Etwas illegal in die Türkei

Reisebericht

Etwas illegal in die Türkei

Reisebericht: Etwas illegal in die Türkei

Das Jahr 1979. Einreise in die Türkei nur über Istanbul erlaubt. Mit Schmiergeld gibt es aber auch Schleichwege. Fahrt mit einem Fischkutter.

1979 auf Rhodos, Griechenland

Verblassende Bilder und...

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Das Jahr 1979 war die Zeit in welcher Rucksackreisen in ihrer Blüte standen. Griechenland und Inselhüpfen über die Kykladen war ein absolutes Muß. Wer noch nie in einem Mehrbettzimmer ohne Geschlechtertrennung auf der Kykladeninsel IOS genächtigt hatte oder wer auf der Kykladeninsel AMORGOS nicht eine stille Badebucht für Zwei sein Eigen nannte, der hatte fürwahr die Welt verpennt.

Irgendwann aber haben einem die Kykladeninseln PAROS und NAXOS auch nichts mehr zu geben, eine neue Destination muß her! Wie wäre es vielleicht mit der Insel RHODOS? Informationen aus dem Internet gibt es noch nicht, das WWW ist weder angedacht noch erfunden. Also einfach mal ein Blind Date mit einer neuen Insel ausprobieren - doch welche Enttäuschung! Hunderte von Touristen des Establishments mit weißen Jeans, mit Markenklamotten und Ledertäschchen von Aigner bevölkern abends die Restaurants. Es riecht nach Pitralon und Chanel No5, und tiefschürfende Gespräche als Rucksackreisende mit dieser Klientel sind unmöglich. Man spricht einfach zu unterschiedliche Sprachen.

Dann ist da plötzlich diese Schnaps- oder besser gesagt diese Retsina-Idee. Am Ende des Horizonts liegt doch zum Greifen nahe die Küstenlinie der Türkei. Dorthin müßte man fliehen vor dem Touristentrubel auf Rhodos!



01.09.1979

Ausweg aus der Bürokratie

Warten, warten, warten

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Vom Flughafen Rhodos gibt es keine Flüge in die Türkei, bleibt also nur der Seeweg. Überall in der Stadt ist zu hören daß Griechenland und die Türkei in einem Spannungsverhältnis zueinander leben, immer wieder wird Istanbul als Einreisepforte genannt. Also Vorsprache beim Hafenkapitän und Nachfrage ob es denn einen Seeweg zur Türkei gibt. In einem Kauderwelsch aus Griechisch und Englisch wird erneut dargelegt daß der Weg nur über Athen und Istanbul führt. Basta!

Bummel durch die Altstadt, sitzen im Cafe und schnacken mit Einheimischen. Plötzlich, da kommt ein brauchbarer Hinweis von einem älteren Griechen. Er hat Verwandtschaft in Marmaris (Türkei), und wenn er diese besucht dann tut er es als Passagier auf einem Fischerboot. "Ihr braucht auch Passport, Papyrus und Stempel von Hafenkapitän . . . . . und Geld für Freundlichkeit. Ihr gehen zu Cemil (Türke) in Lebensmittelladen von Altstadt. Ihr nur mit Cemil sprechen, Passport und Geld geben und drei Tage warten. Dann Papyrus mit Stempel abholen und von Hafen mit Fischerboot nach Marmaris segeln."

Es folgt eine schlaflose Nacht mit scheinbar endloser Gefahrenabwägung. Am Morgen ist der Entschluß gereift, Besprechung mit Cemil im Hinterzimmer des Ladens, Pass- und Geldübergabe . . . . . und drei Tage Wartezeit.

Inzwischen ist sehr starker Wind aufgekommen, der Mistral wie in jedem Herbst. Mehrmals täglich ein Gang zum Hafen um nach dem Seegang zu schauen und zu prüfen ob Fischerboote ein- oder auslaufen. Die Wartezeit ist noch nervender und stressiger als das Berufsleben daheim. Am dritten Tag ist der Wind etwas abgeflaut. Gang mit Herzklopfen zu Cemil und . . . Hurra! . . . er überreicht uns im Hinterzimmer die Pässe und ein unleserliches Formular mit Stempel und Unterschrift des Hafenmeisters. Im Laufschritt zum Hafen und Nachfrage bei einem dort liegenden Fischkutter. Die erleichternde Auskunft: "wenn der Wind weiter abflaut dann legen wir in 2 1/2 Stunden ab!" Immer positiv denken, eilig zurück in die Unterkunft, Rucksäcke packen und wieder hin zum Hafen.





01.09.1979

Tschüss Rhodos

Grill

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Unsere Stimmung hellt sich immer mehr auf, am Strand zu liegen wie die Grillwürstchen war ohnehin nicht unser Ding. Und dann diese Moskitos überall, es juckt gewaltig. Wenn wir erst einmal auf See sind dann wird alles besser . . . oder anders.



01.09.1979

Bald geht die Seereise los

Im Hafen von Rhodos

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Verschiedene Familien mit viel Gepäck am Kai, ein Auto ist schon verladen. Der Wind ist nicht mehr so stark, die Sonne ist wieder herausgekommen. Nun steht der Überfahrt nach Marmaris in der Türkei wohl nichts mehr im Wege!



01.09.1979

Waghalsiges Vorhaben

Der muß mit!

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Dieser kopflastige Opel Rekord wird mittschiffs und quer auf unser Boot verladen. Oh je, wo sollen wir Passagiere denn noch Platz finden? Der Kapitän ordnet an daß die eine Hälfte der Passagiere auf dem Vorschiff und die andere Hälfte der Passagiere auf dem Achterschiff Platz zu nehmen habe. Zwischen beiden Gruppen also das Auto. Wenn das man gutgeht! Mit einigen Tauen wird das Auto an Bord verzurrt, das gibt uns das Gefühl von ein wenig Sicherheit. Erst im Nachherein stellten wir fest daß keine Schwimmwesten an Bord waren!



01.09.1979

Unsere Seefahrt die ist lustig

Unsere lustige Seefahrt

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Die Überfahrt von 2 1/2 Stunden nach Marmaris ist etwas schaukelig, doch das tut der guten Stimmung an Bord keinen Abbruch. Es ist immer mal wieder notwendig daß ein Passagier des Achterdecks zu einem Passagier des Vorderdecks möchte um mit ihm zu sprechen. Dann werden die Fahrer- und Beifahrertür des Autos geöffnet und der Passagier kriecht hindurch !!! Und wenn eine Muslima vom Vorderdeck zum Töpfchen auf dem Achterdeck möchte, dann haben zumindest die Männer an Bord immer etwas zu gucken und zu schmunzeln.



01.09.1979

Annäherung an Marmaris

Noch 30 Minuten bis Marmaris

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Jeder Passagier hat sich einen den Umständen entsprechend gemütlichen Platz an Bord gesucht. Eine Frau schläft unter dem knatternden Segel, eine weitere Frau turnt auf der Bordwand herum, andere Passagiere sitzen auf ihrem Gepäck oder auf Tauwerk.

Noch etwa 30 Minuten Fahrzeit bis Marmaris, Türkei. Der Kapitän schärft uns ein unbedingt freundlich zu dem Polizisten bei der Ankunft am Kai von Marmaris zu sein und ständig nett zu lächeln.

Endlich sind wir angekommen und verlassen das schwankende Boot. Der Polizist steht auch schon am Kai und mustert uns mit strenger Mine. Er zieht ein Stück Kreide aus seiner Hosentasche und zeichnet einen größeren Halbkreis auf den Boden des Kais. Dann verlangt er mit fordernder Handbewegung unsere Pässe und Reiseerlaubnisse des Hafenkapitäns von Rhodos. Mit den Dokumenten entfernt der Polizist sich gemächlichen Schrittes in Richtung einer kleinen Hütte am Kai. Dabei sieht er sich immer wieder einmal um ob nicht vielleicht eine dieser Personen verbotenerweise den Kreidestrich überschritten hat. Er verschwindet in der Hütte und kommt etwa nach einer halben Stunde zurück. Er vergleicht die Paßfotos mit den Gesichtern der Ankömmlinge peinlichst genau und gibt dann die Dokumente wortlos und ohne Gesichtsregung zurück. Endlich, wir dürfen den Kreidestrich übertreten und unserer Wege gehen.



01.09.1979

Von Marmaris nach Fethiye

Otobüsleri Fethiye

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Marmaris ist im Jahre 1979 noch keineswegs der beliebte Badeort wie er später einmal sein soll. Das Angebot an Touristenhotels ist kärglich, der Yachthafen verdient seinen Namen noch nicht.

Mit einem klappernden Bus für sehr wenig Geld fahren wir an der Küste entlang zum kleinen Städtchen Fethiye. Das nebenstehende Bild zeigt die Otobüsleri Fethiye. Bei uns reift der Gedanke auf diese Art bis zum Berg Ararat im wilden Kurdistan zu fahren.



Ungewohntes Hockklo

Hockklo und Waschplatz

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Weiter geht die Busfahrt über staubige Pisten und durch winzige Dörfer der Türkei. Irgendwann legt des Busfahrer an einem Dorfplatz eine Pause ein damit die Fahrgäste sich entspannen können und Gelegenheit zur Defäkation haben. Für uns zivilisierte Mitteleuropäer ist diese Einrichtung der Hocktoiletten schon sehr gewöhnungsbedürftig. Hose runter oder Rock hoch, mit einer Hand die Tür mangels Verriegelung zuhalten, mit der anderen Hand die Kleidung zum Schutz vor Verschmutzung im Griff behalten. Nun in die Hocke gehen und defäkatieren. Gut dran ist der welcher die nötigen Papiere mit sich führt. Sie können sich bestimmt vorstellen wie schwierig oder gar unmöglich es ist während dieser Prozedur eine Zeitung zu lesen oder ein Kreuzworträtsel zu lösen. Auf die Nöte von Menschen mit einer Kniearthrose oder Gleichgewichtsstörungen wollen wir an dieser Stelle nicht näher eingehen. Vor der öffentlichen Hocktoilette befindet sich auf dem Dorfplatz ein öffentlicher Waschplatz (siehe Bild), das ist doch auch schon mal was.

Schlußbemerkung:
Die gezeigten Bilder sind mehr als 30 Jahre alt und wurden von inzwischen farbfalschen Fotos oder von Kontaktstreifen reproduziert und digital aufgepäppelt. Um Nachsicht wird gebeten.
Die Reise durch die Türkei fand an diesem Hockklo natürlich noch nicht ihr Ende, alle weiteren Abenteuer sind später in einem gesonderten Bericht zu veröffentlichen.


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Kommentare

  • Zaubernuss

    Ob das mit dem Bewerten Deines spannenden Reiseberichts nun klappt? Oder bin ich zu früh am Tag? (4.48) ... Auf jeden Fall waren damals solche Reisen wirklich ein Abenteuer... Du bringst das auf den Punkt. Ich habe leider einiges, was Du erlebt hast ausgelassen, habe aber davon geträumt! Die alten Fotos geben dem Bericht das gewisse Etwas. Schön, dass Du in Deinen Alben kramst! LG: Ursula

  • Zaubernuss

    Ausser meinem Kommentar ist nichts aktiv! Ich werde es nachholen!

  • Zaubernuss

    Ausser meinem Kommentar ist nichts aktiv! Ich werde es nachholen!

  • Zaubernuss

    ich sage es ja, die Spielereien von Rolf zeigen auch bei mir Wirkung...

  • 238EWT

    Schmunzel: Fünf Punkte für Inhalt, Schreibstil und Erlebniswert, einen weiteren für die Beatmung Deines Fotoarchivs. Und einen siebten Glanzpunkt für die Übersetzung des medizinisch wirkungsvollen Begriffs "Stuhlgang". Fehlt eigentlich noch die Verbindung mit der senkrechten Miktion nach Ouzo-Genuss auf schwankender Opel-Fähre. Leider ist hier kein Platz für Extra-Punkte, die Du Dir redlich und literarisch verdient hast.
    Reicht das als Laudatio?
    Mit fröhlichen Grüßen aus Wiesbaden
    Eberhard

  • moho

    was freu ich mich auf die Fortsetzung :-))) Ein toller lebendiger Bericht von Annodazumal. Und die Fotos erst, macht nochmal 5 Punkte extra obenauf! Mit einem herzlichen Dankeschön fürs mitnehmen. LG Moni

  • freeneck-farmer

    Schön dein Bericht. Du hast ja nicht nur alte Bilder ausgegraben aber auch alte Erinnerungen. Viel Arbeit.
    LG Anneken

  • nach oben nach oben scrollen
  • RC-Redaktion

    Spannende Erinnerungen an eine abenteuerliche Reise. Toll und die heutige Empfehlung unseres Teams!

  • Aries

    Ein Bericht über Zustände und Wagnisse, wie ich sie in vergleichbarer Form in Südamerika erlebt habe; bzw. wie mein Partner seinerzeit eine Reise in damals noch Persien gestaltet hat...
    Heutzutage gibt es Abenteuer anderer Art, unsere waren sicherlich unwägbarer.
    Herzlichen Dank!
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
    LG Hedi

  • Elaira

    Unglaublich, wie abenteuerlich deine Reise und vorallem die Überfahrt gewesen sein muß! Heute steigt man in ein Flugzeug und ist in 3 Stunden ohne weitere Probleme vor Ort. Das war jedoch sicher eine Reise, die du nie vergessen wirst - und so soll es ja schließlich sein! Danke für deinen spannenden Bericht von anno dazumal! LG Tamara

  • chefkochpaule (RP)

    KÖSTLICH!!! :-)))
    LG Doris

  • Zeitreisende

    Warum darf ich hier nur fünf Punkte geben. Klasse, was habe ich mitgelitten. Aber die Pässe kamen ja wieder zurück zu Euch und den Kreidestrich ( jetzt muß ich schon wieder schmunzeln ) habt Ihr ja ganz folgsam auch nicht übertreten !!! Wirklich ein anschaulicher Bericht in die Vergangenheit !!! Gerne würde ich noch mehr davon lesen dürfen.....;-))) ! LG Dani

  • cirrus

    Jaaaaa, jetzt erst gelesen und genossen, geschmunzelt und mitgezittert.
    Ich warte nun auch auf die Fortsetzung....??
    Es ist ja bald Winter :))))
    LG Christel

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