zu besuchen. Auch die Fotos sind auch klasse. LG Ingeborg

  • Korallenriff

    Hallo Friederike,
    ein liebenswert und humorvoll geschriebener Reisebericht,
    so macht lesen Spaß......
    Liebe Grüße, Bernd

  • EngChoon

    Hallo Friederike,

    ich fahre jetzt im Juni zum Baikalsee. Ich bin nicht so mutig wie du, ich schließe
    mich einer Wandergruppe an. Was ich nach Deinem Reisebericht schon fast
    wieder schade finde ;))
    Dein Bericht ist nicht nur sehr unterhaltsam und witzig geschrieben, sondern
    auch sehr informativ.
    So wie es aussieht, muß ich doch einiges an warmer Kleidung mitnehmen, dass
    habe ich von den Photos her doch klar erkannt.
    Hatte schon im Vorjah in Rajastan zu wenig warme Kleidung mit und bekam
    prompt eine Verkühlung. Vielen Dank dafür!
    LG aus Wien
    Gisela

  • Blula

    Danke für diesen tollen und amüsanten Reisebericht. So was liest man einfach gern. Ich bin froh, dass ich ihn hier 5 Jahre nach Deiner Herausgabe noch gefunden habe :-)
    LG Ursula

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