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Reisebericht: Reiseparadies Comer See
Wieder einmal ging es an der schönen Comer See. Diesmal mit meinen zwei Kindern. Trotz Novembers hatten wir sonnige milde Tage.
Comer See im November
Sonntag, 22.02.09: Anreise über die Alpen
Am Sonntag vor dem Rosenmontag 2009 ging es los in Richtung Comer See. Ein Familienvater und seine zwei Söhne, einer 9 Jahre, der andere 7 Jahre. Das Auto voll gepackt bis unters Dach, kämpften sie sich durch ein Schneechaos an den Nordalpen. Schneefall von Memmingen bis zum San Bernardino. Kurz vor Chur gab es Entwarnung, am Straßenrand das Schild mit der erlösenden Nachricht: San Bernardino-Pass gesperrt, San Bernardino-Tunnel geöffnet. Trotzdem Schneefall bis zum Tunneleingang, auf der anderen Seite Sonnenschein, wie schon so oft. Ein paar Kilometer weiter, ein Parkplatz, schön gelegen an der Abfahrt ins Tal von Bellinzona, die Temperatur steigt auf 9°. Was für ein Kontrast. Weiter unten im Tag steigt dann die Anzeige bis auf 13,5°, fast schon Frühlingsgefühle. Die Kinder auf der Rücksitzbank kriegen fast garnichts mit. Zu sehr sind sie in die Geschichten, die aus dem MP3-Player kommen, vertieft: Bibi Blocksberg und TKKG, ständige Reisebegleiter auf Autofahrten.
Bei Lugano geht es dann von der Autobahn und im Anschluss hinter ... über die Grenze nach Italien. Bei Menaggio sehen wir den See zum ersten Mal, die nachmittägliche Sonne wirft die Umgebung in ein atemberaubendes Licht. Nur noch 14 km bis Gravedona, dort liegt unsere Ferienwohnung, am Hang klebend und hoch über dem See, mit einer fantastischen Aussicht auf den Monte Legnone, dem höchsten Berg am Comer See.
1. Tag: Der Monte Legnoncino im Winter?
Um 6.45 Uhr von den Jungs geweckt, frühstücken die Urlauber und zögern die Abfahrt erfolgreich bis 9.30 Uhr heraus. Kinder wandern gerne, aber nicht immer. Dann geht es aber los, auf den kleinen Bruder des Monte Legnone, dem mit ca. 2609 Metern, höchsten Berg am Comer See. Aber auch der kleinere Bruder hat es in sich: von unten gesehen noch schneebedeckt, heißt es, dass man mit dem Auto bis nach oben fahren kann, und viele Touris dies auch machen, allerdings nur im Sommer.
Wir probieren es, fahren in Dervio ab ins Valvarone-Tal, wo es schnell abenteuerlich wird. Die Straße hat nur Platz für ein Fahrzeug in der Breite. Heute ist aber zum Glück wenig Verkehr, so dass nur zweimal eine Ausweichstelle gefunden werden muss. Da kann man schon mal ins Schwitzen kommen. Heißer wird es dann auf einer Höhe von ca. 1350 Metern. Die Straße wird immer schmäler, an den Seiten türmen sich Schneemassen von bald einem Meter. Irgendwann ist dann die Straße schneebedeckt, und es ist besser das Fahrzeug stehen zu lassen. Zu Fuß geht es dann weiter in Richtung Rifugio Rocalla, die berühmte Berghütte ca. eine halbe Stunde unterhalb des Monte Legnoncino. Wegen der Aussicht ist dieser Ausflug eigentlich ausgewählt worden, die soll atemberaubend sein. Da kann man gespannt sein.
Auf dem Weg begegnet man einem Mann aus Bratislava: er hat es geschafft, ist mit dem Auto bis zum oberen Parkplatz gefahren. Es scheint ein Vierrädler zu sein. Er gibt auch einen guten Tipp: zu viel Schnee sei oben, es geht nur mit Schneeschuhen weiter. Mit eigenen Augen sehen, das ist jetzt die Devise. Nach einer halben Stunde ist es dann klar. Der Weg zum kleinen Legnone ist definitiv zugeschneit, auch von der Hütte ist nichts zu sehen. Schnee bis auf Augenhöhe, nur der Parkplatz ist geräumt. Ohne entsprechende Ausrüstung bleibt nur eines, der Rückzug. Ein kurzer Halt in Dervio-Strand soll etwas gute Stimmung bei den Kindern bringen. Fehlanzeige. Ein Wind von fast Sturmstärke senkt die Temperaturen auf ca. 6°C, für uns zu wenig, um lange hier zu bleiben. Der Strandbereich ist allerdings schön angelegt, eine Ristorante und eine Surfschule sorgen für das Ambiente, nutzbar allerdings erst ein paar Monate später. Im Anschluss geht es zurück in die Fewo, unterwegs kaufen wir im Centro commerciale in Colico ein. Die Außentemperaturen betragen stolze 15°, für Ende Februar ein sehr guter Wert.
2. Tag: Die Strada Regina von San Carlo [Gravedona] nach Domaso und zurück
Der Zufall will es, dass die Strada Regina antiqua direkt an der Wohnanlage Casa Rina vorbeiführt. Für uns also kein Problem direkt in den Streckenverlauf einzusteigen. Tags zuvor hatte der Wirt noch gezeigt, wo es losgeht. Ein bisschen gefährlich ist die Strecke anfangs schon, unmittelbar neben dem Pfad geht es teilweise bis zu 30 Meter steil bergab. Nach 500 Metern die erste Rast, Kinder brauchen eben mehrere kleine Mahlzeiten, das weiß man als Familienvater. Nur komisch, dass die Blicke zu allererst auf die Schokolade gerichtet sind. Gestärkt geht es weiter mit ständigen Super-Ausblicken auf den Comer See. Die Strada Regina ist die ursprüngliche Verbindungsstraße zwischen Como und Chiavenna, meist verläuft sie weiter oben an den Berghängen und diente früher als Verbindungsstrecke für die Bauern und Ziegenhirten. Ein sehr schön gestalteter Reiseführer erklärt übrigens alles bis ins kleinste Detail, ist mit schönen selbst gezeichneten Karten versehen und kann z.B. in Dongo bei der Touriinfo in deutscher Sprache bezogen werden. Jede Etappe dauert ungefähr 3 bis 4 Stunden und ist leicht zu gehen, man braucht also außer trittsicherem Schuhwerk keine hochalpine Erfahrung. Die Begebenheit der Strecke wechselt von Erde über alte Steinpfade bis zu Asphalt, einige Streckenabschnitte wurden im Laufe der zeit einfach auch als Straßen genutzt, dies v.a. in den Ortschaften, was irgendwo klar ist.
Weiter aber mit der Wanderung. An jedem Grundstück werden wir von Hunden begrüßt, manche freundlich, manche unfreundlich. Wenn man ehrlich ist, nervt es irgendwann. Auch ist die Angst, ein größerer Hund könnte einmal frei herumlaufen, ständig präsent. So präsent wie zwei Schweizer Messer, die wir griffbereit bei uns haben. Im Streckenverlauf muss man auch seiner Intuition folgen, die Wege erkennen und auch damit rechnen, mal falsch zu gehen. Schließlich erreichen wir Domaso, laufen von Kirche zu Kirche, über kleine Brücken, letztlich zum Strand, um etwas Pause zu machen. Die Kinder sind voll in ihrem Element, spüren die eiskalten Finger kaum mehr, wollen aber immer weiter spielen. Mitten im See ein Wasserflugzeug, wohl ein Flugschüler, er fliegt ein lande- und Startmanöver hintereinander. Nach gut einer Stunde treten wir den Rückweg an. Die Kinder wollen den selben Weg zurück, eine Fahrt mit dem Tragflügelboot interessiert sie kaum, und so stapfen wir den Berg wieder hinauf, der böse Hund ist zum Glück nicht mehr da, nach ca. 1 Stunde erreichen wir unser Urlaubsdomizil. Ein schöner Kaffee, ein bisschen Gebäck, und alle sind wieder glücklich. Gegen 17 Uhr geht es noch einmal hinunter nach Gravedona, ein paar Dinge einkaufen, auf den Spielplatz und die Strandpromenade einmal rauf und runter, das war es dann für diesen Tag.
3. Tag: Der Sentiero del Viandante von Varenna zum Fiumelatte
Überraschender Weise sind meine Jungs bei der Verkündung des heutigen Programms gar nicht abgeneigt: Wanderung auf die Burg von Vezio und anschließender Marsch zum FiumeLatte. Also Gelegenheit nutzen und nichts wie los. Zunächst besuchen wir das Örtchen Rezzonico und lassen uns von der Romantik dieses Ortes begeistern. Anschließend finden wir uns am Fährhafen von Menaggio ein und warten ca. 40 Minuten auf die Überfahrt. Für EUR 12,60 dürfen ein Erwachsener, zwei Kinder und ein Auto von Menaggio nach Varenna mit. Ganze 4 Autos besetzen das Deck und es ist auch etwas zugig an Bord. Trotzdem bleiben wir nicht im Auto sitzen, sondern machen Fotos von allen möglichen Motiven: Menaggio, Varenna, Bellagio etc. Nach 12 Minuten erreichen wir Varenna, die Burg thront hoch über dem Ort, unser Ziel. Gleich bei der Hauptstraße beginnt der Anstieg auf alten Steinpfaden, anfangs noch im Ort, später über Acker und Wiedelandschaft.
Oben angekommen eine kleine Enttäuschung: das Tor zur Burg ist verschlossen. Im Winter kein Zugang zur Burg, schade. Eine schnell anberaumte Pause mit ordentlicher Verpflegung lässt das Unglück schnell vergessen. Dann also gleich zum FiumeLatte, das kürzeste Flüsschen der Welt, wie in einem Reiseführer genannt wird. Der Weg dorthin ist zauberhaft, angenehm warm ist es dazu. Olivenbäume, Felder und Wiesen zäumen unseren Weg, dann geht es teilweise unter Bäumen weiter, mal bergauf, mal bergab, sogar an einer Kanone aus vergangenen Kriegen kommen wir vorbei. Also, für Abwechslung ist gesorgt. Der Fiume ist dann allerdings etwas enttäuschend: kein Wasser! Also, im Simmer gibt es kein Wasser! Zu trocken, Im Winter gibt es kein Wasser, auch zu trocken. Ja, wann fließt dann überhaupt mal etwas? Wir wissen es nicht. Den Namen hat dieses Flüsschen übrigens von dem Schaum, der entsteht, wenn das Wasser mit hoher Geschwindigkeit aus dem Berg herausschießt. Der weißliche Schaum gibt dem Fluss dann den Namen 'Milchfluss'. Einige Picknicktische, ein Grill und eine schöne Aussicht entschädigen uns für den leicht anstrengenden Aufstieg. Der Rückmarsch führt uns dann direkt nach Varenna, der vielleicht romantischte Ort am Comer See. Uns zieht es gelich ans Wasser, ein sonniges Bänkchen lädt zum Verweilen ein. Kurz darauf eine Dame übergibt uns eine Plastiktüte mit alten Semmeld, für die Enten, versucht sie uns in italienisch zu erklären. Wir verstehen schnell und nach ca. 30 Sekunden sind ungefähr 40 Wasservögel um uns herum. Anscheinend ist es im Winter schwer für die sonst so verwöhnten Tiere. Für uns eine willkommende Abwechslung, um dann später über den eigens gebauten Küstenpfad zum Parkplatz zu gelangen.
Tipps gibt es unter http://www.comersee-info.de
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