Einmal Lappland und zurück

Reisebericht

Einmal Lappland und zurück

Reisebericht: Einmal Lappland und zurück

Mein Kumpel Peter hatte mir schon öfter von seinen Touren durch Skandinavien erzählt. Mich zog es fast magisch in nordische Regionen und bei nächster Gelegenheit wollte ich unbedingt mit dabei sein. Dann kam Peter mit dem Vorschlag, eine Trekkingtour durch das Vindelfjällen Naturreservat in Südlappland zu unternehmen. In Hemavan, südlicher Endpunkt des Kungsleden, sollte unsere Tour beginnen.

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Einleitung

Peter hatte eine knapp zweiwöchige Trekkingtour im Gebiet des Vindelfjällen Naturreservates vorgeschlagen und organisiert. Mit 5500 km2 ist dies immerhin das größte Naturreservat Schwedens. Wenn man es genau nimmt, ist es sogar größer als die Nationalparks Sarek, Padjelanta und Stora Sjöfallet zusammen. Dieses Fjällgebiet beinhaltet die verschiedensten Landschaftstypen wie Nadelurwälder, Fjällbirkenwälder, Zwergstrauchheiden, alpine Moore und vegetationslose Geröllhalden. Im Sommer durchstreifen die aus etwa 12 000 Rentieren bestehenden Herden der Fjällsamis die Kahlfjälls. Neben ihnen beheimatet das Vindelfjällen als eines der wild- und artenreichsten Gebiete Lapplands auch Elche, zahlreiche Kleinsäugern, wie die in der Roten Liste gefährdeter Arten geführten Berglemminge und Vogelarten, wie Auerhahn, Raufußkauz, Merlin, Moorschneehuhn, Falkenraubmöwe und Alpenstrandläufer. Außerdem sind auch Räuber wie Luchs, Bär, Vielfraß und einer der letzten europäischen Bestände des Polarfuchses anzutreffen. Zumindest theoretisch.
Durch das Gebiet verläuft der südliche Kungsleden mit einem saisonal bewirtschafteten Hüttennetz, sowie weniger häufig frequentierte Nebenwege mit verschiedenen einfacheren Schutzhütten, die aber ebenfalls vom schwedischen STF (Svenska Turistförenigen) betreut werden. Ein durchaus reizvolles Gebiet und eine sicher sehr reizvolle Tour, also gab es eigentlich nicht mehr viel zu überlegen. Dieser Ansicht war auch Claudia, die sich uns ebenfalls anschließen wollte. Auf Peters Vorschlag hin wollten wir für die An- und Abreise das Abenteuer Bahn erleben. So würde das Reisen letztendlich zwar recht lange dauern, dafür aber auch schon viel mehr zu einem Bestandteil der Tour werden.

Wie immer bildet man sich während der gesamten Vorbereitung ein, die Zeit würde gar nicht vergehen. Man arbeitet eine Ausrüstungsliste aus, kalkuliert die Barschaft, die man an Schwedischen Kronen mit sich führen möchte etc. und muss plötzlich feststellen, dass es doch schon kurz vor knapp ist und der größte vorhandene Rucksack gar nicht reicht, weil man letztendlich viel mehr Verpflegung und zusätzlich dickere Kleidung mit sich führt, als sonst. Also zweigt man von dem einkalkulierten Geld dann auch noch einen größeren Betrag für die Anschaffung eines großen Bergans Rucksacks ab. Die 85 Liter sind zu Beginn der Tour dann aber auch fast restlos ausgenutzt. In einer zusätzlichen Gürteltasche landen Foto, Geldbörse, MP3-Player und der Haustürschlüssel. Nun konnte es also endlich losgehen.





05.09.2008

Lange Anreise

Der ICA in Hemavan

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Als ich abends zuhause hinter mir die Haustür zuzog und mich mit geschultertem Trekkingrucksack auf den Fußweg durch die Stadt zum Bahnhof begab, gab es sicherlich einige verwunderte Blicke. Ich selbst hatte aber viel mehr mit meiner eigenen Verwunderung zu kämpfen. Schon nach wenigen hundert Metern begann ich meine Beine zu spüren und schneller zu atmen. Irgendwie hatte ich die letzten Monate verdammt wenig Training. Was sollte das erst im unwegsamen Gelände geben?
Mit der Regionalbahn fuhr ich von Worms nach Mannheim und stieg dort ins Bordbistro des ICE nach Fulda. In Hanau stieg bereits Peter zu und gemeinsam fuhren wir die restliche Strecke. In Fulda angekommen stand bereits unser Nachtzug, mit dem Claudia schon seit München reiste. Unser Vierer-Schlafabteil teilten wir uns mit einem weiteren Fahrgast, der mit dem Rad auf dem Weg nach Flensburg war. Die Nacht über zu schlafen war nicht ganz so einfach. Man wurde in seinem schmalen Bett teilweise ordentlich durchgerüttelt. Dann wurde in aller Frühe unser Mitfahrer geweckt und zu guter letzt wurden wir noch einmal bei Grenzüberfahrt zur Passkontrolle geweckt. Bis ich so richtig realisieren konnte, wo ich überhaupt meine Papiere hatte, wurde die Tür aber schon wieder zugezogen. Peters war schneller wach und sein Ausweis hatte wohl genügt.
Morgens nahmen wir ein kärgliches Frühstück im Bordbistro ein, bevor wir Kopenhagen erreichten. Da niemand Dänische Kronen einstecken hatte, ließen wir den Bahnhof dort recht schnell hinter uns. Die Regionalbahn nach Malmö sollte ja nicht so lange auf sich warten lassen und dort hatten wir über drei Stunden Zeit, bevor unser Anschlusszug ging. Das war genug Zeit, um sich etwas die Stadt anzuschauen und im Schlossgarten beim idyllisch gelegenen Gartencafé bei Sonnenschein eine Tasse Kaffee und eine heiße Waffel mit Sahne zu genießen.
Vor uns lag noch eine weitere Nacht im schmalen Dreier-Schlafabteil eines schwedischen Nachtzuges. Immerhin gab es eine großzügig geschnittene Dusche und sogar Handtücher. Den Abend saßen wir in einem Bistrowagen, der uns in die Zeiten Miss Marples zu entführen schien. Kleine Holztischchen mit Stehlämpchen, Vorhänge und eine Holzbar verliehen den Charme eines Orientexpress. Die Nacht in diesem Zug war dann auch erheblich ruhiger und angenehmer. Am Morgen blieb uns allerdings nicht viel Zeit für Frühstück. Bewaffnet mit Kaffeebecher und belegtem Brötchen, den Rucksack geschultert, stiegen wir kurz vor sieben in Vännäs aus dem Zug. Es war schon erheblich kühler wie bei uns zuhause. Vor dem großen roten hölzernen Bahnhofsgebäude wartete bereits unser Bus, der uns in weiteren fünf Stunden Fahrzeit unserem Ziel entgegenbrachte. Draußen zog die schwedische Landschaft an uns vorbei. Wälder, Seen und Flüsse, immer wieder kleine Ortschaften mit den typischen roten Häusern. Nach so langer Fahrzeit wollten wir uns aber endlich selbst durch diese Landschaft bewegen. Das Sitzen wurde langsam anstrengend. Aber schließlich setzte uns der Busfahrer beim ICA-Supermarkt in Hemavan ab. Wir hatten es geschafft!


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Kommentare

  • Anderswo

    Ein guter, ausführlicher Bericht über eine herrliche Wanderung.
    Die schönen Bilder wecken in mir lebhafte Erinnerungen
    an eine Nordlandreise, die wir zu viert 1971 unternommen haben.
    Von einem Standlager mit zwei Zelten unternahmen wir mehrmals
    lange Wanderungen ins Fjell und duch das Sildudalen
    zum Ikesjaure und zum Juronjaure oberhalb des Polarkreises.
    Damals wurde gerad die Straße nach Norwegen gebaut.
    Oft erschütternten Sprengungen die Luft.
    Heute ist diese Straße meiner Meinung nach die sinnvollste Verbindung,
    um zu den Lofoten zu gelangen.
    Bilder liegen leider nur in Diaform vor.

    Andreswo

  • lucky-wanderer

    Wie immer toller ausführlicher Bericht mit schönen Bildern! Macht Lust auf Schweden- und Trekkingurlaub!

  • A1B2CC

    Hallo, also ein super und ausführlicher Bericht. Da bekommt man richtig Schmetterlinge im Bauch und will es Ihnen nach machen.

  • Kongo

    Vielen Dank Euch allen! Dies war ja meine erste Outdoorerfahrung in Skandinavien und ich muss schon sagen, ich bin definitiv infiziert! Tolle Landschaften, tolle Menschen und viel Raum für Abenteuer. Ich werde ganz bestimmt wieder kommen.

  • fhaid

    Outdoor im Hohen Norden ... wer einmal damit anfängt! Toller Bericht über ein tolles Erlebnis. Wir haben letztes Jahr Goldwäscher in der Wildnis Lapplands besucht. Diese Gegend und die Leute ... echt toll! Weiterhin viel Spaß da oben!

  • Petterson

    ich hatte im letzten Jahr das Glück nach Lappland zu reisen. Wer einmal dort war, der kommt immer wieder.

    Ein toller Bericht und super tolle Bilder, die Lust auf Lappland, Fjäll und die Natur machen.

    LG Petterson

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